24.06.2008

Philipp Lahm im Interview

»Ich bin ehrgeizig«

Während die Nationalelf zwischen Lethargie und Enthusiasmus schwankt, spielt Philipp Lahm auf konstant hohem Niveau. Wir sprachen mit ihm über den Unterschied zwischen links und rechts, seine neue Chefrolle und über Klinsi.

Interview: Christof Kneer Bild: Imago
Herr Lahm, es gibt schlechte Nachrichten.

Nämlich?

Seit dem Spiel Russland gegen Holland muss man festhalten, dass Sie in der Wertung »bester Linksverteidiger des Turniers« heftige Konkurrenz vom Russen Schirkow bekommen haben.

Ich hab das Spiel gesehen, das stimmt, die Russen waren wirklich gut.



Wollen Sie denn überhaupt der beste Linksverteidiger werden? Sie wollen neuerdings doch nur noch Rechtsverteidiger sein.

Nein, das stimmt so nicht. Ich habe gesagt, dass ich lieber rechts spielen, aber im Prinzip bin ich Links- und Rechtsverteidiger. Und im Moment spiele ich eben Linksverteidiger.

Erklären Sie mal, was das für Sie für einen Unterschied ausmacht.

Der entscheidende Unterschied ist mein Gefühl. Ich habe das Gefühl, dass ich auf rechts etwas besser bin.

Das ist nur ein Gefühl?

Natürlich gibt's auch fachliche Gründe, aber die hängen mit dem Gefühl zusammen. Wenn ich auf der rechten Seite außen vorbeigehe, dann liegt der Ball eben auf meinem stärkeren Fuß. Oder nehmen Sie die Defensivarbeit: Auf der rechten Seite kann ich mit meinem stärkeren Fuß dazwischengehen, das ist einfach ein kleiner Unterschied. Andersherum gibt's natürlich auch auf links Vorteile, da kann ich zum Beispiel nach innen gehen und Pässe spielen.

Sie haben im ersten Spiel gegen Polen rechts verteidigt und mussten dann in der Halbzeit des Kroatien-Spiels nach links wechseln, weil Marcell Jansen da Probleme hatte. Polen war ein gutes Spiel der DFB-Elf, gegen Kroatien und Österreich war es schwach, das Portugal-Spiel fast überragend. Selten hat eine deutsche Nationalmannschaft so sehr verwirrt - können Sie erklären, welches das wahre Gesicht der Nationalmannschaft ist?

Es kommt eben darauf an, ob die Mannschaft top vorbereitet ist und ob sie mit dem nötigen Willen und Engagement in die Spiele geht. Wenn das so ist, dann sieht das wahre Gesicht der Mannschaft aus wie gegen Polen oder Portugal. Wenn das nicht der Fall ist, dann sieht es so aus wie gegen Kroatien.

Man kann also ganz platt feststellen, dass die Einstellung nicht gestimmt hat?

Kann man schon so sagen. Wir hatten ein gutes Spiel gegen Polen hinter uns, und einige haben vielleicht gedacht, jetzt kommen halt noch Kroatien und Österreich, und dann sind wir im Viertelfinale. Gegen Portugal hat jeder gewusst, was er tun muss, da waren wir von der ersten Sekunde an den Gegenspielern dran, und prompt hat's wieder funktioniert. Die Lehre aus dem Kroatien-Spiel heißt: Ohne die Grundlagen geht es einfach nicht.

Und das Österreich-Spiel?


Das nehme ich ein bisschen aus. Da war der Druck enorm, wir wussten, dass wir gegen eine Mannschaft spielen, die Außenseiter ist, aber Heimvorteil hat. Und wir wussten natürlich, dass wir mit einer Niederlage aus dem Turnier fliegen würden, und ich konnte den Jungs ja noch aus meiner Erfahrung von der EM 2004 erzählen, was nach einem Vorrunden-Aus in Deutschland los ist - zumal wir ja auch noch in der vermeintlich leichtesten Gruppe waren. Von daher sprach von der Ausgangsposition her vieles gegen uns, deshalb sage ich: Dieses Spiel war okay. Wir haben spielerisch nicht überzeugt, aber wir haben dagegengehalten.

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