09.02.2014

Peter Stöger über den FC, Sauna-Interviews und die Champions League

»Ich mag Extreme«

Peter Stöger ist mit dem 1. FC Köln Herbstmeister geworden, dennoch stapelt der Trainer tief. Über drei bis vier Transferperioden denkt er nicht hinaus. Wieso eigentlich? Für unsere große Köln-Reportage (jetzt in 11FREUNDE #147) haben wir mit ihm gesprochen.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Peter Stöger, Sie haben vor Ihrem Engagement in Köln mit Toni Polster über den FC gesprochen. Was hat er Ihnen erzählt?
Vieles. Zum Beispiel, dass der Klub ein begeisterungsfähiges Publikum hat, dass die ganze Stadt den Verein lebt, aber auch, dass es auch schnell mal schwierig wird.
 
Wie hat er das gemeint?
In der Hinsicht, dass es in Köln manchmal um persönliche Eitelkeiten geht – in welcher Form auch immer. Das muss gar nicht das Präsidium, ein Spieler oder Trainer sein. Aber um es kurz zu machen: Toni hat mir in jeder Hinsicht zum FC geraten.
 
Es heißt, die Bundesliga sei stets Ihr Traum gewesen.
Ist das ein Wunder? Meines Erachtens ist es der Traum jedes Trainers, der in Österreich arbeitet. Wie sich die deutsche Bundesliga in den letzten zehn Jahren entwickelt hat, das ist beeindruckend. Da geht es gar nicht um einen einzigen Klub, das ganze Konzept stimmt. Und die zweite Liga schwimmt in diesem Sog mit.
 
Im Mai 2012 stieg der 1. FC Köln zum fünften Mal in seiner Geschichte aus der ersten Liga ab. Der Abstieg war begleitet von Fanausschreitungen, Querelen im Präsidium und einer Fast-Insolvenz. Wie genau wussten Sie über diese Ereignisse und das aggressive Medienumfeld Bescheid?
Über all das habe ich gar nicht nachgedacht. Es hört sich vielleicht komisch an, aber bis jetzt habe ich das Umfeld als sehr ruhig wahrgenommen. Davon abgesehen war gerade zu Beginn  das Interesse natürlich relativ groß. Mit meinem Namen hat man hier nicht so viel anfangen können. Da habe ich auch das ein oder andere angeboten.
 
Zum Beispiel ein Interview in der Sauna.
Das war nicht meine Idee, aber ich konnte damit leben. Wenn mir etwas zu mühsam oder blöd ist, mache ich es nicht, aber wenn die Geschichte passt, warum nicht? Ich gehe da nicht taktisch dran. Wenn der Erfolg ausbleibt, kann ich durch das adäquate Verhalten gegenüber den Medien meinen Rauswurf vielleicht um zwei Tage verzögern – aber wenn das Team nicht gewinnt, ist eh alles egal.
 
Sie stammen aus dem Wiener Stadtteil Favoriten, haben einen Großteil Ihres fußballerischen Lebens in der österreichischen Hauptstadt verbracht. Was unterscheidet Wien von Köln?
Hier sind täglich Journalisten und Fotografen am Trainingsgelände, das ist ganz anders als in Österreich. Das heißt für mich, ich habe jeden Tag die Möglichkeit zu erklären, warum wir bestimmte Entscheidungen getroffen haben. Für manche Menschen mag das sehr mühsam sein, ich finde es angenehm.
 
Wirklich?
Ja, weil ich meine Sachen erklären kann, in der Hoffnung, dass der Journalist das ein oder andere mitnimmt und darüber nachdenkt. So kann eine Kommunikationsbasis zustande kommen.
 
Diese Art von Kommunikation findet in Österreich nicht statt?
In Österreich werden kaum Trainingseinheiten beobachtet. Am Ende der Woche ist eine Pressekonferenz, da kommen Fragen von Leuten, die logischerweise die ganze Woche nicht beim Training waren. Eine ganz andere Voraussetzung.
 
Sie sind mit drei Unentschieden in die Saison gestartet. Wie haben Sie die Reaktionen empfunden?
Das war für die Ansprüche in Köln nicht genug. Aber in den Medien war es trotzdem ruhig. Man kann sagen, die Journalisten haben dadurch mit dazu beigetragen, dass nicht vom Start weg unglaubliche Unruhe rein kam. Ich hatte das Gefühl, dass zu Beginn viel Verständnis, viel Hoffnung in der Berichterstattung herrschte. Dass das irgendwann vorüber sein würde, wenn keine Erfolge kommen, war mir aber klar.
 
Sie wurden am 13. Juni 2013 vorgestellt, zwei Wochen später unterschrieb auch Jörg Schmadtke seinen Vertrag. Wussten Sie, dass er kommen würde?
Nein. Und fragen Sie den »Schmaddi« doch mal, ob er mich auch geholt hätte. Der hätte doch bestimmt zehn gute Trainer in der Hinterhand gehabt. (Lacht.)
 
Sie verstehen sich ganz gut mit ihm?
Wir haben eine gute Kommunikationsbasis. Ich habe die Weisheit nicht gepachtet und bin über jede Information, jede Anregung, die ich von meinen Trainerkollegen oder von Jörg bekomme, dankbar. Deshalb finde ich es zum Beispiel völlig ok, dass Jörg Schmadtke mit auf der Bank sitzt.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden