Peter Pander über den VfL Wolfsburg

»Ich bin nicht neidisch«

Peter Pander war bis 2004 Manager des VfL Wolfsburg. Er war maßgeblich am Aufstieg des Vereins beteiligt. Hier spricht er über den Wolfsburger Rathausbalkon und die Erfolgsgeschichte des VfL.    Peter Pander über den VfL WolfsburgImago

Peter Pander, nach dem Sieg gegen die Bayern steht der VfL Wolfsburg an der Tabellenspitze der Fußballbundesliga. Muss Uli Hoeneß nun doch noch einen Rathausbalkon für die Stadt Wolfsburg spendieren?

Ich glaube nach dem brisanten Spiel am Wochenende wird Uli Hoeneß etwas angesäuert sein. Spätestens nach den spektakulären Einwechslungen von Felix Magath wird Hoeneß sein Angebot wohl zurückziehen.(lacht) 

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Glauben Sie wirklich, dass der VfL Wolfsburg bereits in diesem Jahr die Meisterschaft gewinnen kann?

Nachdem was man am Samstag gesehen hat, ist das durchaus vorstellbar. Natürlich liegen noch einige schwierige Spiele vor der Mannschaft, aber im Moment spielen sie so kompakt und konsequent, dass es durchaus möglich ist, dass der VfL Meister werden kann.

Sie selbst waren jahrelang als Manager beim VfL Wolfsburg aktiv am Aufstieg beteiligt. Wie groß war Ihr Anteil am Erfolg?

Angefangen habe ich in Wolfsburg 1991. Das war schon eine Erfolgsgeschichte, die wir da geschrieben haben. Es fing an mit dem Aufstieg in die zweite Liga und dem Einzug ins DFB-Pokal Finale. Dann kam der Aufstieg in die 1. Bundesliga 1997, gefolgt von der Teilnahme am UEFA-Cup, später waren wir dauerhauft im UI-Cup. Das war ein Riesenerfolg, vor allem in Anbetracht der Tatsache, das der Etat damals bei weitem nicht so hoch war, wie es immer hieß und wie er heute diskutiert wird.

Mit welchem Abstand können Sie heute die Entwicklung beim VfL Wolfsburg beobachten?

Als ich der Saison 2004/05 aufgehört habe, war der VfL Wolfsburg ja auch schon Erster. Aus dieser Zeit stammt auch das Zitat von Uli Hoeneß, dass er der Stadt Wolfsburg im Falle einer Meisterschaft den Rathausbalkon spendiert. Damals war man in der Entwicklung schon sehr weit. Nachdem ich 2004 gegangen bin, gab es zwei ganz schwierige Jahre für den VfL. Nach der Verpflichtung von Felix Magath wurde das Ganze wieder in eine erfolgreiche Richtung gedreht. Das ist schon respektabel. Ich selbst beobachte das natürlich mit dem nötigen Abstand und freue mich über diesen Erfolg.

Sie selbst haben die Mannschaft als Manager 1997 in die erste Liga geführt. Unter welchen Umständen fand dieser Aufstieg aus der Regionalliga damals statt?

Man muss sich vorstellen, dass wir mit einem Etat von 4 Millionen Euro in die 1.Bundesliga aufgestiegen sind. Das war unglaublich. Als ich 1991 anfing und wir 1992 in die zweite Liga aufstiegen, da kam das erste Mal überhaupt so etwas wie Fußballfieber in der Stadt auf. Das steigerte sich dann natürlich mit dem Einzug ins Pokalfinale. Nach dem Aufstieg in die erste Liga hat die Stadt Wolfsburg dann toll mitgezogen, was den Ausbau des alten Stadions anging. Als der Verein sich dann in der Bundesliga etablierte, hat sich die Region, die Stadt und auch der Hauptsponsor endlich an einen Stadionneubau getraut. Das war schon ein wichtiger Schritt. Das waren alles Maßnahmen, die abseits des Sportlichen nicht unbedeutend waren für die Entwicklung.

Warum war das neue Stadion so wichtig für den die Entwicklung des VfL Wolfsburg?

Das alte Stadion war schlichtweg nicht bundesligatauglich. Das alte Bauwerk, das sogar unter Denkmalschutz steht, haben wir immer wieder notdürftig erweitert, bis wir irgendwann an die Kapazitätsgrenzen gestoßen sind. Deswegen war ein Neubau zwingend notwendig. Und wenn man jetzt das Ergebnis sieht, kann man schon sagen, dass die Stadt mit dem Verein und den Sponsoren ganze Arbeit geleistet haben.

Gab es einen Wendepunkt an dem man sich in Wolfsburg entschied den Verein auch international zu etablieren?

Der Wendepunkt war eigentlich 1991 als man entschieden hat, dass der VfL Wolfsburg sich im bezahlten Fußball etablieren soll. Ab dann ging es sehr zielstrebig voran. Einen zusätzlichen Schub hat mit Sicherheit der Bundesliga-Aufstieg gegeben. Die Euphorie in Wolfsburg wuchs stetig an und auch der Hauptsponsor sendete deutliche Signale, dass man sich in Zukunft noch mehr engagieren möchte. So bekamen wir etwas Spielraum, um uns mit ein paar geschickten Transfers verstärken zu können. So konnten wir uns schon im zweiten Jahr für den UEFA-Cup qualifizieren. Das war für viele überraschend.

Musste man bei so vielen Erfolgen über die Jahre auch manchmal auf die Euphoriebremse treten?

Ich erinnere mich noch an eine Rede, die für sehr viel Aufsehen sorgte. Das war im Jahr 2000,  als der Grundstein für das neue Stadion gelegt wurde. Dort gab es die Aussage, dass der Verein in spätesten sieben Jahren in der Champions League spielen wolle. Die Idee war natürlich gut, nur leider hatte man vergessen, den finanziellen Rahmen dafür bereit zu stellen. (lacht) Das hat uns ab dem Moment verfolgt. Solche Sätze werden einem immer vorgehalten, weil jeder denkt, dass wir die Möglichkeiten dazu eigentlich haben müssten. Von außen wird dann immer wieder die Frage gestellt, wo genau der Fehler liegt, dass die Entwicklung zur Champions League dann nicht voran geht. Doch zu meiner Zeit war der Etat lange nicht so hoch, wie er es heute ist. Damals gab es eine ganz anderen Struktur in der Führungsebene. Mit Martin Winterkorn ist jetzt jemand in eine Verantwortungsposition gerückt, durch den sich beim Hauptsponsor VW auch die Affinität zum Fußball gewandelt hat. Das ebnet den Weg zum Erfolg.



Aber in Wolfsburg ging es nicht immer nur bergauf. In den vergangenen Jahren entging der VfL mehrmals nur knapp dem Abstieg. Können Sie diesen Rückschritt erklären?

Nach der Ära Wolfgang Wolff, der über fünf Jahre hervorragend gearbeitet hat, kam für ein Jahr Jürgen Röber nach Wolfsburg. Nach ihm kam mit Eric Gerets, ein Trainer von Format, der dann mit einer richtig guten Mannschaft mehrere Wochen auf Platz eins der Tabelle lag. Dann gab es einige Wechsel innerhalb des Vereins, die unter Umständen nicht so glücklich waren, wie man es sich gedacht hatte. So kam viel Unruhe in den Verein. Und so wäre der VfL zwei Jahre hintereinander beinahe abgestiegen und musste jeweils bis zum letzten Spieltag zittern. Das war schon dramatisch für Wolfsburg. Das habe ich mit Sorge verfolgt.

Ist der heutige Blick auf die Tabelle für Sie noch späte Genugtuung?


Von Genugtuung würde ich nicht sprechen. Es gibt auch welche, die sagen, ich wäre neidisch auf den Erfolg. Aber das bin ich überhaupt nicht. Ich habe den Zug mit auf das richtige Gleis gesetzt, denn wir haben damals sehr erfolgreich gearbeitet. Ich glaube, dass es richtig war, dass man in Wolfsburg nicht die Ziele zurückgeschraubt hat, sondern die Möglichkeiten geschaffen hat, um ernsthaft um die Champions League-Qualifikation mitzuspielen. Das Problem zu meiner Zeit war, dass wir mit zu hohen Zielsetzungen konfrontiert wurden, die mit den damaligen Möglichkeiten nicht zu erreichen waren. Das war schade, denn dadurch gab es immer wieder Irritationen, die einen in Zugzwang gebracht haben. Die Hürde Champions League war damals einfach zu hoch. Da waren uns andere Mannschaften weit voraus. Jetzt hat man die Zeichen der Zeit erkannt und hat richtig investiert. Davor muss man einfach Respekt haben.

Was beeindruckt Sie momentan am meisten am VfL?

Ich glaube die Mannschaft spielt enorm effizient. Man ist jederzeit in der Lage, ein Tor zu schießen. Das macht den VfL so gefährlich. Ich habe das am Samstag gegen die Bayern gesehen und auch in den Spielen vorher beobachtet. Sicherlich haben sie aber zur Zeit auch das nötige Quäntchen Glück, das man einfach braucht, um ganz oben zu stehen.

Felix Magath gilt als Vater des momentanen Erfolgs. Er ist beim VfL Wolfsburg Sportdirektor, Trainer und Manager in einer Person. Dieses System wird auch in vielen anderen Vereinen diskutiert. Droht der klassische Manager in der Bundesliga langsam auszusterben?

Nein, das glaube ich nicht. Ich denke man muss die Führungsebenen einfach einmal neu strukturieren. Die Position des Sportdirektors ist dabei besonders kompliziert. Seine eigentlich Arbeit liegt im Aufbau einer Mannschaft. Dieser Aufbau muss immer in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Trainer geschehen. Man kann ja nicht einfach dem Trainer ein paar Spieler vorsetzen und dann sagen: »Hier, mach mal.« Das ist ein zweischneidiges Schwert. Meiner Meinung nach ist der Manager als eigenständige Person weiterhin notwendig. Es muss innerhalb eines Clubs immer wieder diskutiert werden, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Einem Trainer muss auch mal gesagt werden, dass bestimmte Transfers eben nicht durchführbar sind. Ich glaube aber auch, dass Felix Magath besonderen Wert auf die sportliche Alleinverantwortung legt. Das kann man auch nachvollziehen. Trotzdem sollte ein Club über eine stabile Geschäftsführung verfügen. Es gibt eben auch mehr in einem Verein, als das Spiel auf dem grünen Rasen. 

Was muss ein Manager eigentlich mitbringen, wenn er in der Bundesliga erfolgreich arbeiten will?

Sportliches Fachwissen allein reicht mit Sicherheit nicht aus. Man muss die vielen Aufgabenbereiche sehen, die von der Medienarbeit bis zu komplexen ökonomischen Fragestellungen reichen. Man muss Einblick in die vielen Facetten des Geschäfts haben, die auch über das rein Sportliche hinaus gehen. Zudem muss man dafür sorgen können, dass im Club entsprechende Kräfte gebündelt werden, die diese Felder gemeinsam bearbeiten.

Ist es von Vorteil, wenn man selbst einmal aktiv im Profifußball gespielt hat?

Dieser Trend ist schon zu beobachten, aber es mit Sicherheit nicht zwingend notwendig, einmal Profi gewesen zu sein. Ich habe früher auch Fußball gespielt, aber nicht in der Bundesliga, weil ich mich eben auf meinen Beruf konzentrieren wollte. Es gibt genug hervorragende Manager wie Michael Meyer oder Rainer Calmund, die nie selbst höherklassig gespielt haben. Es gibt auch genug Trainer, die nie im Profibereich gespielt haben und trotzdem sehr gute Arbeit machen. Ich denke, dass eine gewisse Distanz zum Fußball auch förderlich sein kann. Eine gewisse Außenansicht schärft auch manchmal den Blick für ganz andere Dinge. Aber ich will nicht ausschließen, dass ein Ex-Profi auch sehr gute Arbeit als Manager verrichten kann. 

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