12.11.2010

Peter Niemeyer über Karriereplanung

»Ich wollte hinschmeißen«

In Jugendjahren galt Peter Niemeyer als ungeeignet für den Profifußball – bis er ein überraschendes Angebot von Twente Enschede erhielt und später zu Werder Bremen wechselte. Der Hertha-Profi über Lehrjahre und Bammel vor Berlin.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Peter Niemeyer, Sie sind schon mit 15 Jahren ins Ausland gewechselt. Warum?

Ich habe damals in der Westfalen-Auswahl gespielt und stand dort vor dem Aus, wurde gar nicht mehr eingeladen. Ich galt als zu schmächtig und klein. Relativ überraschend kam dann ein Angebot aus Enschede, und da wir damals grenznah wohnten, war das eine tolle Möglichkeit – zumal die holländische Nachwuchsarbeit einen überragenden Ruf genoss.

 

Als junger Mensch im Ausland zu leben, ist nicht immer einfach. Hatten Sie Schwierigkeiten?

Enschede liegt nah an der Grenze, insofern beschäftigt man sich dort mit Deutschland. Auch Twente scoutet immer jenseits der Grenze, in jeder Mannschaft stehen zwei, drei Deutsche. Außerdem habe ich schnell gemerkt: Wenn man versucht sich zu integrieren und die Sprache zu lernen, wird das anerkannt. Dann findet man schnell Anschluss.  

Auch sportlich lief es für Sie rund bei Twente.  

Absolut. Ich bin relativ schnell zum Führungsspieler geworden und habe eine enorme Wertschätzung erfahren – die Fans haben mich beispielsweise zum Spieler des Jahres gewählt. Das hat mir auch gezeigt, dass ich nicht nur sportlich, sondern auch menschlich akzeptiert wurde.  

Was haben Sie aus Enschede mitgenommen?  

Der Verein hat mich zum Profi gemacht, ich weiß nicht, ob ich das woanders geschafft hätte. Natürlich bin ich dort auch erwachsen geworden.  

2007 sind Sie nach Deutschland zurückgekehrt. War Enschede zu klein geworden?  

Ich wollte es in meinem Heimatland schaffen – die Bundesliga besitzt eine andere Klasse. Damals hatte ich mehrere Angebote aus Deutschland, aber Werder Bremen ist natürlich eine sehr gute Adresse. Ich hatte ein Gespräch mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf, was mich in meiner Überzeugung noch bestärkt hat.  

Was haben Sie sich damals vorgenommen?  

Einiges! Aber wenn ich sage, dass ich bei Twente erwachsen geworden bin, dann bin ich bei Werder gereift. Ich habe gelernt, dass die Karriere nicht immer so verläuft, wie man es sich vorstellt.  

Sie waren häufig verletzt.  

Richtig, dadurch konnte ich manche Etappenziele nicht erreichen.  

Haben Sie das Gefühl, in Bremen gescheitert zu sein?  

Nein, überhaupt nicht, immerhin habe ich ein UEFA-Cup- und ein DFB-Pokal-Finale gespielt. Natürlich hätte ich mir noch mehr Einsätze gewünscht, aber wie gesagt: es läuft nicht immer alles nach Plan. Es ist auch nicht so, dass ich in Bremen vom Hof gejagt worden wäre. Im Gegenteil: Ich habe meinen Vertrag verlängert und das Gefühl dort nach wie vor geschätzt zu werden.  

Die medizinische Abteilung in Bremen ist nicht ganz unumstritten. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Betreuung und Ihren Verletzungen?  

Da kann ich natürlich nur für mich sprechen. Ich hatte doofe Verletzungen, deren Heilung niemand beschleunigen konnte. Der Doc hat mich immer bestmöglich betreut, wir hatten ein super Verhältnis.  

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