17.11.2008

Peter Neururer im Interview

»Brauchen Sie einen Trainer?«

Peter Neururer is back. Beim MSV Duisburg tritt er sein erstes Amt nach über zwei Jahren Abstinenz an. Das Ende einer Leidenszeit, auf deren Höhepunkt Neururer sich sogar 11FREUNDE-Mann Benjamin Apitius anbot.

Interview: 11Freunde Bild: imago

Könnten Sie sich auch ein Engagement im Ausland vorstellen?

Natürlich. Ich hatte mehrere Anfragen und Angebote, aber Land und die dazugehörige Liga müssen natürlich passen.

Welche Fremdsprachen sprechen Sie?


So wie das der ein oder andere immer von sich zu behaupten wagt: Italienisch, Spanisch, Französisch, Englisch. Sprachlich würde es also überhaupt keine Probleme geben.

Iranischer Nationaltrainer wollten Sie dennoch nicht werden.


Iran wäre finanziell eine überragende Angelegenheit gewesen, vom Aufgabengebiet her auch. Als die Herrschaften mir dann aber sagten, mein Wohnsitz und der meiner Familie müsse Teheran sein, habe ich gesagt: »Sie können mir bezahlen, was Sie wollen, das mache ich nicht.« Es gibt Prinzipien, die müssen erfüllt sein - das ist in meinem Alter eben so.

Als arbeitssuchender Trainer sind Sie...

Ich bin nicht arbeitssuchend, ich bin arbeitserhoffend. Das ist ein Unterschied!

Sie sind auf die Misserfolge Ihrer Kollegen angewiesen.

Das ist ja das Traurige an diesem Geschäft.

Glauben Sie eigentlich an Schicksal, Herr Neururer?

Nein, überhaupt nicht. Ich glaube nur an die Sachen, die man selber beeinflussen kann. Deswegen ist die jetzige Situation für mich ja überhaupt nur so frustrierend. Ich kann meine eigene Situation nicht beeinflussen! In keinster Weise! Ich bin angewiesen auf die missliche Situation eines Kollegen. Ich habe keinen Zugriff. Diese passive Rolle geht mir gehörig auf den Senkel, weil ich im Augenblick nicht selbst aktiv werden kann.

Wie muss sich ein »arbeitserhoffender« Trainer generell verhalten, um schnell wieder einen Job zu bekommen?

Man kann sich gar nicht verhalten, es gibt da kein Rezept für. Entweder man kennt mich - durchaus normal, wenn man auf weit mehr als 500 Spiele im bezahlten Fußball zurückblicken kann - oder man kennt mich eben nicht.

Vor knapp einem Jahr fragte Sie mein Kollege, wann man Sie wieder an der Seitenlinie sehen würde. Sie entgegneten: »Die, die als letztes entlassen werden, bekommen als erstes wieder einen neuen Job.«

So spielt sich der ganze Kreislauf normalerweise ab.

Ganz ehrlich, haben Sie damit gerechnet, dass es so lange dauern wird?

Es hat ja nicht lange gedauert. Bis zum heutigen Tag habe ich um die fünfzehn Angebote bekommen. Man hat sich also schon an mich erinnert.

Gut. Aber Sie sind bisher nicht wieder an der Seitenlinie aufgetaucht.

Ich habe glücklicherweise den Status, dass ich es mir aussuchen kann, wann ich wieder einen Job annehme. Ich möchte wieder arbeiten, keine Frage. Bevor ich jedoch Sachen mache, zu denen ich nicht stehe, mache ich lieber gar nichts. Wenn nichts Passendes kommt, muss ich eben weiter an meinem Golfhandicap arbeiten und mit der Harley durch die Landschaft fahren - dann warte ich eben noch. Was mir nicht hundert Prozent zusagt, mache ich nicht mehr.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden