17.11.2008

Peter Neururer im Interview

»Brauchen Sie einen Trainer?«

Peter Neururer is back. Beim MSV Duisburg tritt er sein erstes Amt nach über zwei Jahren Abstinenz an. Das Ende einer Leidenszeit, auf deren Höhepunkt Neururer sich sogar 11FREUNDE-Mann Benjamin Apitius anbot.

Interview: 11Freunde Bild: imago

Herr Neururer, wie geht es Ihnen? Wir vermissen Sie!

Das ist schön, dass Sie mich vermissen, aber das nützt mir nicht viel - oder brauchen Sie einen Trainer?

Mangelt es Ihnen etwa an Angeboten?

Nein. Ich habe genügend Angebote, aber ich bin mittlerweile in einem Alter, in dem man nicht mehr zu jedem Angebot »ja« und »Amen« sagen muss. Ich bin heiß, ich möchte unbedingt wieder arbeiten, aber ich mache nur noch Dinger, zu denen ich hundertprozentig stehe. Ich befinde mich weiterhin in der Warteschleife.

Ihr letztes Engagement als Trainer von Hannover 96 endete am dritten Spieltag der letzten Saison. Sie standen jedoch bis Saisonende weiterhin unter Vertrag. Hat der Verein Ihre Dienste noch in irgendeiner Form in Anspruch genommen?

Nein, hat er nicht. Ich bin ja von meinem Amt zurückgetreten, weil ich zu den damals unrealistischen Zielsetzungen einfach nicht stehen konnte. Letztendlich gibt mir die Entscheidung heute recht, wenn ich die ganze Entwicklung sehe.

Wie meinen Sie das genau? Schließlich steht der Verein heute im gesicherten Mittelfeld der Liga. Sie haben Hannover 96 als Tabellenletzter verlassen.

Wäre Martin Kind (Präsident von Hannover 96, Anm. d. R.) damals einen Monat früher zurück gekommen, wäre ich heute wahrscheinlich noch Trainer von Hannover 96. Er ist leider erst gekommen, als die Transferlisten schon geschlossen waren. Es wurden Spieler verpflichtet, die ich nicht gebrauchen konnte. Meine Entscheidung gibt mir insofern Recht, als ich sehe, dass diese Spieler, wie beispielsweise ein Thorvaldsson, nun schon gar nicht mehr da sind.

Wurden die Neueinkäufe nicht mit Ihnen abgestimmt?

Spieler wie Huzti oder auch Jan Rosenthal, zu denen ich »ja« gesagt habe, gehören heute zur Stammformation von Dieter Hecking. Meine Analysen passten hundertprozentig, aber alles andere passte eben nicht. Es war meine absolut logische Konsequenz zu sagen, es geht nicht mehr weiter. Ich war immer der Meinung: Wenn bei Hannover 96 alles super läuft, werden wir Achter, und wenn es schlecht läuft, dann werden wir Zwölfter. Das scheint sich auch im Augenblick wieder zu bewahrheiten.

Sie sind nun seit September 2006 nicht mehr im Amt. Sie sagten einmal, wenn Sie mit dem Fußball aufhören, werden Sie die Füße hochlegen und sich endlich um Ihre Frau und Ihre Kinder kümmern. Ist diese Zeit vielleicht bereits gekommen, ohne dass Sie es bemerkt haben?

Nein, die Zeit ist mit Sicherheit noch nicht gekommen. Ich sehe ja, wie allwöchentlich die Angebote kommen, zu denen ich aber auch »ja« sagen müsste - bisher habe ich eben immer »nein« gesagt. Ich denke noch nicht ans Aufhören, ganz im Gegenteil.

Können Sie denn wenigstens die gemeinsame Zeit mit Ihrer Familie genießen?

Nein, kann ich nicht, wenn ich ehrlich sein soll. Und meine Familie auch nicht. Die sehen, wie unruhig ich bin, wie heiß ich bin. Harley fahren, Golf spielen... schön und gut. Aber es ist überhaupt nicht mein Ding, wenn die Freizeitgestaltung zum Lebensinhalt wird. Da gehe ich kaputt dran! Meine Familie unterstützt mich, wo sie nur kann, und so warten wir weiter.

Wieviel Zeit am Tag verbringen Sie trotzdem noch mit Fußball?

Gedanklich vom Aufstehen bis zum Schlafengehen.

Geraten Sie denn dieser Tage in Panik, wenn Sie mit Ihrem Handy einmal im Funkloch stecken?

Ich gerate mit Sicherheit nicht in Panik.

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