Peter Esterhazy über Fußball und Kunst

»Ein Schriftsteller muss wie Gerd Müller handeln«

Der ungarische Schriftsteller Peter Esterhazy ist gestorben. Wir haben ihn im Jahr 2010 zu einem langen Interview getroffen. Er sprach über die Puskas-Elf, Rummenigges und seine Knorpelmaus Bela.

Péter Esterházy, der große Alfredo di Stefano ist zu der Erkenntnis gekommen: »Fußball ist eine Kunst«. Hat der Mann Recht?
Sowohl der Fußball als auch die Kunst sind ein Spiel, kein kindliches, sondern ein sehr ernsthaftes. Eine Welt für sich, in der andere Regeln bestehen als in der realen Welt. Insofern kann ich Alfredo di Stefano zustimmen.

Welche Metaphern bietet der Fußball uns fürs Leben an?
Ich finde es nicht gut, wenn der Fußball damit beladen wird. Das halte ich für Schöngeisterei. In vielem unterscheidet sich der Fußball sehr vom wirklichen Leben. Zum Beispiel bin ich der Meinung, dass man im Fußball immer gewinnen wollen muss. Im Leben ist das jedoch nicht der Fall. Ich mag Menschen nicht, die immer gewinnen wollen. Aber ich möchte mit niemandem in einer Mannschaft spielen, der nicht gewinnen will. Nach dem Tod von Robert Enke wurde gesagt, Fußball sei nicht alles. Das stimmt. Mit einer Ausnahme: Wenn man Fußballer ist. 

Für Fußballer muss Fußball alles sein?
Wenn man sich auf dieses Spiel einlässt, dann ja. Das meine ich, wenn ich sage: eine Welt für sich. Und die Welt ist alles.

Die Liverpooler Trainerlegende Bill Shankly sagte: »Einige Leute halten Fußball für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!«
(lacht) Sehr wahr! Und auch wieder nicht: Wenn man Fußball als Teil der Gesellschaft betrachtet, dann gelten solche Metaphern natürlich nicht. Aber das interessiert mich weniger. Ich betrachte, was in diesem Viereck passiert. Und da kann man nach einem verlorenen Spiel nun mal nicht sagen: »Ach, es war doch nur ein Spiel!« Dann sollte man es gleich bleiben lassen. 

Sind Sie ein schlechter Verlierer?
Ich bin vielmehr ein guter Sieger. Ich kann mich an wenige Momente in meinem Leben erinnern, die so schön waren wie ein Sieg im Fußball. Also, es lohnt sich, mich gewinnen zu lassen, dann steigt die Glücksmenge in der Welt erheblich.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!