10.05.2013

Pele Wollitz über Ehrlichkeit und Frust in Osnabrück

»Was ist daran clever, Menschen anzulügen?«

Am Samstag trifft Pele Wollitz mit seinem VfL Osnabrück im vorentscheidenen Aufstiegsduell der Dritten Liga auf Arminia Bielefeld. Wir sprachen mit ihm über Ehrlichkeit im Fußball, Ausstiegsklauseln und die mitunter frustrierenden Bedingungen bei seinem Klub.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago
Wie schwierig ist es für Sie in diesen Tagen sich auf das Sportliche, zu konzentrieren?
Ich sage nur »Tunnelblick«. Das leidige Thema zieht sich mittlerweile über Monate, wir werden damit täglich konfrontiert.

Zermürbt Sie die Diskussion?
Klar. Deshalb habe ich auch zu meiner Mannschaft gesagt, dass ich ab sofort alles dem sportlichen Erfolg unterordne. Ich beteilige mich nicht mehr an dieser leidigen Finanzdiskussion. Wenn ein Spieler, dessen Vertrags ausläuft, ein Angebot eines anderen Klubs hat, das ihn reizt, ist es völlig in Ordnung, wenn er dort unterschreibt. Wir können hier derzeit nichts garantieren und dürfen uns daher auch nicht beschweren, wenn der eine oder andere Spieler die Karte »Sicherheit« zieht. Mein Team und ich stehen fürs Sportliche. Den Rest müssen andere Leute erledigen.

Sie haben sich mehrfach über die schlechten Trainingsbedingungen in Osnabrück beklagt. Hat sich die Situation inzwischen verbessert?
Nein, im Gegenteil.

Sie klingen frustriert.
Das bin ich auch. Ich kann die schlechten Trainingsbedingungen nicht akzeptieren. Aber was soll ich machen?

Der VfL Osnabrück will in die Zweite Liga und hat einen schlechten Trainingsplatz?
Wahnsinn, oder? Ich habe das schon 2004 kritisiert, seitdem ist leider nichts passiert. Es ist problematisch, wenn jemand viel fordert, aber nicht für die nötigen Voraussetzungen sorgt. Heutzutage sind die Anforderungen im Training derart komplex, da kann ich mir nicht erlauben, dass ständig der Ball verspringt. Wie soll ich da Automatismen, Pressing und temporeiches Spiel üben? Wir haben hier mehr Unebenheiten als Grashalme. Unser Platz hat noch nicht mal die üblichen Maße. Mehr will ich dazu gar nicht mehr sagen.

Seit einigen Wochen wird in Deutschland über das Thema »Ausstiegsklauseln« diskutiert. Sie selbst haben sich eine solche in Ihren Vertrag schreiben lassen. Wie erklären Sie einem Fan, weshalb ein Spieler oder Trainer sich nicht für zwei oder drei Jahre auf einen Verein festlegt? 
Die Frage ist absolut berechtigt. Ob Sie es mir glauben oder nicht: Ich bin kein Freund von Ausstiegsklauseln. Ich habe volles Verständnis dafür, wenn viele Fans damit nichts anfangen können.

Aber?
Ich kann nur über mich sprechen. Es gab Umstände, die dazu geführt haben, dass ich mich erstmals für eine Klausel entschieden habe. Ich wollte mich absichern. 

Wovor?
Der VfL ist im vergangenen Jahr an mich herangetreten, in einer Phase, in der ich eigentlich andere Pläne hatte. Ich wollte nicht kurzfristig in die Dritte Liga zurückzukehren, sondern eine kleine Pause einlegen, mir eine Auszeit gönnen. Die Verantwortlichen sagten mir aber, sie hätten große Probleme und ich sei derjenige, der diese Probleme am besten lösen könne. Das klang alles sehr dramatisch. Die Stimmung im Klub war extrem negativ und ich war mir nicht sicher, wie sich hier alles entwickeln würde.

Sollte ein Bundesligist anklopfen, dürften Sie wechseln.
Dass es einen bitteren Beigeschmack hinterlässt, wenn ein Trainer sich schon vor Amtsantritt eine Ausstiegsklausel in den Vertrag schreiben lässt, ist doch klar. Das wirkt, als wäre er bereits auf der Flucht. Wirkung und Realität sind aber zwei paar Schuhe! Ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen und kein extremes Risiko eingehen. Das ist alles.

Sie haben nicht damit gerechnet, dass die Klausel bekannt würde, oder?
Exakt. Dass die Vertragsinhalte herausgekommen sind, hat mich total überrascht. Das habe ich in meiner Karriere zuvor noch nie erlebt. Ich weiß nicht, wer diese Infos ausgeplaudert hat.
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