10.05.2013

Pele Wollitz über Ehrlichkeit und Frust in Osnabrück

»Was ist daran clever, Menschen anzulügen?«

Am Samstag trifft Pele Wollitz mit seinem VfL Osnabrück im vorentscheidenen Aufstiegsduell der Dritten Liga auf Arminia Bielefeld. Wir sprachen mit ihm über Ehrlichkeit im Fußball, Ausstiegsklauseln und die mitunter frustrierenden Bedingungen bei seinem Klub.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Pele Wollitz, am Samstag treffen Sie mit dem VfL Osnabrück im vorentscheidenen Aufstiegsduell auf Arminia Bielefeld. Mit welchen Worten würden Sie denn Arminia-Trainer Stefan Krämer zum möglichen Aufstieg gratulieren?
(lacht) Ich bin ein Gentleman, der auch nach Niederlagen Respekt zeigt. Derjenige, der am Ende auf einem Aufstiegsplatz steht, hat es verdient. Insofern würde es mich keine Überwindung kosten, Glückwünsche auszusprechen. Mir würde schon etwas einfallen.

Sowohl Stefan Krämer als auch Sie stehen für Tempofußball und eine aggressive Spielweise. Sehen Sie weitere Parallelen?
Das will ich nicht beurteilen. Nur so viel: Krämer hat Armimia in einer prekären Situation übernommen. Er ist ins kalte Wasser geworfen worden, hat sich dann freigeschwommen und steht mittlerweile für den Aufschwung des Klubs. Ich weiß, dass er bei den Fans unheimlich beliebt ist.

Er sagte vor kurzem, er lege im Umgang mit seinen Spielern keinen großen Wert auf Distanz. Halten Sie es ähnlich?
Wie definiert man Distanz? Nähe ist im Profisport sicherlich wichtig, sie bietet Chancen und weckt im Idealfall Emotionen. Das heißt aber nicht, dass Distanz grundsätzlich schädlich ist. Im Gegenteil: Wer täglich mit jungen Menschen arbeitet, kennt die Momente, in denen es Gold wert ist, eine gewisse Distanz an den Tag zu legen. Ich bin schließlich ihr Vorgesetzter und nicht der Kumpel von nebenan. Ich versuche, Nähe und Distanz in Balance zu halten.

Welche besondere Qualität zeichnet Arminia Bielefeld aus?
Kompaktheit, schnelles Umkehrspiel, Automatismen: Bielefeld hat einen ausgeglichenen Kader und mit Fabian Klos einen absoluten Ausnahmespieler in den eigenen Reihen. Der Junge ist in jedem Jahr für 20 Tore gut. Er ist einer, der die entscheidenen Dinger reinmacht – ein wahrer Torjäger.

Ihr Team hat die vergangenen drei Partien gewonnen, Bielefeld hat von den letzten zehn Spielen nur eines verloren. Erwarten Sie einen offenen Schlagabtausch?
Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe. Man sollte keine Vergleiche zum Hinspiel ziehen, schließlich ist das jetzt die vorletzte Partie und somit an Brisanz nicht zu toppen. Bei einem Sieg hätte Arminia den Aufstieg geschafft. Sollten allerdings wir gewinnen, würden wir an Bielefeld vorbeiziehen und hätten dann einen Matchball gegen Aachen. Meine Jungs sollen mutig spielen. Sie wissen, dass sie Fehler machen dürfen. Wer ängstlich auftritt, kann einpacken.

Sie sind Trainer und Sportdirektor in Osnabrück, viele Ihrer Kollegen sind an einer solchen Doppelfunktion gescheitert. Wie lautet Ihr Rezept?
Wir verteilen die Arbeit auf viele Schultern. Der Trainerberuf ist bekanntlich extrem stressig, man arbeitet täglich mit über 25 Profis zusammen, denen man immerzu neue Inhalte vermitteln will. Ein guter Trainer kommuniziert beinahe rund um die Uhr.

Weshalb dann diese Doppelfunktion?
Die Verantwortlichen haben mir gesagt, ich sei für den Posten des Sportdirektors am besten geeignet. Und zwar aufgrund meiner Erfahrung, meiner engen Verbundenheit mit dem Klub sowie meines großen Netzwerks. Ob man den Posten nun »Sportdirektor«, »Sportlicher Leiter« oder »Sportkoordinator« nennt, ist mir wurscht. Klar ist: Mir stehen kompetente Leute zur Seite.

Welche Aufgaben geben Sie weiter?
Ich gebe die sportliche Richtung vor, führe Gespräche mit Spielern und Beratern und verhandele gelegentlich, das war es dann aber auch schon. Für die unzähligen Formalien und das Organisatorische bin ich nicht zuständig. Ein Trainer muss den Rücken frei haben für das Tagesgeschäft.

Konnten Sie überhaupt schon mit den Planungen für die neue Saison beginnen? Der VfL hat die Lizenz für die Zweite, sowie Dritte Liga nur mit Auflagen erhalten.
Es ist in der Tat sehr problematisch, sehr kompliziert und sehr unbefriedigend. Aber im vergangenen Jahr sah es ja ähnlich aus. Auch damals wussten wir nicht, ob wir die Lizenz bekommen würden. Irgendwann kam das »Go«, dann haben wir innerhalb von 14 Tagen eine Mannschaft zusammengestellt

Ein Risiko.
Zeitdruck erhöht nicht gerade die Wahrscheinlichkeit, erfolgeich zu sein, sondern eher das Risiko, auch mal ordentlich daneben zu liegen. Normalerweile erstreckt eine Kaderplanung sich über viele Monate, man beobachtet den Markt, führt Gespräche, verwirft Ideen. Aber hier? Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge, das können Sie mir glauben.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden