29.09.2009

Pele Wollitz über den Cottbusser Umbau

»Aufstieg? Unrealistisch!«

Einst bestand das Cottbusser Team aus osteuropäischen Profis, die kamen und gingen. Nun setzt Trainer Wollitz auf junge deutsche Spieler. Ein Gespräch über den Umbau, die Risiken und die notwendige Beharrlichkeit. 

Interview: Lucas Vogelsang Bild: Imago
Herr Wollitz, früher standen in der Cottbusser Mannschaft schon mal elf Ausländer, jetzt wurden mit Kruska, Brzenska und Dum überwiegend deutsche Spieler verpflichtet. Ist das eine gezielte Neuausrichtung des Vereins?  

Ich glaube, in den vergangene Monaten nach dem Abstieg ist allen hier in Cottbus klar geworden, dass sich etwas verändern musste. Wir haben jetzt einen Umbruch eingeleitet, der unumgänglich und von der Vereinsführung auch genauso gewollt war.  



Welche Rolle sollen Sie dabei spielen?

Die Verantwortlichen in Cottbus haben sich ganz bewusst für mich entschieden. Auch, weil man eben eine Figur wie mich gesucht hat. Jemanden, der einen solchen Umbruch moderieren kann. Der nach außen etwas darstellen kann, in der Öffentlichkeit eine bestimmte Meinung vertritt und dazu auch steht.  

Allein wegen Ihrer Fähigkeit als Moderator wird man Sie aber nicht geholt haben.

Nein. Bei den Gesprächen vor der Saison wurde natürlich auch diskutiert, welche Vorstellungen man hat. Der Verein hat sein Konzept vorgestellt, und das war in etwa deckungsgleich mit meinen Ideen von dem, was ich hier in Cottbus aufbauen will. Wären diese Gespräche nicht so positiv verlaufen, hätte ich auch nicht unterschrieben.  

Der Kern des Umbruchs in Cottbus bilden die Abkehr von der multinationalen Söldnertruppe und die Verpflichtung junger deutscher Spieler. Wie wichtig ist diese Sprengung des Ostblocks?  

Es ist ja nun einfach mal so, dass es die Arbeit ungemein erleichtert, wenn man mit Spielern arbeitet, die ohne Sprachbarriere einfach eine viel kürzere Eingewöhnungszeit benötigen. Wenn man einen Umbruch forciert, der ohnehin Unwägbarkeiten und Rückschläge mit sich bringt, ist es für mich als Trainer einfach leichter, wenn man die Spieler von Beginn an erreicht.  

Erhoffen Sie sich durch die Verpflichtungen deutscher Talente auch einen Schub für den Verein und einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung?  

In erster Linie wollten wir Spieler holen, die sich mit der Region identifizieren und so auch wiederum Identifikationsfiguren für die Fans sein können. Ich glaube, in der Lausitz haben die Menschen einen besonderen Stolz. Und deshalb braucht man gerade in Cottbus Spieler, die hierher passen und dankbar sind, hier spielen zu dürfen.  

Früher hieß es in Cottbus immer, dass junge deutsche Spieler kaum zu finanzieren seien, deshalb wurde vor allem auf Spieler aus Osteuropa gesetzt. Wie ist es nun möglich, plötzlich doch deutsche Talente zu verpflichten?  

Dass junge deutsche Spieler zu teuer seien, wie es in der Vergangenheit oft dargestellt wurde, stimmt einfach nicht. Das ist schlichtweg falsch. Ich muss mich allerdings um diese Spieler wirklich bemühen wollen. Wenn ich mich nicht bemühe, bekomme ich diese Spieler auch nicht.  

Wie ist es Ihnen gelungen, diese Spieler nach Cottbus zu holen?

Ich wusste, dass diese Spieler auf dem Markt sind, habe sie kontaktiert, dann habe ich mich mit ihnen getroffen und es letztendlich geschafft, sie davon überzeugen, dass wir hier in Cottbus gemeinsam etwas aufbauen können.

Kann sich Cottbus, auch vor dem Hintergrund der finanziellen Situation, eine radikale Abkehr von der Transferpolitik der Vergangenheit überhaupt leisten, oder werden sie doch auch in Zukunft in Osteuropa scouten?  

Wichtig ist nach wie vor die Mischung. Wenn ich einen guten Spieler bekomme, egal woher, und der passt ins Gehaltsgefüge und zu meiner Philosophie, dann werde ich ihn holen. Auch weil andere Kulturen immer andere Möglichkeiten eröffnen, neue Impulse geben und dadurch eine Mannschaft bereichern. Diese Reize zu setzen ist mir wichtig.  

Spieler aus Osteuropa wie etwa Vasile Miriuta, Erwin Skela oder Tomislav Piplica haben den Verein über Jahre geprägt. Auch weil sie von ihrer Mentalität gut nach Cottbus gepasst haben. Sind Sie sich sicher, dass sich die neuen Spieler, nur weil sie einen deutschen Pass besitzen, automatisch problemlos akklimatisieren können?  

Natürlich hat Energie Cottbus in der Vergangenheit mit einer Mannschaft, die fast ausschließlich aus Ausländern bestand, lange erstklassig gespielt. Aber warum sollte eine junge deutsche Cottbusser Mannschaft nicht in der Lage sein, in der Bundesliga zu spielen und irgendwann auch mal Bayern München zu schlagen?   

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