»Pele« Wollitz über das 5:5 gegen den KSC

»Bei mir gibt es nur Zucker«

2:0, 2:5, 5:5 – das sensationelle Zehn-Tore-Unentschieden zwischen Energie Cottbus und dem Karlsruher SC wird in die Geschichte der 2. Bundesliga eingehen. Cottbus-Trainer »Pele« Wollitz über Zuckerbrot und weiße Westen. »Pele« Wollitz über das 5:5 gegen den KSC

Claus-Dieter Wollitz, mit zwei Tagen Abstand – wie beurteilen Sie das verrückte 5:5 Ihrer Mannschaft gegen den KSC am Montag?

Ich habe das Spiel genauso analysiert, wie ich das mit anderen Partien auch mache. Es war ein Spiel mit allen Facetten – für den Zuschauer ist das natürlich enorm, als Trainer oder Spieler geht man durch alle Täler, die es im Fußball gibt.

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Nach 2:0-Führung stand es 55 Minuten plötzlich 2:5 für den KSC. Was war da denn los?

Sie sollten besser fragen, was nicht los war: Die Organisation! Die hat im ganzen Spiel nicht stattgefunden. Manche Spieler standen einfach neben sich.

Warum haben Sie nicht schon früher gewechselt?

Man darf die Jungs für solche Aussetzer nicht gleich verdammen, das halte ich für übertrieben. Wir stehen am Anfang der Saison und entwickeln uns gerade erst. Dass mit fünf neuen Spielern in der Anfangsformation nicht sofort alles rund laufen kann, ist doch nachvollziehbar. Abgesehen davon: So viele Korrekturmaßnahmen, wie in diesem Spiel erforderlich gewesen wären, hätte ich gar nicht vornehmen können.

Ihre Ansprache in der Halbzeit war angeblich sehr ruhig und besonnen, wie sehr mussten Sie sich zusammenreißen?

Gar nicht. Ich bin zwar ein sehr emotionaler Mensch – in der Kabine bin ich aber anders als nach außen. Die Frage ist doch: Wie muss ich eine Mannschaft begleiten, damit sie mit einer bestimmten Situation gut umgeht. Am Montag brauchte sie eine ruhige und positive Betreuung.

Hatten Sie nicht das Bedürfnis Ihre Spieler wachzurütteln?

Nein, wir haben die Probleme sachlich angesprochen – Emotionen hätten da ohnehin nichts gebracht. Einem selbstkritischen Spieler muss ich nicht sagen, was er alles falsch gemacht hat. Das Gespür der Spieler ist manchmal wichtiger als irgendwelche Parolen.

Sie halten offenbar viel von Ihren Spielern.

Vor der Partie habe ich die Spieler für ihre Einstellung und Identifikation gelobt, da kann ich sie nicht in der Halbzeit verteufeln. So ein Typ bin ich nicht. Es gibt Tage, da wäre man lieber im Bett geblieben. So einen Tag hatten wir – und schießen trotzdem fünf Tore.

Wie geht man das nächste Training nach so einem Spiel an? Zuckerbrot oder Peitsche?

Nur Zucker! Ich hole selten die Peitsche raus, eigentlich nur dann, wenn sich Spieler bewusst nicht quälen wollen. Manche Jungs akzeptieren einfach, dass an bestimmten Tagen nichts geht. Dabei kann man immer versuchen das Unmögliche möglich zu machen.

Das Spiel wird in die Geschichtsbücher eingehen. Können Sie sich darüber freuen oder sind fünf Gegentore zu viel des Guten?

In Cottbus haben wir in den letzten 13 Monaten schon so viele Geschichten neu geschrieben, da interessiert mich das Spiel gegen den KSC gar nicht mehr. Ich hätte mir ein 2:0 gewünscht, dann hätten wir eine weiße Weste gehabt. Das wäre mir lieber gewesen, als Geschichtsbücher zu füllen.

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