13.07.2007

Pele Wollitz im Interview

„Ich muss authentisch sein“

Als Spieler war Claus-Dieter „Pele“ Wollitz ein schlampiges Genie. Als Trainer des VfL Osnabrück hat er jegliche Schlampigkeit abgelegt – und zeigt dennoch wieder geniale Züge. Wir sprachen mit ihm über seinen Job und die Herausforderung.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Bauen Sie in der nächsten Saison in erster Linie auf die Erfahrung der bundesligaerprobten Spieler wie Reichenberger, Feldhoff und Cichon?

Ohne diese Leute geht es nicht. Im Fußball hat sich mit den Jahren viel verändert. Doch geblieben ist, dass die Achse stimmen muss. Wenn keine vorhanden ist oder es mit ihr nicht stimmt, dann wird es schwer. Für meine Achse habe ich Spieler, die eine hohe Identifikation mit dem Verein und eine gutes Verhältnis zu mir als Trainer haben. Sie gehen respektvoll mit ihren Mitspielern um und sind froh, sich auf ihre etwas älteren Tage noch einmal in der 2. Liga beweisen zu können.

Ihre beiden Mit-Aufsteiger aus dem Süden, Wehen und Hoffenheim, haben quasi keine Tradition, ihnen stehen jedoch große finanzielle Mittel zur Verfügung. Bei den Nordaufsteigern St. Pauli und Osnabrück verhält es sich genau umgekehrt. Würden sie gerne tauschen?

Nein. Dass sie mehr Möglichkeiten haben als andere Vereine, ist in diesem Geschäft einfach so. Ich habe den Eindruck, dass es im deutschen Fußball in Zukunft noch öfter vergleichbare Fälle geben wird. Aber auf Dauer halte ich das für problematisch, zumal ich nicht glaube, dass diese Entwicklung von den deutschen Fans akzeptiert wird. Es wird gefährlich, wenn nur noch Vereine dabei sind, die einen Großinvestor hinter sich wissen, denn dann besteht die Gefahr, dass das emotional Positive auf der Strecke bleibt. Dennoch habe ich grundsätzlich Respekt vor den beiden Verein, dass sie den Aufstieg in die 2. Liga geschafft haben. Da wird mit Verstand gearbeitet. Die dort handelnden Personen können ja nichts dafür, dass die Vereine keine große Tradition haben. Rangnick macht sehr gute Arbeit und hat in den letzten Jahren im deutschen Fußball auch schon Duftmarken gesetzt.

Ihnen fehlt noch der Fußballlehrerschein für die 1. und 2. Bundesliga. Sie müssen den Schein nun während der Saison nachmachen.

Ja, der Schein fehlt mir, wie so vielen anderen in der Vergangenheit auch (lacht). Grundsätzlich werde und möchte ich den Schein wirklich gerne machen. Als ich in Osnabrück angefangen habe, hatte ich alle nötigen Scheine, die man für die Regionalliga benötigt. Ich hätte den Job aber nicht bekommen, wenn ich damals gesagt hätte, dass ich zwischendurch ein halbes Jahr aussetzen muss, um meine Profi-Trainerlizenz zu machen. Ich bin davon ausgegangen und hatte gehofft, dass ich bei einem Aufstieg eine Ausnahmeregelung bekommen würde, wie es bisher auch üblich war. Jetzt auf einmal heißt es, dass es keine Ausnahmeregelung mehr gibt. Das ist prinzipiell auch total in Ordnung. Ich kann diese Entscheidung auch absolut nachvollziehen. Doch man hätte eine Deadline setzen sollen. Dann hätte jeder gewusst: Bis dahin wird das akzeptiert, aber nicht darüber hinaus. Das Ganze jetzt so abrupt zu machen hat den Anschein, als ob man an uns ein Exempel statuiert.

Und die Vereine bringt es in arge Nöte.


Zum einen die Vereine, zum anderen aber auch uns Trainer persönlich. Das kann bis zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Das hat es bisher im deutschen Fußball nicht gegeben. Ich möchte nicht bevorzugt werden, ich möchte aber auch nicht benachteiligt werden.

Wissen Sie schon, wann Sie den Schein machen werden und wie das Prozedere sein wird?

Das muss alles noch geklärt werden. Ich hoffe, dass ich die Trainerlizenz parallel zur neuen Saison machen kann, und ich nicht allzu viele Trainingseinheiten mit meiner Mannschaft verpasse. Dann könnte und würde ich den Trainerschein natürlich kurzfristig machen. Ansonsten weiß ich nicht, ob ich meinen Job hier weiter ausüben kann. Das muss man ganz klar so sagen.

Neben der Neuregelung in Sachen Trainerlizenz steht eine weitere Reform im deutschen Fußball an. Ab der übernächsten Saison wird es die eingleisige 3. Liga geben. Sind Sie froh, durch den Aufstieg dem Hauen und Stechen um die Qualifikationsplätze in der kommenden Regionalligasaison nicht ausgesetzt zu sein?

Das ist im Gegensatz zur Trainerschein-Frage schon seit einiger Zeit bekannt, so dass sich alle Vereine darauf einstellen konnten. So hätte es auch in Sachen Trainerschein laufen müssen. Aber natürlich sind wir froh, jetzt aufgestiegen zu sein, und wir die nächste umkämpfte Regionalligasaison umgehen können. Es wird da immer viel hinein interpretiert, doch letztlich sind immer die namhaften Mannschaften vorne, die von ihrem Potential auch da hingehören. Es gibt immer mal wieder eine Überraschungsmannschaft, wie Magdeburg in diesem Jahr, aber das sind eher die Ausnahmen.

Gibt die Tatsache, dass man selbst bei einem Abstieg in der 3. Liga weich landet, auch eine gewisse Lockerheit?

Absolut. Bei einem Abstieg aus der 2. Liga fällt man ab nächster Saison nicht mehr so tief. Ich finde es auch insgesamt sehr positiv, dass an den Strukturen gearbeitet wird, und diese Neuerungen bis in die 3. Liga hereinreichen. Von den Reformen kann ich vieles unterschreiben. Nur sollte man den etwas kleineren Vereinen in bestimmten Dingen etwas Spielraum geben. Wenn der DFB der TSG Hoffenheim nach deren Aufstieg Auflagen erteilt, dann sagt Herr Hopp (Geldgeber der TSG Hoffenheim, Anm. der Redaktion): „Die erledige ich“. Das finde ich absolut positiv, nicht dass ich da missverstanden werde. Wenn es also in Hoffenheim heißt, sie brauchen eine Rasenheizung, dann zahlt er mal eben die fälligen 800.000 Euro. Aber in Osnabrück stellt sich das finanziell anders dar. Da haben wir die Auflage, zu Saisonbeginn eine Rasenheizung zu installieren. Das hat vor uns noch kein anderer Verein so kurzfristig tun müssen. In Paderborn haben sie jetzt das dritte Jahr in der 2. Liga gespielt, ohne eine Rasenheizung zu haben. Ich möchte nur, dass für alle Vereine einheitliche Regeln gelten.


In Osnabrück stehen noch weitere Änderungen der Infrastruktur an. 2008 soll das Stadion ausgebaut werden. Könnte die unter dem Umbau leidende Atmosphäre in der Rückrunde die nötigen Punkte im Abstiegskampf kosten?

Die Auflagen für den Stadionausbau sind seitens des Vereins alle erfüllt. Wir suchen jetzt den bestmöglichen Termin, wenn es den überhaupt gibt. Dabei berücksichtigen wir natürlich den Spielplan und schauen, wie viele Heimspiele das betreffen würde. Aber dass der Umbau geschehen muss, steht außer Frage, um für den Verein bessere Strukturen zu schaffen. Durch den Umbau erhöht sich die Anzahl der Sitzplätze von 2.000 auf 7.000. Und auch was das Marketing anbelangt, haben wir nach dem Umbau bessere Möglichkeiten.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden