Pele Wollitz im Interview

„Ich muss authentisch sein“

Als Spieler war Claus-Dieter „Pele“ Wollitz ein schlampiges Genie. Als Trainer des VfL Osnabrück hat er jegliche Schlampigkeit abgelegt – und zeigt dennoch wieder geniale Züge. Wir sprachen mit ihm über seinen Job und die Herausforderung. Imago

Herr Wollitz, mit welchen Gefühlen blicken Sie der kommenden Saison entgegen?

Die Freude ist riesengroß. Wenn man als Trainer in der Regionalliga bei einem Klub wie dem VfL Osnabrück arbeitet, kann man nur das Ziel haben, in die 2. Liga aufzusteigen. Und das haben wir geschafft.

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Gibt es Spiele, auf die Sie sich besonders freuen?

Ich freue mich auf die Spiele gegen Köln, weil ich als Spieler mit Köln aufgestiegen bin, und auf die Partien gegen Kaiserslautern, weil ich mit dem FCK den DFB-Pokal gewonnen habe. Die Stimmung in Mainz, in Aachen und in der Allianz Arena wird super sein. Aber genauso freue ich mich auf die Spiele gegen Wehen und Hoffenheim. Ich bin einfach außerordentlich froh, mit Osnabrück in der 2. Liga dabei sein zu dürfen.

Ist der dramatische Aufstieg mit dem Moment zu vergleichen, als Sie den VfL 1991 durch ein Freistoßtor in der Schlussminute vor dem Abstieg retteten?

Das war anders. Damals war das Fußballinteresse in ganz Deutschland noch nicht so groß wie heute. Seitdem hat sich viel getan. Für Regionalligaverhältnisse gab es diesmal eine unheimlich große Aufmerksamkeit, wie es sie vielleicht noch nie gegeben hat. Während es 1991 in erster Linie in Osnabrück, aber nicht so sehr außerhalb der Stadtgrenzen Beachtung fand, war das Medieninteresse diesmal ungleich höher. Unvorstellbar.

Das lag wohl auch daran, dass die Aufstiegsentscheidung diesmal außergewöhnlich knapp war.

Sicherlich. Dadurch ist noch mal eine ganz andere Euphorie entstanden. Nach der Hinrunde dachte man ja noch, „Osnabrück hält keiner auf“. Wären wir so locker durchgekommen, wie es nach der Hinrunde und in weiten Teilen der Saison den Anschein hatte, wäre unsere Freude auch groß gewesen. Aber wenn die Entscheidung so eng ist wie in diesem Jahr, dann sind natürlich noch mehr Emotionen dabei.

Hatten Sie noch Hoffnung auf den Aufstieg, als Sie zwei Spieltage vor Schluss fünf Punkte Rückstand auf Magdeburg hatten?

Ich habe noch zu hundert Prozent an den Aufstieg geglaubt. Magdeburg hatte als Außenseiter die ganze Saison über keinen Druck. Ich habe intern wie auch nach außen gesagt, dass Magdeburg dem Druck, den sie plötzlich hatten, nicht standhalten wird, und wir es noch packen werden. Das ist normales Geplänkel, aber über die Presse kommt so etwas beim Konkurrenten an und verunsichert ihn.

Haben Sie befürchtet, dass St. Pauli im letzten Spiel gegen Magdeburg schwere Beine von seiner Aufstiegsfeier haben würde?

Emotional war es sehr schwer für die Paulianer, nach dem schon perfekt gemachten Aufstieg noch mal so eine Leistung abzurufen und in Magdeburg ein 1:1 zu holen. Ich habe immer dran geglaubt, dass Pauli sich nichts zu schulden kommen lässt, ihr Einsatz stimmt und man ihnen im Nachhinein nichts vorwerfen kann.

Nach dem Spiel sind Sie mit einem St. Pauli-Retter-Shirt im Fernsehen aufgetreten.

Auf diese Weise wollte ich meinen Respekt und meine Dankbarkeit gegenüber den Paulianern zum Ausdruck zu bringen. Ich hätte das auch in Worte fassen können, aber ich wollte es lieber symbolisch zeigen, weil das mehr aussagt als Worte. Damit hat der FC St. Pauli für mich wieder mal unter Beweis gestellt, dass er dieser einzigartige Kult-Klub ist. St. Pauli und uns kam aber sicherlich auch zu Gute, das es für die Magdeburger wirklich das einzige Spiel in der gesamten Saison war, in dem sie gewinnen mussten. In all den anderen Partien zuvor haben sie immer wieder gesagt, dass sie nur Außenseiter sind. So konnten sie die ganze Saison über befreit aufspielen. Bis zum letzten Spieltag.

War der Aufstieg für den VfL dieses Jahr eigentlich Pflicht?

Die Frage ist: Wann ist ein Aufstieg sinnvoll, wann kann man ihn nutzen? Nach dem letzten Abstieg 2004 wollte der VfL schnell wieder zurück in die 2. Liga. Doch damals wäre es meiner Meinung nach noch nicht sinnvoll gewesen. Jetzt sind wir mit unseren Strukturen weiter als damals. Obendrein ist es uns gelungen, uns finanziell zu konsolidieren. Wer schafft das schon in der Regionalliga? Somit glaube ich, dass wir dieses Jahr besser aufgestellt sind, als wenn uns der Aufstieg im letzten Jahr geglückt wäre. Dennoch wird die nächste Saison sehr schwer für uns, in der attraktivsten 2. Liga aller Zeiten. Wenn man sich die Strukturen der einzelnen Vereine ansieht, dann ist das eine verkappte 1. Liga.

Wie wollen Sie in dieser hochkarätigen Liga den Klassenerhalt schaffen?

Unsere einzige Chance liegt im Teamgeist, gegenseitigem Respekt und der Identifikation mit dem Verein. Bis jetzt haben wir in erster Linie deutsche Spieler verpflichtet, weil wir glauben, dass uns das mit diesen Spielern besser gelingt. Nehmen Sie Mathias Heidrich und Uwe Ehlers. Heidrich ist vor Jahren mit Aue in die 2. Liga aufgestiegen und weiß, was nötig ist, um die Klasse zu halten. Ähnlich verhält es sich mit Ehlers. Beide wissen, wie sie sich bei einem Aufsteiger wie uns zu verhalten haben. Außerdem wollte ich junge Spieler haben, um zu zeigen, dass man junge Spieler auch auf diesem Niveau entwickeln kann. Die müssen sich aber auch entwickeln lassen wollen. Wenn es in der Mannschaft passt, dann können wir die nötigen paar Prozent mehr rauskitzeln, um den Klassenerhalt zu schaffen.

Wonach suchen Sie Ihre Neuzugänge aus?

Wir verpflichten Spieler nicht nach Namen oder nach deren Vita, sondern schauen, welche Spieler charakterlich zu uns passen. Das ist unser Credo. In der letzten Saison hatte jeder unserer Spieler Anteil am Aufstieg, doch einige Akteure hatten naturgemäß einen höheren Anteil daran. So haben wir uns die Frage gestellt, welche Spielertypen wir zusätzlich zu diesem Stamm an Spielern, die eine wichtige Rolle in der Mannschaft bekleiden, dazu holen wollen, damit wir auch in der neuen Saison eine charakterlich intakte Mannschaft haben. Es ist wichtig, dass die Spieler, gerade auch in schwierigen Zeiten, ihre individuelle Klasse nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb zeigen.

Sie haben großes Vertrauen in Ihre Spieler.

Ja, das habe ich. Und ich denke, das gleiche gilt auch umgekehrt. Die langjährigen Bundesligaprofis Reichenberger und Feldhoff haben schon unter sehr renommierten Erstligatrainern gearbeitet. Ich trainiere die beiden jetzt seit vier bzw. fünf Jahren. Wenn hinter meinen Worten nichts stecken würde, würden ihre Leistungen mit der Zeit schlechter werden. Aber das ist nicht der Fall. Um die zwischenmenschliche Beziehung zu meinen Spielern mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Von allen Spielern, mit denen ich Gespräche darüber geführt habe, ob sie nach Osnabrück kommen oder nicht, hat noch keiner gesagt, dass er nicht gerne bei uns spielen möchte. Ich glaube das hat sich in der Branche auch rum gesprochen. Was ich mit den Spielern bespreche, das setzte ich auch um. Ich taktiere nicht mit den Spielern und gaukele ihnen auch nichts vor. So zu handeln finde ich unmöglich. Es ist meine Philosophie, ehrlich zu den Spielern zu sein. Ich kann und will sie nicht anlügen.

Glauben Sie, dass ihr Präsidium soviel Vertrauen zu Ihnen hat wie Sie zu Ihrer Mannschaft?

Ich habe Vertrauen zur Vereinführung, und die Vereinführung hat Vertrauen zu mir. Sonst wäre ich nicht nach drei Jahren noch Trainer in Osnabrück. Ich werde hier auch nicht einzig und allein an den nackten Ergebnissen gemessen.

Aber kann der Aufstieg für den Trainer einer Mannschaft, die sich permanent auf der Schwelle zwischen der 2. und 3. Liga bewegt, nicht auch gefährlich sein?

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich keine Angst vor Niederlagen habe. Es ist nur ein Fußballspiel. Ich habe einen tollen Job, bei dem ich mich entfalten und zeigen kann, wie ich bin. Wie gesagt, es geht um ein Spiel, das man gewinnen oder auch verlieren kann. Aber wenn man ein gutes Miteinander pflegt, gewinnt man öfter, weil man darüber einiges herausholen kann. Egal in welcher Liga das ist.

Bauen Sie in der nächsten Saison in erster Linie auf die Erfahrung der bundesligaerprobten Spieler wie Reichenberger, Feldhoff und Cichon?

Ohne diese Leute geht es nicht. Im Fußball hat sich mit den Jahren viel verändert. Doch geblieben ist, dass die Achse stimmen muss. Wenn keine vorhanden ist oder es mit ihr nicht stimmt, dann wird es schwer. Für meine Achse habe ich Spieler, die eine hohe Identifikation mit dem Verein und eine gutes Verhältnis zu mir als Trainer haben. Sie gehen respektvoll mit ihren Mitspielern um und sind froh, sich auf ihre etwas älteren Tage noch einmal in der 2. Liga beweisen zu können.

Ihre beiden Mit-Aufsteiger aus dem Süden, Wehen und Hoffenheim, haben quasi keine Tradition, ihnen stehen jedoch große finanzielle Mittel zur Verfügung. Bei den Nordaufsteigern St. Pauli und Osnabrück verhält es sich genau umgekehrt. Würden sie gerne tauschen?

Nein. Dass sie mehr Möglichkeiten haben als andere Vereine, ist in diesem Geschäft einfach so. Ich habe den Eindruck, dass es im deutschen Fußball in Zukunft noch öfter vergleichbare Fälle geben wird. Aber auf Dauer halte ich das für problematisch, zumal ich nicht glaube, dass diese Entwicklung von den deutschen Fans akzeptiert wird. Es wird gefährlich, wenn nur noch Vereine dabei sind, die einen Großinvestor hinter sich wissen, denn dann besteht die Gefahr, dass das emotional Positive auf der Strecke bleibt. Dennoch habe ich grundsätzlich Respekt vor den beiden Verein, dass sie den Aufstieg in die 2. Liga geschafft haben. Da wird mit Verstand gearbeitet. Die dort handelnden Personen können ja nichts dafür, dass die Vereine keine große Tradition haben. Rangnick macht sehr gute Arbeit und hat in den letzten Jahren im deutschen Fußball auch schon Duftmarken gesetzt.

Ihnen fehlt noch der Fußballlehrerschein für die 1. und 2. Bundesliga. Sie müssen den Schein nun während der Saison nachmachen.

Ja, der Schein fehlt mir, wie so vielen anderen in der Vergangenheit auch (lacht). Grundsätzlich werde und möchte ich den Schein wirklich gerne machen. Als ich in Osnabrück angefangen habe, hatte ich alle nötigen Scheine, die man für die Regionalliga benötigt. Ich hätte den Job aber nicht bekommen, wenn ich damals gesagt hätte, dass ich zwischendurch ein halbes Jahr aussetzen muss, um meine Profi-Trainerlizenz zu machen. Ich bin davon ausgegangen und hatte gehofft, dass ich bei einem Aufstieg eine Ausnahmeregelung bekommen würde, wie es bisher auch üblich war. Jetzt auf einmal heißt es, dass es keine Ausnahmeregelung mehr gibt. Das ist prinzipiell auch total in Ordnung. Ich kann diese Entscheidung auch absolut nachvollziehen. Doch man hätte eine Deadline setzen sollen. Dann hätte jeder gewusst: Bis dahin wird das akzeptiert, aber nicht darüber hinaus. Das Ganze jetzt so abrupt zu machen hat den Anschein, als ob man an uns ein Exempel statuiert.

Und die Vereine bringt es in arge Nöte.


Zum einen die Vereine, zum anderen aber auch uns Trainer persönlich. Das kann bis zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Das hat es bisher im deutschen Fußball nicht gegeben. Ich möchte nicht bevorzugt werden, ich möchte aber auch nicht benachteiligt werden.

Wissen Sie schon, wann Sie den Schein machen werden und wie das Prozedere sein wird?

Das muss alles noch geklärt werden. Ich hoffe, dass ich die Trainerlizenz parallel zur neuen Saison machen kann, und ich nicht allzu viele Trainingseinheiten mit meiner Mannschaft verpasse. Dann könnte und würde ich den Trainerschein natürlich kurzfristig machen. Ansonsten weiß ich nicht, ob ich meinen Job hier weiter ausüben kann. Das muss man ganz klar so sagen.

Neben der Neuregelung in Sachen Trainerlizenz steht eine weitere Reform im deutschen Fußball an. Ab der übernächsten Saison wird es die eingleisige 3. Liga geben. Sind Sie froh, durch den Aufstieg dem Hauen und Stechen um die Qualifikationsplätze in der kommenden Regionalligasaison nicht ausgesetzt zu sein?

Das ist im Gegensatz zur Trainerschein-Frage schon seit einiger Zeit bekannt, so dass sich alle Vereine darauf einstellen konnten. So hätte es auch in Sachen Trainerschein laufen müssen. Aber natürlich sind wir froh, jetzt aufgestiegen zu sein, und wir die nächste umkämpfte Regionalligasaison umgehen können. Es wird da immer viel hinein interpretiert, doch letztlich sind immer die namhaften Mannschaften vorne, die von ihrem Potential auch da hingehören. Es gibt immer mal wieder eine Überraschungsmannschaft, wie Magdeburg in diesem Jahr, aber das sind eher die Ausnahmen.

Gibt die Tatsache, dass man selbst bei einem Abstieg in der 3. Liga weich landet, auch eine gewisse Lockerheit?

Absolut. Bei einem Abstieg aus der 2. Liga fällt man ab nächster Saison nicht mehr so tief. Ich finde es auch insgesamt sehr positiv, dass an den Strukturen gearbeitet wird, und diese Neuerungen bis in die 3. Liga hereinreichen. Von den Reformen kann ich vieles unterschreiben. Nur sollte man den etwas kleineren Vereinen in bestimmten Dingen etwas Spielraum geben. Wenn der DFB der TSG Hoffenheim nach deren Aufstieg Auflagen erteilt, dann sagt Herr Hopp (Geldgeber der TSG Hoffenheim, Anm. der Redaktion): „Die erledige ich“. Das finde ich absolut positiv, nicht dass ich da missverstanden werde. Wenn es also in Hoffenheim heißt, sie brauchen eine Rasenheizung, dann zahlt er mal eben die fälligen 800.000 Euro. Aber in Osnabrück stellt sich das finanziell anders dar. Da haben wir die Auflage, zu Saisonbeginn eine Rasenheizung zu installieren. Das hat vor uns noch kein anderer Verein so kurzfristig tun müssen. In Paderborn haben sie jetzt das dritte Jahr in der 2. Liga gespielt, ohne eine Rasenheizung zu haben. Ich möchte nur, dass für alle Vereine einheitliche Regeln gelten.


In Osnabrück stehen noch weitere Änderungen der Infrastruktur an. 2008 soll das Stadion ausgebaut werden. Könnte die unter dem Umbau leidende Atmosphäre in der Rückrunde die nötigen Punkte im Abstiegskampf kosten?

Die Auflagen für den Stadionausbau sind seitens des Vereins alle erfüllt. Wir suchen jetzt den bestmöglichen Termin, wenn es den überhaupt gibt. Dabei berücksichtigen wir natürlich den Spielplan und schauen, wie viele Heimspiele das betreffen würde. Aber dass der Umbau geschehen muss, steht außer Frage, um für den Verein bessere Strukturen zu schaffen. Durch den Umbau erhöht sich die Anzahl der Sitzplätze von 2.000 auf 7.000. Und auch was das Marketing anbelangt, haben wir nach dem Umbau bessere Möglichkeiten.

Sie sind jetzt der gefeierte Aufstiegstrainer. Sie waren auch schon als Spieler der Publikumsliebling in Osnabrück. Wie kam es zu dieser Verbundenheit mit dem Verein und den Fans?

Das entwickelte sich in meinem ersten Jahr in Osnabrück, als ich in der Endphase der Saison wichtige Tore geschossen habe. Die Leute haben gemerkt, dass ich mich mit dem Verein identifizierte, und dass ich gerne dort spielte. Ich hatte auch dadurch eine besondere Verbindung zu der Stadt Osnabrück, weil ich hier geheiratet und mit meiner Frau unser erstes Kind bekommen habe. Ich persönlich hatte hier vier sportlich erfolgreiche Jahre, auch wenn ich mir für den Verein mehr Erfolg gewünscht hätte.

Diesen sportlichen Erfolg haben Sie dann bei anderen Vereinen gesucht. Als Spieler waren Sie außer in Osnabrück auch bei so namhaften Vereinen wie Köln, Lautern, Wolfsburg, Hertha und Leverkusen. In ihrer Vita stehen jedoch nur 64 Erstligaeinsätze, dafür 315 Zeitligaspiele. Was hat Ihnen zum ganz großen Durchbruch als Spieler gefehlt?

Als Spieler muss man bereit sein. Das war ich nicht immer. In gewissen Situationen muss man sich öffnen, doch das habe ich nicht immer gemacht. Jetzt als Trainer merke ich, dass ein Spieler seine Leistung nur dann bringen kann, wenn er im Kopf frei ist. Mit den Erfahrungen, die ich in den letzten 12 Jahren gesammelt habe, wäre in meiner Spielerkarriere sicherlich mehr drin gewesen. Aber diese Erfahrung und Reife hatte ich damals noch nicht.

Was meinen sie damit genau, wenn sie sagen, sie seien nicht bereit gewesen?

Als Spieler muss man authentisch sein. Das war ich nicht immer. Wenn man in ein neues Umfeld kommt, entscheidet es sich relativ zeitnah, ob man sich dort öffnen kann, oder aber auch nicht. Da kann es zu einer gewissen Blockade kommen, wegen der man seine Leistung nicht mehr abrufen kann. Als ich die Vereine gewechselt habe, hieß es immer wieder, da kommt ein „Riesenspieler“, ein „Riesentalent“, einer, der eine ganze Mannschaft mitreißen kann. Aber um das zu können, muss man authentisch sein und sich gleichzeitig weiterentwickeln. Doch ich hatte bisweilen eine Hemmschwelle – mir selber, aber auch den Vereinen gegenüber.

Dennoch galten Sie als Führungsfigur.

Das war ich im Prinzip auch. Als Köln mich 1998 aus Uerdingen geholt hat, galt ich als der „Leader der zweiten Liga“. Ich war bei den meisten meiner Stationen oft Kapitän oder zumindest Vize-Kapitän, so etwas kommt ja nicht von Ungefähr. Ich wusste also schon, was man in eine Mannschaft einbringen musste. Doch für das Kölner Umfeld war ich zu feinfühlig. Ich brauchte eine gewisse Harmonie, um meine Leistung abzurufen, und ich bin ein Typ, der erstmal alles um sich herum beobachtet. Aber so wie die damalige Kölner Mannschaft strukturiert und zerstritten war, konnte ich einfach keine Leistung bringen. Im zweiten Jahr in Köln hatten wir dann mit Ewald Lienen einen neuen Trainer und die Mannschaft hatte ein anderes Gesicht. Da waren wir ein richtiges Team. In dem Umfeld habe ich dann auch wieder gute Leistungen zeigen können. In meiner Karriere hatte ich viele Höhen und Tiefen, bin aber am Ende immer wieder aufgestanden.

Brauchen Sie die Harmonie als Trainer genauso wie damals als Spieler?


Ja. Auch als Trainer muss ich authentisch sein, und das geht nur in einem harmonischen Umfeld. Nur so kann ich mein Potential entfalten und die Spieler fördern.

Helfen Ihnen Ihre negativen Erfahrungen aus Ihrer Zeit als Profi nun beim Umgang mit Ihren Spielern, wenn es darum geht, Blockaden zu lösen?


Man sieht ja, welche Spieler zu mir kommen. Das sind häufig Spieler, die aus der ersten und zweiten Liga kommen, dort aber nicht für gut befunden wurden, oder denen nachgesagt wurde, dass sie keine Teamplayer wären. Ich denke, es ist eine meiner Stärken, dass ich weiß, was in den Spielern vorgeht. Ich kann erkennen, warum ein Spieler gehemmt ist, und warum er so ist, wie er in dem Moment eben ist. Das sehe ich an der Körpersprache und entnehme ich den Äußerrungen der Spieler. Ich beschäftige mich viel mit meinen Spielern und hatte bisher immer einen guten Draht zu meinen Mannschaften.

Wie wäre der Spieler Wollitz mit dem Trainer Wollitz zurechtgekommen?


Wenn der Spieler Wollitz seine positive Art in die Mannschaft des Trainers Wollitz einbringt, dann funktioniert das immer! Für mich ist ganz entscheidend, dass man ehrlich miteinander umgeht, nicht taktiert, und man sich mit offenem Visier begegnet. Das ist heutzutage leider nicht so verbreitet. In dem Punkt hätte es zwischen dem Spieler Wollitz und dem Trainer Wollitz keine Probleme gegeben. Die beiden sind sicherlich unterschiedlich. Aber es ist für mich wichtig, dass ich kein nachtragender Mensch bin. Ich muss nicht verzeihen, ich kann vergessen. Es gehört dazu, dass man auch mal unterschiedlicher Meinung ist, aber ein Disput muss sich immer in einem vernünftigen Rahmen abspielen.

Was bedeutet das für den Umgang mit Ihren Spielern?


Ich kann einem Spieler nicht immer nur sagen, was er falsch macht. Ich muss ihm umgekehrt auch sagen, was er richtig macht, und wie er aus seinen Fehlern lernen kann. Wenn Spieler mal einen Fehler machen, darf man ihnen gegenüber nicht nachtragend sein. Fehler gehören dazu. Ich weiß, wie man Spieler anpacken muss, und ich hatte mit meiner Art in meinen Stationen in Krefeld und Osnabrück Erfolg. In meiner aktiven Zeit wurde mir meine offene und ehrliche Art oft nicht verziehen. Aber damit habe ich heute kein Problem mehr. Im Gegenteil, ich freue mich, dass ich als Spieler diesen Mut hatte, meinen Stil stets beizubehalten.

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