23.10.2010

Pelé im 11FREUNDE-Interview

»Maradona ist kein guter Trainer«

Er ist der vielleicht größte Fußballer aller Zeiten: Pelé war dreimal Weltmeister, schoss mehr als 1000 Tore und ist noch heute das bekannteste Fußballer-Gesicht des Planeten. Wir sprachen mit ihm über Thomas Müller und Maradona.

Interview: Rafael Buschmann Bild: Imago

Pelé, Brasilien steht im Viertelfinale. Wie sehr freuen Sie sich über Erfolge der brasilianischen Mannschaft bei dieser WM?


Ach, ich habe mich schon sehr gefreut und mit einigen Freunden gejubelt. Aber aus dem Alter, in dem man nächtelang wegen eines Fußballspiels feiert, bin ich mittlerweile raus. Zudem ärgert mich auch einiges an diesem WM-Turnier.

Was genau?



Einige Mannschaften. Die Spieler der Elfenbeinküste galten beispielsweise vor der WM als afrikanische Brasilianer. Sie versprachen technischen, schnellen Fußball. Aber wo war der? Das Einzige, was ich im Spiel gegen Brasilien gesehen habe, waren böse Tritte und hinterhältige Provokationen.

Aber die einzige Rote Karte des Spiels gab es für den Brasilianer Kaká.



Dass das eine Rote Karte war, will ich immer noch nicht glauben. Der Gegenspieler läuft auf Kaká zu, ohne auf ihn zu gucken. Kaká schützt sich und hebt den Arm. So etwas ist keine Tätlichkeit. Kaká ist einer der fairsten Spieler der Welt.

Es gab in Südafrika viele umstrittene Schiedsrichterentscheidungen. Das Wembley-Tor der Engländer, das Abseitstor von Carlos Tevez gegen Mexiko. Auch Deutschlands Miroslav Klose wurde im Spiel gegen Serbien vom Platz gestellt.

Auch der spanische Schiedsrichter in diesem Spiel hatte eine sehr eigenwillige Regelauslegung. Ich glaube, die Gelb-Rote Karte von Klose war völlig überzogen.

Wie beurteilen Sie denn grundsätzlich das deutsche Spiel?



Man sieht, dass sich etwas im deutschen Fußball getan hat. Schon bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren zeigten die Deutschen zwischenzeitlich richtig schönen Offensivfußball. Aber diesmal haben sie Spieler wie Mesut Özil oder diesen, wie heißt er denn noch mal...

...Müller?



Genau, diesen Müller von Bayern. Das sind Spieler wie früher Overath oder Littbarski. Die können dribbeln, tödliche Pässe spielen, überraschende Momente kreieren. Es macht Spaß, denen zuzusehen.

Am Sonnabend könnte der deutsche Traum vom Weltmeistertitel vorbei sein, wenn die Mannschaft im Viertelfinale auf Argentinien trifft.



Deutschland ist immer dann stark, wenn es darauf ankommt. Das ist eine echte Turniermannschaft.

Die Weltmeister werden kann?



Deutschland hat eine der jüngsten Mannschaften der Weltmeisterschaft. Ich glaube, dass sie für den Titel noch ein wenig zu unerfahren ist.

Also holt Brasilien den Titel?

Ich würde es mir sehr wünschen. Aber trotz des 3:0-Sieges über Chile bin ich noch nicht komplett von diesem Team überzeugt.

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