Peer Kluge im Interview

„Hier zieht jeder mit“

In seinen sieben Gladbacher Jahren erlebte Peer Kluge über 100 Mitspieler, die allesamt nicht den Erfolg brachten, den sie verhießen. Nun ist er nach Nürnberg gegangen, um endlich Stabilität zu finden. Wir sprachen mit ihm über seine Hoffnungen. Imago

Herr Kluge, haben Sie im DFB-Pokalfinale schon mit dem Club mitgefiebert, oder waren Ihre Gedanken zu dem Zeitpunkt noch bei dem Abstieg der Borussia?

Selbstverständlich habe ich den Jungs die Daumen gedrückt. Es ist ganz klar, dass man sich mit dem Verein freut, zu dem man wechselt.

Wie lange hat der Abstieg bei Ihnen noch nachgewirkt?

Das beschäftigt einen natürlich noch eine ganze Weile. Im Urlaub konnte ich aber den nötigen Abstand gewinnen und mich davon frei machen. Der Abstieg war keine schöne Sache, aber ich habe ihn verarbeitet. Jetzt freue ich mich auf meine neue Aufgabe in Nürnberg.

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Gab es trotz des Abstiegs mit Gladbach in der letzten Saison etwas Positives, das Sie mit nach Nürnberg nehmen?

Auf jeden Fall. Es war sehr schön, wie die Fans mich verabschiedet haben. Ich wurde nicht vom Hof gejagt, sondern die Fans haben mich gefeiert. Das ist nicht alltäglich, wenn man absteigt. Das war eine sehr tolle Erfahrung, und hat mir gezeigt, dass meine Art, Fußball zu spielen, ankommt.

Wann stand Ihr Wechsel nach Nürnberg fest?

Das war im Frühjahr. Der erste Kontakt kam um Weihnachten herum zustande. Hans Meyer hatte mich angerufen und angefragt. Das hat mich sehr gefreut. Nürnberg stand zu dem Zeitpunkt schon erstaunlich weit oben, so dass ich mir einen Wechsel zu dem Zeitpunkt durchaus vorstellen konnte.

Inwieweit haben Sie von da an auf die Entwicklung in Nürnberg geachtet?

Natürlich habe ich die Entwicklung beim Club verfolgt. Das gebe ich ganz ehrlich zu. Ich denke, das ist auch ganz normal.

Sie gelten im Mittelfeld als sehr flexibel einsetzbar. Auf welcher Position fühlen Sie sich am wohlsten?

Ich bin überhaupt nicht auf eine Position festgelegt. In Gladbach habe ich auf sämtlichen Positionen im Mittelfeld gespielt. Ich bin beidfüssig, kann gegen den Mann oder auch selber den freien Mann spielen.

Welchen Anteil an Ihrem Wechsel hatte die Tatsache, dass Hans Meyer den Club trainiert?

Das war sicherlich ein mitentscheidender Grund. Er war bereits in Gladbach mein Trainer. Daher kennt er mich schon lange, weiß, wie ich Fußball spiele, und was für ein Mensch ich bin.

Hätten Sie sich auch einen Wechsel nach Nürnberg vorstellen können, wenn Hans Meyer dort nicht Trainer gewesen wäre?

Ja. Ich hätte mir das Angebot natürlich angehört. Wenn ich auch ohne Hans Meyer genauso das Gefühl gehabt hätte, dass der Club mich will, dann hätte das auch ohne ihn der Fall sein können.

Was zeichnet Hans Meyer als Trainer aus?

Er ist sehr akribisch und weiß genau was er will. Er analysiert die Mannschaften sehr gut, und er gibt ein klares taktisches System vor, an dass die Spieler sich zu halten haben. Seine Arbeit, die er hier in Nürnberg geleistet hat, spricht für sich. Nürnberg hat sehr guten Fußball gespielt, und ist die Mannschaft ist auf dem Platz eine echte Einheit gewesen.

Hat sich Hans Meyer im Umgang mit den Spielern und der Öffentlichkeit in Nürnberg im Vergleich zu seiner Zeit in Chemnitz bzw. Gladbach verändert?

Vielleicht ist er in manchen Dingen ein bisschen lockerer geworden. Aber meinen ersten Eindrücken nach zu urteilen, ist er im Großen und Ganzen immer noch der Gleiche wie damals.

In Gladbach haben sie in sieben Jahren sehr turbulente Zeiten durchlebt. Sie waren sozusagen die einzige Konstante im Team. Könnten Sie noch alle Spieler aufzählen, mit denen sie in Gladbach zusammen gespielt haben?

Oh, das ist nicht einfach. Die vielen Spielertransfers sind ganz sicher ein Grund gewesen, warum die Entwicklung in Gladbach rückwärts ging anstatt nach vorne. Es ist sehr schade, welche Entwicklung die Borussia genommen hat, denn der Verein ist mir in all den Jahren sehr ans Herz gewachsen. Das haben wir uns in Gladbach alle anders vorgestellt.

Haben die Verantwortlichen mit Ihnen oder anderen Führungsspielern über die Einkaufspolitik gesprochen, sich zum Beispiel mal einen Rat aus der Mannschaft eingeholt?

Mit den Spielertransfers haben wir nichts zu tun gehabt, und das ist auch nicht unsere Aufgabe, darauf Einfluss zu nehmen. Wir sollen auf dem Platz stehen und unsere Leistung bringen.

Dem Vernehmen nach wären Sie sogar bereit gewesen, mit Gladbach in die zweite Liga zu gehen. Unter welchen Vorraussetzungen?

Wenn ich in Gladbach genauso das Gefühl gehabt hätte, dass sich um mich bemüht wird, wie ich es hier jetzt in Nürnberg verspüre. Erst Christian Ziege (seit März neuer Sportdirektor in Gladbach, d. Red.) hat sich stark für meine Vertragsverlängerung eingesetzt, aber da war es schon zu spät.

Sie sagen, der Club habe sich um Sie bemüht. Was bedeutet das konkret?

Es ist wichtig zu merken, dass der Verein einen unbedingt haben will. Man steht mit den Verantwortlichen in Kontakt und tauscht sich aus. Man muss wissen, worauf man sich einlässt, wie die Mannschaft aussehen soll, und wie man sich die Zusammenarbeit vorstellt. Bei Hans Meyer weiß ich, auch aus meiner Zeit in Gladbach, was mich erwartet.

Was bedeutet ein Transfer in eine andere Stadt für Sie persönlich? Schließlich hat es ja große private Konsequenzen, wenn man sein vertrautes Umfeld verlässt.

Ich gebe zu, dass es mir nicht sehr leicht gefallen ist. Ich bin sechs Jahre in Gladbach gewesen, das ist für einen Fußballspieler heutzutage eine sehr lange Zeit. Da lernt man auch viele Leute kennen, die mit Fußball nichts am Hut haben. Am Anfang ist es also nicht so einfach, aber ich werde sicher auch hier in Nürnberg viele neue Leute kennen lernen.

Wie hat die Mannschaft Sie aufgenommen?

Sehr gut. Die Mannschaft ist absolut intakt und hat mir den Einstand sehr leicht gemacht. Ich freue mich auf das, was mich hier noch erwartet.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Gladbach und Nürnberg?

Beide Vereine haben eine große Tradition. Durch den Pokalsieg und die Europapokalteilnahme herrscht hier eine riesige Euphorie. Das erinnert mich an mein erstes Jahr in Gladbach, als die Borussia grade wieder in die erste Liga aufgestiegen war. Beides sind sehr lebendige Vereine, die voll von den Fans angenommen werden. Das ist für die Spieler eine schöne Sache. Die Stadien sind immer gut besucht. Selbst zu den Vorbereitungsspielen kommen sehr viele Fans.

Und der größte Unterschied?

Hier ist die Mannschaft eine Einheit. Das war in Gladbach im letzten Jahr nicht immer der Fall. Da gab es Grüppchenbildung, und es haben nicht alle an einem Strang gezogen. Das ist hier ganz anders. Hier zieht jeder mit. Das ist auch das Wichtigste und die Grundvoraussetzung, um Erfolg zu haben.

Könnte Nürnberg den Gladbachern als Vorbild dienen? Schließlich ist es noch nicht allzu lange her, dass es in Nürnberg bisweilen ähnlich drunter und drüber ging wie in den vergangenen Jahren in Gladbach.

Ich hoffe, dass mit Christian Ziege jetzt eine gewisse Konstanz in den Verein hinein kommt. Es muss das Ziel sein, dass die Mannschaft wieder ein Gesicht bekommt. Das hat dem Verein in den letzten Jahren gefehlt.

Was sind die Ziele des Clubs in dieser Saison?

Priorität hat die Bundesliga. Da wollen wir eine gute, ruhige Saison hinlegen. Aber wir wollen auch im Pokal wieder so weit kommen wie möglich – und im UEFA-Cup die Gruppenphase erreichen.

Im Mittelfeld des Clubs herrscht große Konkurrenz. Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Saison?

Klar, die Konkurrenz ist groß, aber dessen war ich mir bei meinem Wechsel bewusst. Ich will natürlich spielen und erfolgreich sein. Wichtig ist, gesund zu bleiben, und jede Trainingseinheit zu nutzen, um mich zu verbessern.

Sie wurden auch schon mal mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Ist das noch ein Thema für Sie?

Nein, absolut nicht. Mir ist wichtig, hier in Nürnberg Leistung zu bringen, wie ich es auch in den letzen Jahren in Gladbach getan habe. Über alles andere mache ich mir keine Gedanken.

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