Pawel Pogrebnjak im Interview

»Man schaut anders auf uns«

Russlands Stürmer-Star Pawel Pogrebnjak über den möglichen und von ihm erhofften Wechsel zum FC Bayern München, die Rolle des Geldes im russischen Fußball und die neue Stärke der Nationalmannschaft unter Guus Hiddink. Pawel Pogrebnjak im InterviewImago

Pawel Wiktorowitsch, Sie laborierten zuletzt an einer Oberschenkel-Verletzung und verpassten das Ligaspiel ihres Klubs Zenit gegen Wladiwostok. Wie ist nun der Stand? Können Sie am Samstagabend gegen Deutschland spielen?

Ich habe gestern trainiert, ich habe heute trainiert; und ich habe während der Trainingseinheiten keine Schmerzen gespürt und habe mich gut gefühlt. Aber ob ich spiele, das entscheidet Guus Hiddink.

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Sie kennen viele Spieler der Sbornaja, weil Sie mit Ihnen zusammen in einem Verein spiele. Ist das sinnvoll, wenn es in der Nationalmannschaft so einen Block gibt?

Ich denke, ja. Wir verbringen viel Zeit zusammen, verstehen einander gut.

Das heißt, Sie sind auch dafür, dass am Samstagabend gegen Deutschland zum Beispiel Ihr Teamkollege Igor Denisow von Beginn an spielt?


Das entscheidet Guus Hiddink. Aber ich denke, Igor ist ein sehr guter Spieler.

Wo sehen Sie Probleme der Nationalmannschaft?

Das werde ich Ihnen vor dem Spiel sicher nicht verraten.

Wären Sie den einverstanden, wenn ich sage, dass Ihre Abwehr nicht gerade der beste Mannschaftsteil ist?

Wissen Sie, die Abwehr beginnt bei den Angreifern.

Arbeiten vielleicht Ihre Angreifer nicht so viel nach hinten wie die Angreifer von anderen Nationalmannschaften?

Nein, warum?

Naja, viele Beobachter sagen zum Beispiel, dass Ihr Vereins- und Nationalmannschaftskollege Andrej Arschawin zu wenig für die Defensive tut.

Auf diese Frage werde ich nicht antworten.

Wer ist denn am Samstag der Favorit?


Ich denke, Deutschland ist eine starke Mannschaft und spielt zu Hause, von daher - Deutschland.

Auf einer Pressekonferenz hat Joachim Löw gesagt, dass die russische Nationalmannschaft sich auf einem Niveau mit anderen Spitzenmannschaft wie Spanien oder Argentinien befindet. Was denken Sie darüber? Sind Sie einverstanden?

Das ist sehr schön, dass so ein hervorragender Spezialist wie Joachim Löw so etwas über sagt. Bei der Europameisterschaft haben wir ein hervorragendes Spiel gezeigt, jetzt schaut man anders auf uns.

In Russland sind die Erwartungen enorm gestiegen. Erwarten die russischen Fans jetzt vielleicht zu viel von Ihrer Mannschaft?

Nein, das ist normal.

Es ist doch zum Beispiel vorstellbar, dass Deutschland in Ihrer Gruppe Erster wird. Und Sie nur Zweiter. Müssten Sie in so einem Fall mit viel Kritik rechnen? Wäre Ihr Land zufrieden?

Erstmals wären wir als Mannschaft damit nicht zufrieden. Wir wollen sofort die Qualifikation schaffen.

Das heißt aber, dass sie wohl entweder hier in Dortmund oder zu Hause in Moskau gegen Deutschland gewinnen müssen.

Wahrscheinlich. Ich würde dabei aber nicht so starke
Mannschaften wie Finnland oder Wales aus der Liste streichen. Das sind auch starke Nationalteams. Ich denke nicht, dass es in unserer Gruppe nur einen Zweikampf zwischen Deutschland und Russland wird.

Es gibt in Ihrer Mannschaft nur einen Legionär, Roman Pawljutschenko von Tottenham. Warum gibt es nicht mehr Legionäre? Sie haben doch so eine starke Mannschaft, an einigen Spielern hatten auch europäische Klubs Interesse.

Warum nur einer? Ich weiß es nicht. Jeder Fußballer ist verschieden. Mancher will wechseln, mancher nicht. So generell ist das schwer zu sagen, aber im Prinzip denke ich, dass man sich im Ausland besser fortentwickeln kann. Vielleicht ändert sich an dieser Frage ja etwas im Winter, vielleicht wechselt dann noch einer.

Vielleicht auch Sie?


Ich weiß es nicht. Im Prinzip will ich aber meine Stärken in einer stärkeren Liga ausprobieren.

Gibt es denn schon Angebote?


So weit mir das bekannt ist, ja. Ich weiß aber nicht, von welchem Klubs.

Der für Transferfragen zuständige Zenit-Funktionär Konstantin Sarsanija hat gesagt, dass er ein Angebot vom FC Bayern bekommen habe.

Ja, die Gerüchte darüber gibt es. Konkret ist da aber noch nichts.

Wären Sie denn froh, wenn Sie für Bayern spielen könnten?

Natürlich. Ich würde da gerne spielen.

Glauben Sie, dass einer der Gründe für die wenigen Legionäre das Geld ist, das man in Russland verdienen kann?.


Bei uns ist in der Tat viel Geld im Spiel. Ja, ich denke, das ist einer der Gründe, warum so wenige Spieler im Ausland spielen.

Spielt das Geld vielleicht eine zu wichtige Rolle? Gefällt Ihnen beispielweise der große Einfluss der Oligarchen?

Keine zu wichtige Rolle, aber eine sehr wichtige. Alles geht voran in Russland, alles entwickelt sich gut. Verschiedene Vereine bauen neue Stadien. Man sieht den Fortschritt. Und ich denke, dass man das in den nächsten Jahren noch mehr sehen wird.

Welches Ziel haben Sie in dieser Saison noch mit ihrem Klub Zenit St. Petersburg?

In der Champions League wollen wir die Gruppenphase überstehen, und in der Meisterschaft uns für die nächste Champions-League-Saison qualifizieren, das heißt, unter die ersten Drei kommen. Für den Titel reicht es nicht mehr, dafür ist unser Abstand auf Tabellenführer Rubin Kasan zu groß.

Und mit der Nationalmannschaft? Manche Funktionäre haben ja schon erklärt, dass sie den Titelgewinn bei der EM 2012 erwarten. Wie sehen Sie das?


Jeder Fußballer will gewinnen. Man muss das sehen. Zuerst müssten wir uns ohnehin für die EM qualifizieren, und nun steht sowieso erstmal Deutschland an.

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