29.03.2013

Paul Kalkbrenner über Ibrahimovic, Eier und Lothar Matthäus

»Wer den Affen macht, muss abliefern«

Paul Kalkbrenner ist Technogigant, Weltstar und Fan des FC Bayern München. Ein Gespräch über die Arroganz von Zlatan Ibrahimovic, die Hacke von Rabah Madjer und den Kater nach dem verlorenen Finale dahoam.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: PROMO

Haben Sie in den letzten zwei Jahren auch mal neidisch auf Borussia Dortmund geschaut?
Warum? Die haben eine tolle Mannschaft, sind zu Recht Meister geworden. Aber in dieser Saison ist der Spuk vorbei.

Die neuen Bayern dominieren wieder die Liga.
Wenn ich diese Mannschaft sehe, entweicht mir vor Freude ein Tröpfchen in die Hose. Wir haben 20 Punkte Vorsprung und sind so gut wie sicher Meister. Ich hab das erste Mal das Gefühl, dass Bayern wirklich auf allen Positionen doppelt gut besetzt ist. Ich glaube, mit dem Team kann der ganz große Schuss gelingen.

Das Festgeldkonto macht es möglich.
Nicht nur das. Ich glaube, die Mannschaft ist durch das Trauma von 2012 noch stärker geworden. Vielleicht hat es genau diese Niederlage gebraucht, damit man nicht irgendwie durch Glück ins Finale rutscht, sondern als Großmacht heranwächst.

Fehlt nicht der große Star, auf den sich alle fokussieren können.
Wollen wir jetzt über Effenberg reden?

Nein, aber über Typen wie Didier Drogba oder Lionel Messi.
Davon gibt es eben nur ein paar auf der Welt und die kann man sich nicht schnitzen. Zlatan Ibrahimovic ist auch so einer. Der ist so bekloppt, dass der sich alles erlaubt. Dieser Wahnsinn macht ihn einmalig.

Sein Fallrückzieher gegen England ist wohl das Tor des Jahrzehnts.
Einfach unglaublich. Deswegen bin ich der Meinung: So einer muss auch den Affen machen. Ich bin der festen Überzeugung, dass sein kleiner Größenwahn, den er im Spiel und wahrscheinlich auch zuhause vor dem Spiegel zeigt, in seine Leistung mit reinspielt. Der macht sich selbst so einen Druck durch sein Auftreten, dass er genau weiß, dass er dann auch abliefern muss.

Dieser Funken Wahnsinn lässt ihn die unmöglichsten Sachen probieren.
Genau! Der zweifelt nicht eine Sekunde daran, dass ein Fallrückzieher aus 30 Metern ins Tor gehen könnte. Und dann geht der auch rein. Wenn so etwas zwei Mal daneben geht, dann ist man nicht Weltklasse, sondern Marko Arnautovic.

Manchmal hat man das Gefühl der jüngeren Spielergeneration fehlen diese Eier.
Denen fehlt spielerisch nichts, aber eben die gewisse Attitüde. Ich kenne das von mir selbst. Ich trete oft überheblich auf, weil ich mir damit selbst Druck mache. Und dann weiß ich: Und jetzt muss was kommen, sonst machst du dich lächerlich. Dieser Selbstdruck führt im besten Falle dazu, dass das auch stimmt, was man so erzählt.

Taugt Zlatan Ibrahimovic zum Vorbild?
Unbedingt. Sein Ego ist beneidenswert. Wer so über den Dingen steht, verringert die Möglichkeit, tragisch zu enden.

Hatten Sie ebenfalls fußballerische Vorbilder?
Il grande Lothar! Wegen ihm habe ich jahrelang Inter Mailand die Daumen gedrückt. Und natürlich Zico, der weiße Pelé. Sein verschossener Elfmeter gegen Frankreich 1986 hat ihn in meiner Gunst steigen lassen.

Sie haben also einen Hang zu tragischen Figuren?
Das kann man heute sicher so konstruieren. Aber damals konnte ich mir das ja nicht aussuchen. Ich wusste ja nicht, was aus dem ein oder anderen Helden mal wird.

Zumindest vom Glanz eines Lothar Matthäus ist nicht mehr viel übrig.
Der tut mir einfach nur leid. Nehmen wir zum Beispiel diese Personalty Doku auf Vox. Da hat man doch von Anfang an gemerkt, dass sie ihn schon wieder verarscht haben. Aber es ist auch seine eigene Schuld. So etwas passiert, wenn man einfach an keinem Mikro vorbeigehen kann.
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