Patrick Ochs über den Saisonstart

»Worten Taten folgen lassen«

Die Saison hätte für Patrick Ochs nicht besser starten können: drei Spiele, zwei Tore und eine Vorlage. Wir sprachen vor dem Spiel gegen den SC Freiburg mit ihm über Talente, die Kapitänsbinde und seine neue Rolle. Patrick Ochs über den Saisonstart

Patrick Ochs, Sie treffen heute Abend mit der Eintracht auf den SC Freiburg und Papiss Demba Cissé, den momentanen Anführer der Torschützenliste. Was raten SIe als ehemaliger Verteidiger der Frankfurter Hintermannschaft?

Ihn nicht zum Kopfball kommen zu lassen, denn da ist er enorm stark. Außerdem muss man eng am Mann sein und aufpassen, dass er sich nicht drehen kann. Wenn Marco Russ oder Maik Franz das schaffen, hat man die stärkste Waffe von Freiburg ausgeschaltet.  

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Und dann bleiben die drei Punkte in Frankfurt?

Ich erwarte ein zähes Spiel. Es wird dauern, bis wir in Führung gehen werden. Trotzdem ist Freiburg ein machbarer Gegner, den wir auf jeden Fall schlagen müssen, da wir deutlich besser besetzt sind.

Gesunder Optimismus.

Wir müssen jetzt nachlegen, sonst hat der Sieg gegen Gladbach nichts gebracht. Bei einer erneuten Niederlage würden wir nach vier Spielen mit drei Punkten wieder unten drin stehen.  

Der Sieg am 4. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach war der höchste Auswärtssieg seit 16 Jahren. Wie wichtig war dieser Sieg?

Sehr wichtig. Keine Bundesliga-Mannschaft möchte mit drei Niederlagen in eine neue Saison starten. Daher haben wir uns vorgenommen, gut zu spielen, was von der ersten Minute an geklappt hat. Dass es aber 4:0 ausgeht, hätten wir auch nicht erwartet.

Sie haben in den bisherigen Spielen mindestens ein Tor geschossen oder eins vorbereitet. Gleichzeitig waren Sie Kapitän der Mannschaft und bekamen beste Noten. Wie bewerten Sie Ihren persönlichen Saisonstart?

Ich kann mich nicht beschweren, bisher ist es ein optimaler Start. In der Vorbereitung habe ich gesagt, dass ich gerne etwas offensiver spielen möchte. Mit zwei Toren habe ich meinen Worten Taten folgen lassen. Ich gebe mich damit aber nicht zufrieden, will weitere Tore schießen und auch als Vorbereiter erfolgreich sein – Theofanis Gekas soll schließlich auch noch ein paar Tore schießen.  

Hat sich das Spielsystem verändert, so dass Sie Ihre Offensivstärke mehr ausleben können?

Früher war ich rechter Verteidiger. Heute spiele ich im Mittelfeld. Ich bin vorher nicht so oft vors Tor gekommen, höchstens einmal pro Spiel. Aber jetzt, nachdem ich mich eingefunden habe und die Laufwege besser kenne, komme ich mehr in Strafraumnähe, wo sich viele Torchancen ergeben.

Auf Ihrer alten Position spielt jetzt der neunzehnjährige Sebastian Jung. Sonny Kittel (17) wird als das nächste große Talent der Eintracht gehandelt. Sie entstammen ebenfalls der Frankfurter Jugend. Wie wichtig ist die Jugendarbeit für einen Verein wie Eintracht Frankfurt?

Wir haben nicht das große Geld wie zum Beispiel Hoffenheim, Schalke oder Wolfsburg. Da ist es immer gut, wenn es ein Talent aus der Jugend zu den Profis schafft. Die Eintracht baut am Riederwald ein neues Ausbildungszentrum, das genau diese Talente fördern soll. Dort wird es sogar ein Internat geben, in dem sie ausgebildet werden. Solch ein Zentrum kommt allen zu Gute. Die Jungs werden von der ersten Minute an auf die Bundesliga vorbereitet und die Eintracht profitiert von den guten Nachwuchsspielern. 

Wie sah ihre Ausbildungsstätte bei der Eintracht aus? Hätten Sie sich solch ein Zentrum gewünscht?

Natürlich, das werden tolle Trainingsbedingungen. Der alte Riederwald, wo ich früher trainiert habe, war marode und es schimmelte in den Duschen. Als ich mit 18 zu den Bayern-Amateuren gewechselt bin, war dort alles sehr professionell. Die Eintracht hat sich von den Bayern und anderen Vereinen, wo ständig junge Talente entdeckt werden, inspirieren lassen und hofft auf einen ähnlichen Erfolg.

Was halten Sie vom Trend in der Bundesliga, eher junge Talente zu fördern, als auf teure Stars zu setzen, die dann doch nicht zünden?

Das ist eine gute Entwicklung. Gladbach hat das beispielsweise ähnlich gemacht. Patrick Herrmann oder Marko Marin sind super Spieler. Warum sollte man also teure Spieler aus dem Ausland kaufen, wenn hier großes Potential vorhanden ist?

Diese Erkenntnis ist bei Eintracht Frankfurt aber noch relativ neu, oder?

Caio und Martin Fenin sind zwar noch im Kader, aber eben keine Stammspieler. Sicherlich hoffen wir und die Verantwortlichen, dass deren Durchbruch noch kommt, aber am Beispiel Sebastian Jung sieht man, dass Qualität auch aus der eigenen Jugend kommen kann. Sebastian hat noch nicht mal drei Monate gebraucht, um sein erstes Spiel zu machen. Das gleiche erhoffen wir uns natürlich von Sonny Kittel. Dadurch kann man die ein oder andere Millionen einsparen und in die Talentförderung stecken.

Sie spielen jetzt seit sechs Jahren bei den Frankfurter Profis und haben einige Mannschaftskonstellationen miterlebt. Wie stark schätzen Sie die momentane Mannschaft ein?

Wir haben den besten Kader seit sechs Jahren, haben uns mit Theofanis Gekas, Georgios Tzavellas und mit Halil Altintop gut verstärkt, so dass wir das neu ausgegebene Ziel von 50 Punkten erreichen werden. Davon bin ich überzeugt. Wir versuchen natürlich mehr Punkte zu erzielen, aber dass es für die Europa League reichen wird, glaube ich nicht. Wahrscheinlich wird es Platz acht oder neun.

In Deutschland wird neuerdings die K-Frage diskutiert. Sie sind jetzt in den ersten drei Spielen als Spielführer aufgelaufen. Geben Sie sie zurück, wenn der verletzte Kapitän Chris wieder fit ist?

Auf jeden Fall. Das habe ich auch am letzten Spieltag gemacht, als er eingewechselt wurde. Ich glaube, es ist bei uns nicht so wichtig, wer die Kapitänsbinde trägt. Wenn man gute Leistung zeigt, wird man von der Mannschaft respektiert. Nichtsdestotrotz wäre ich natürlich auch gerne Kapitän geworden. 

Die großen Vereine, die viel Geld investiert haben, stehen plötzlich unten. Oben stehen die Mannschaften, die man eigentlich in der zweiten Hälfte der Tabelle erwartet hätte. Wie bewerten Sie den Start der Bundesliga?

Mit Sicherheit ist die Bundesliga dieses Jahr sehr ausgeglichen. Ein gutes Beispiel dafür ist Borussia Mönchengladbach, die erst gegen eine Top-Mannschaft wie Bayer Leverkusen mit 6:3 gewinnt und dann gegen uns verliert. Kaiserslautern hat zum Beispiel den Vorteil, dass sie schon eingespielt sind. Im Gegensatz dazu stimmt bei den Mannschaften, die neue Spieler verpflichtet haben, die Abstimmung noch nicht. Aber das wird sich noch ändern. Im Laufe der Saison werden die Mannschaften, die jetzt unten sind, gewiss wieder oben zu finden sein.  

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Lest kommende Woche, wie Patrick Ochs auf den Hund gekommen ist und was ihn mit Berti Vogts verbindet. 

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