Patrick Ochs im Interview

„Ochs! Beweg deinen Arsch!“

Patrick Ochs ist bei der Frankfurter Eintracht der Mann fürs Grobe. Im Gespräch mit 11freunde.de berichtet er, wo er sich das dafür nötige Rüstzeug geholt hat. Imago

In der Jugend bei Eintracht Frankfurt hast du noch im offensiven Mittelfeld geglänzt, als Profi musst du hingegen den Knochenjob in der Abwehr verrichten. Ist das auch in deinen Augen die richtige Position für dich?

Wenn du in der Jugend 20 Tore pro Saison schießt und Spiele mit Vorlagen entscheidest, macht das natürlich mehr Spaß und sichert dir die Aufmerksamkeit der Späher. Auf Dauer hätte ich mich aber wohl nicht in der Offensive durchsetzten können, die Konkurrenz war dort zu stark. Unglücklich bin ich als rechter Außenverteidiger dennoch nicht.

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Die Position entspricht also mehr deinen Fähigkeiten.

So habe ich den Sprung zu den Profis geschafft.

Wer hat dich umgeschult?

Den entscheidenden Feinschliff hat mir Hermann Gerland verpasst, nachdem ich 2002 von Frankfurt nach München gewechselt bin.

Man sagt, er sei ein harter Hund.

Das kann ich nur bestätigen. Ich hatte am Anfang gehörigen Respekt vor ihm. Die ersten
zwei, drei Monate waren sehr hart – aber wenn man diese Zeit übersteht und er Vertrauen in dich gewinnt, dann zeigt er ein anderes Gesicht. Ganz wichtig für ihn sind Einsatzwillen und die Bereitschaft, ständig dazulernen zu wollen. „Ochs, beweg dein Arsch“, hat er gerufen, wenn er unzufrieden mit mir war. Das hat mich angespornt, auf
die Zähne zu beißen.

Wie wirkt die Säbenerstraße auf einen jungen Spieler?

Es war komplettes Neuland und sehr aufregend. Plötzlich stehen da die großen Stars vor dir, die es in Frankfurt nicht gab. Da wurde mir erst richtig bewusst: So will ich auch mal werden, ich will unbedingt zu den Profis aufsteigen.

Und dann roch es plötzlich überall nach Geld.

Nein, es ist ein anderer Flair, der in München vorherrscht – die Professionalität. Man lebt hier für den Fußball, schafft die Bedingungen, um wirklich in jedem Bereich das Optimum heraus zu holen.

Bist du an dieser Erwartungshaltung letztlich gescheitert?

Wenn man die Möglichkeit bekommt, bei den Bayern zu spielen, wäre man doch blöd, abzulehnen. Ich habe den Wechsel von Anfang an als Ausbildungschance gesehen und nicht fest damit gerechnet, gleich in München Profi zu werden, denn das schaffen nur die Wenigsten. Mein Plan war es, nach der Ausbildung erstmal ausgeliehen zu werden. Dass ein Verein mich gleich verpflichtet hat, zeigt doch letzten Endes, dass ich nicht gescheitert bin.

Fazit: Du bist zwar gut, aber nicht gut für die Bayern.

Welcher junge Spieler hätte sich schon gegen einen Willy Sagnol durchgesetzt?

Das ist in der Tat sehr schwierig.

Ich war einfach realistisch genug und wusste, dass ich woanders meine Chance suchen muss.

Zufall oder Fügung, als die Eintracht dich 2004 verpflichtete?

Ich wollte schon immer für Frankfurt in der Bundesliga spielen. Das gilt aber nicht nur für mich. Wir haben zurzeit viele Spieler, die aus der eigenen Jugend kommen und eine hohe Identifikation mit dem Verein mit sich bringen. Es ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Mannschaften, die nur zusammengekauft werden.

Eine der größten Identifikationsfiguren in Frankfurt ist Charly Körbel. Ist im aktuellen Kader einer dabei, der in seine Fußstapfen treten könnte?

Ich kann nur für mich sprechen. Mein Vertrag läuft noch bis 2008, und was danach
passiert, weiß ich noch nicht. Heutzutage darf man es den Spielern nicht mehr krumm nehmen, wenn sie wechseln und ihre Karriere nicht ausschließlich bei einem Verein verbringen. Übertragen wir das mal auf den gesamten Arbeitsmarkt: Wer würde schon ein besseres Jobangebot ablehnen?

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