Patrick Helmes im Interview

»Olli oder ich – fertig«

Aus Sechs mach Fünf: Bundestrainer Löw wird am Mittwoch einen der Stürmer nach Hause schicken. Wird es Neuville sein? Oder doch Patrick Helmes? Wir sprachen mit ihm über Bonbons, Konkurrenzkampf und die Angst vorm Aus. Patrick Helmes im InterviewImago

Herr Helmes, wie fühlt man sich als Castingkandidat?

Nach einer langen Verletzung habe ich in der Rückrunde ganz gut gespielt und mir den Platz hier im Kader erkämpft. Ist doch gar nicht so schlecht, oder?

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Kader ist gut – bisher hängt ihm das Attribut »vorläufig« an. Drei Spieler werden am Mittwoch aussortiert. Im Sturm fällt die Entscheidung zwischen Ihnen und Oliver Neuville. Haben Sie Angst?

Nein. Ich sehe es als Bonbon, hier zu sein. Hier sind Deutschlands beste Fußballer. Und: Hier kann man verdammt viel lernen. Angst? Nein. Ich bin stolz. Das ist doch eine Chance.

Es hieß, Sie hätten gar nicht mehr an eine Nominierung geglaubt.

Stimmt. Ich wusste nur, dass ich beim 1. FC Köln alles gegeben hatte. Dann bekam ich am Abend vor der Nominierung auf der Zugspitze einen Anruf. Als ich hörte, dass ich dabei bin, konnte ich es gar nicht glauben. Und wissen Sie was: Am nächsten Morgen bin ich mit dem Gedanken aufgewacht, dass es den Anruf gar nicht gegeben hat. Wahnsinn, oder? Ich brauchte nur ein bisschen Zeit, das zu realisieren.

Wer wird das Rennen Ihrem Gefühl nach machen: Oliver Neuville oder Sie?

Der Olli und ich verstehen uns gut, er ist ein Superspieler. Das denkt er vielleicht auch über mich. Ich sehe das nicht so als Konkurrenzkampf. Ich fühle mich auch nicht wie auf dem Laufsteg, dass ich permanent darauf zu achten habe, dass ich eine gute Figur abgebe. Ich gehe ziemlich locker an die Sache, eine andere Chance sehe ich gar nicht für mich. Nur so kann ich zeigen, was ich kann.

Gibt es so etwas wie Hinweise vom Trainer oder kleine Rückmeldungen?

Nein, ich brauche keine Rückmeldungen. Wir werden am Mittwoch sehen, wer gehen muss. Olli oder ich – fertig.

Den Nationalspielern steht ein Psychologe bei. Haben Sie den mal aufgesucht?

Oh, ich finde es schön, dass er da ist. Es gehen auch einige Spieler zu ihm, aber ich brauche das nicht. Noch nicht! Ich finde, dass der Rummel um das Thema Casting überhöht wird. Wir sind Profis, jeder kennt Konkurrenzdruck doch aus seinem Verein.

Joachim Löw attestierte Ihnen Frechheit– eine positive, wie er hinterherschob. Was glauben Sie, meinte er damit?

Ich denke mal, dass er meine Art Fußball zu spielen charakterisierte. Wir jungen Spieler sind noch unbekümmerter. Wir sind zwar hier, um uns zu verbessern, aber wir verstecken uns im Training nicht. Sonst wären wir hier nicht richtig.

Hoffen Sie, am Dienstag gegen Weißrussland aufzulaufen?

Jeder will spielen. Vielleicht kriege ich die Chance, mich für ein paar Minuten zu zeigen. Ich glaube, dass die Trainingseinheiten, die am Wochenende sehr fußballspezifisch und intensiv waren, eine große Rolle für die Trainer spielen.

Was, wenn es Sie am Mittwoch träfe?

Es geht darum, wer als fünfter Stürmer mitgeht zur EM. Es geht um eine Jokerrolle. Welcher Spielertyp in bestimmten Situationen helfen kann. Wenn ich aussortiert werde, reiße ich mir auch kein Bein aus. Ich sehe das alles positiv: Du kannst hier viel lernen. Die Tage haben Kraft gebracht für die kommende Saison.


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