Pablo Thiam im Interview

»Wir haben Ambitionen«

Seit Anfang der Saison ist Pablo Thiam Mitglied der Geschäftsführung des VfL Wolfsburg und Felix Magaths rechte Hand. Wir sprachen mit ihm über Wachstum, Wolfsburg als Fußballstadt und das Spiel gegen die Bayern. Pablo Thiam im InterviewImago

Herr Thiam, Sie sind Anfang 2003 nach Wolfsburg gekommen. Was hat sich seitdem verändert?

Ich bin nicht mehr Spieler, sondern Mitarbeiter der Geschäftsführung.

[ad]

Gemeint waren eigentlich die Veränderungen beim VfL…

Der Verein und die Mannschaft haben sich enorm weiterentwickelt. Wir haben heute eine intakte Mannschaft mit Ambitionen nach oben. Es gab auch andere Zeiten. Felix Magath hat den Verein in ein ruhigeres Fahrwasser geführt.

Ist der Aufwärtstrend wirklich allein das Verdienst von Felix Magath?


Die Resultate werden in schlechten Zeiten am Trainer festgemacht. Dann darf man das auch mal in den guten Zeiten tun. Ich habe hier in Wolfsburg viele Trainer erlebt. Felix Magath hat einen neuen Stil eingeführt.

Wie sieht der denn aus?

Es ist ein strenger Stil. Felix Magath tritt selbstbewusst auf. Er ist eine Respektsperson, die den Takt vorgibt und gleichzeitig Ruhe ausstrahlt.

Trotz der positiven Entwicklung fällt es schwer, sich den VfL Wolfsburg als Champions League-Teilnehmer vorzustellen.


Wir sprechen ja auch nicht von der Champions League. Wir wollen international vertreten sein. Das ist unser Ziel.

Wolfsburg ist im zwölften Bundesligajahr immer noch keine Fußballstadt.


Das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Dafür braucht es Erfolge und Zeit. Das ist ein Prozess. Die Entwicklung, die der Verein nimmt, ist toll. Die Mannschaft spielt inzwischen einen attraktiven Fußball, was sich auch außerhalb von Wolfsburg herumgesprochen hat. Unsere Zuschauerzahlen wachsen. Die Leute sprechen positiv über uns.

Der VfL hat als Fünfter vier Punkte Rückstand auf Tabellenführer HSV und einen Zähler Vorsprung auf den FC Bayern, den Tabellenelften. Die Klubs liegen eng beieinander.


Die Bundesliga ist eine der stärksten Ligen der Welt. Die große Ausgeglichenheit ist in meinen Augen ein Zeichen dafür. Jeder kann jeden schlagen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Bundesligavereine im Gegensatz zu anderen Ligen sehr seriös arbeiten und keine Schuldenberge anhäufen.

Bei aller Ausgeglichenheit nahm der FC Bayern über Jahrzehnte hinweg eine Vormachtstellung im deutschen Fußball ein. Hat Sie die Schwäche der Bayern zu Beginn der Saison überrascht?

Bei großen Veränderungen in einem Verein kann es anfangs immer Schwierigkeiten geben. Die derzeitige Situation bei den Bayern ist nur eine Momentaufnahme.

Sie selber haben bei Ihrem Engagement in München nie richtig Fuß gefasst. Warum nicht?


Als ich mich für einen Wechsel zum FC Bayern entschied, wusste ich um den Konkurrenzkampf und dass es schwierig sein wird. Ich hatte zuvor beim VfB Stuttgart eine gute Rolle gespielt. Dann kamen Angebote von Spitzenklubs, auch eines vom FC Bayern, der in Deutschland das Nonplusultra ist. Das war natürlich sehr verlockend. Anfangs lief es in München ja auch ganz gut. Aber dann kamen Verletzungen dazwischen. Dennoch war die Station sehr lehrreich, sie hat mich weitergebracht. Man kann sagen, es war eine gute Lebensschule.

Zu Beginn der neuen Saison wechselten Sie ins VfL-Management. Sie sind die rechte Hand von Felix Magath. Wie bekommt er das mit der Dreifachfunktion als Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführer hin?

Felix Magath hat ein gutes Team um sich herum aufgebaut. Es gibt eindeutige Absprachen mit einer sehr guten Aufgabenverteilung und einer klaren Vorgabe der Richtung.

Eine Trainerlaufbahn kam für Sie nicht in Frage?

Nein, ich war 18 Jahre lang für den Fußball unterwegs. Als Trainer das gleiche Pensum abzuspulen, das wollte ich vermeiden. Der Posten hier in der Geschäftsleitung ist eine großartige Ausbildung, die unbezahlbar ist. Ich lerne den Fußball von einer ganz anderen Seite kennen.

Inwiefern?

Als Spieler bist du nur für dich verantwortlich. Man setzt sich in den Bus oder ins Flugzeug und kann sich voll auf seine Aufgabe auf dem Platz konzentrieren. Jetzt sehe ich, was für ein Aufwand dahintersteckt, von der Spielberechtigung bis zu den Transfers.

Im Falle von Misimovic scheint der VfL bei der Transferpolitik ein glückliches Händchen gehabt zu haben. Was man bei der Verpflichtung von Zaccardo, der 2006 Weltmeister mit Italien wurde, bislang nicht sagen kann.

Man muss einem Spieler Eingewöhnungszeit geben. Es gibt Spieler, die brauchen ein oder sogar zwei Jahre, bis sie in der Bundesliga angekommen sind.

Verwandte Artikel

0Rudi Völler im Interview

Rudi Völler im Interview

»Manchmal ist mir schwindelig«

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!