26.11.2007

Otto Addo über die Kunst des Angriffs

»Stürmer leben riskanter«

Komponierte Bach, als ihn Schläger umzingelten? Nein. Dichtete Rilke mit dem Messer im Strumpf? Wohl kaum. Der Stürmer aber ist ein Künstler, der ständig bedroht ist. So wie Otto Addo, der einst ein Tor mit gerissenem Kreuzband schoss.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Herr Addo, wer ist Ihrer Meinung nach der beste Stürmer aller Zeiten?

Puh... (überlegt lange). Für mich ist das immer noch Ronaldo.

Vermutlich eine sehr exklusive Meinung...


Ja, klar, seine große Zeit ist vorbei. Wir haben bei der Weltmeisterschaft im letzten Jahr gesehen, dass er nicht mehr so fit ist wie einst. Doch was Ronaldo in seinen besten Zeiten gezeigt hat – ich meine die Jahre beim FC Barcelona und bei Inter Mailand –, war schon einmalig.



Was konnte Ronaldo, was andere nicht können?


Er war ein Goalgetter, aber auch ein Teamplayer. Er war schnell und dribbelstark, hatte aber stets ein Auge für den Mitspieler. Es gibt ja viele Stürmer, die im Abschluss eiskalt sind – Gerd Müller etwa. Dann wieder andere, die viel auflegen. Ronaldo konnte beides.

Wo steht im Vergleich dazu Thierry Henry?

Henry ist auch ein Weltklassestürmer. Und er kommt einem Spieler wie Ronaldo sehr nahe. Henry ist dribbelstark, er ist unglaublich schnell, hat einen nahezu perfekten Abschluss. Und er hat auch wunderschöne Tore gemacht.

Henry und Ronaldo sind demnach fußballerisch auf Augenhöhe?


Ja, eigentlich schon. Allerdings hat Ronaldo wirklich phänomenale Sachen gemacht, der ist auch mal durch fünf oder sechs Spieler durchgegangen. So etwas habe ich bei Henry noch nie gesehen.

Beim FC Barcelona ist das Spiel nicht mehr ausschließlich auf Henry ausgerichtet. Es gibt mit Messi, Ronaldinho und Eto’o drei absolute Weltklassespieler in der Offensive. Denken Sie, dass Henrys Spielweise darunter leidet?

Ach, ich glaube nicht. Henry muss sich erstmal an seinen neuen Verein und auch an das Umfeld gewöhnen. Auch muss er sich auf die Spielweise und seine Mitspieler einstellen. Und es stimmt schon, dass bei Barça das Offensivspiel auf mehrere Schultern verteilt wird. Doch ich denke auch, dass Henry mit der Zeit wieder an seine Leistungen, die er bei Arsenal London gezeigt hat, anknüpfen wird.

Sehen Sie selbst sich eigentlich als Stürmer oder eher als Mittelfeldspieler?

Ich habe viele Jahre als Stürmer gespielt, doch ich sehe mich eher als offensiven Mittelfeldspieler, mitunter auch als hängende Spitze. Obwohl ich momentan beim HSV – sowohl in der ersten als auch in der zweiten Mannschaft – im defensiven Mittelfeld zum Einsatz komme.

Unter Huub Stevens spielt jeder ein bisschen defensiver...

Das stimmt. Die Null muss stehen. Das ist ja sein bekanntes Motto. Stevens versucht zuallererst die Defensive zu stärken. Die Offensive läuft schon irgendwie... (lacht)

War der Positionswechsel eine große Umstellung für Sie?


Nicht wirklich. Ich habe nun bei so vielen Vereinen gespielt und schon so häufig die Position gewechselt. In der Jugend fing ich als Verteidiger an und habe meist auf der linken oder rechten Abwehrseite gespielt. Mit den Jahren bin ich stets ein Stückchen nach vorne gerückt.

Wünscht man sich nicht gerade als Kind und Jugendlicher, in der Offensive zu spielen, als Stürmer viele Tore zu schießen?

Ich war eigentlich nie der Spieler, der ausschließlich darauf bedacht war, Tore zu schießen. Richtig torgeil war ich nie. Ich bin eher der Spielertyp, der anderen eine Freude bereitet, der gerne Tore auflegt.

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