Otto Addo über das Duell BVB gegen HSV

»Hamburg ist nicht chancenlos«

Otto Addo spielte sechs Jahre beim BVB und ist heute A-Jugendtrainer des HSV. Wir sprachen mit ihm über das heutige Spiel, Jürgen Klopps Vorlieben und die Schwierigkeit, Jugendspieler in Hamburg zu etablieren. Otto Addo über das Duell BVB gegen HSVImago

Otto Addo, der BVB ist aktuell Tabellenführer der Bundesliga und zelebriert mitunter Fußball. Hat der HSV heute Abend überhaupt eine Chance?

Der HSV ist nicht chancenlos. Hamburg hat insbesondere gegen Mainz gezeigt, dass man auch gegen solche jungen und dynamischen Mannschaften bestehen kann. In Hamburg hat man neben den jungen Spielern auch die Älteren, die die nötige Erfahrung mitbringen. Ich tippe auf ein 1:1.

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Wie schätzen Sie den BVB ein?


Die Mannschaft ist spielerisch stark und arbeitet sehr gut gegen den Ball, steht also defensiv sehr gut. Das ist eine ideale Kombination, die erstaunlich ist, denn der BVB hat eine sehr junge Mannschaft. Deshalb glaube ich, dass man nicht nur in dieser Saison sehr viel vom Team erwarten kann.

Auch in Mainz oder in der Nationalmannschaft kommen viele junge Spieler zum Zuge. Sind die Jugendspieler heute besser als früher?

Ja, natürlich. Es hat sich seit meiner Zeit viel geändert. Im Jugendbereich ist alles professioneller geworden. Das fängt bei den besser ausgebildeten Trainern an und hört bei den ausgearbeiteten Trainingseinheiten bei den 15-Jährigen auf.

Der Jugendfußball wird also mehr gefördert.

Genau. Es kommt aber immer auch auf die Umstände des Vereins an. Die Fragen sind: Wie geht es dem Klub finanziell? Kann er sich teure Neueinkäufe leisten? Wichtig ist natürlich auch der Trainer. Jürgen Klopp oder etwa auch Thomas Tuchel sind zwei Trainer, die auf junge Talente stehen und auf sie bauen.

Der HSV steht finanziell gut da. Ist es dann schwieriger für junge Spieler sich zu etablieren?

Ich würde es in Dortmund nicht nur an der finanziellen Situation festmachen. Dort gibt es einen Trainer mit einer bestimmten Idee. Das spiegelt sich in der Mannschaft wider. Beim HSV ist die Situation schwieriger. Hier ist ein anderes Umfeld durch die Presse und den Druck der Zuschauer gegeben. Es ist also nicht so einfach, junge Talente einzubauen. Ich hoffe und glaube aber, dass wir beim HSV in den nächsten Jahren mehr Jugendspieler ins Profiteam integrieren können.

Ist es schwer für Sie, Armin Veh von Ihren Spielern zu überzeugen?

Nein, die Zusammenarbeit läuft gut. In der Vorbereitung waren vier A-Jugendliche im Trainingslager der Profis. Aktuell stehen mit Heung-Min Son, Muhamed Besic und Lennard Sowah drei Spieler, die noch bei der A-Jugend spielen könnten, im Profikader.

Es schaffen aber nicht alle Spieler den Sprung ins Profiteam.

Natürlich nicht. In Deutschland gibt es sehr viele Fußballer. Bei 18 Bundesligamannschaften kann man sich sehr schnell ausrechnen, dass die Chance auf einen Platz im Profiteam sehr gering ist. Zudem rücken jedes Jahr neue Talente nach.

Das ist das harte Los eines Jugendspielers.

Wenn es einer nicht schafft, sagen wir ihm das persönlich. Es ist natürlich schwer, eine Absage zu erteilen. Wir versuchen aber immer, den Spielern etwas mit auf Ihren weiteren Lebensweg zu geben und unsere Kontakte zu anderen Vereinen spielen zu lassen, damit der Junge irgendwo unterkommt. Wenn klar ist, dass es bei einem Spieler sportlich nicht weiter geht, versuchen wir ihn durch die Kontakte zu unseren Sponsoren beruflich weiter zu bringen.

Thomas Tuchel hat es vorgemacht, wie aus einem Jugendtrainer ein Bundesligatrainer werden kann. Wie geht es bei Ihnen weiter?

Es gibt keine konkreten Pläne. Mir macht mein Job Spaß. Wenngleich ich natürlich gerne mal eine Herrenmannschaft trainieren möchte, könnte ich mir auch gut vorstellen, die nächsten 30 oder 40 Jahre Jugendtrainer zu bleiben.

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