Ottmar Hitzfeld über Bastian Schweinsteiger

»Ruf dein Können ab!«

In unserer neuen Ausgabe zeichnen wir den Weg vom jungen Bastian Schweinsteiger zum wichtigsten deutschen Spieler nach. Dafür sprachen wir mit Ottmar Hitzfeld über seinen erstes Spiel im FCB-Dress und Abgebrühtheit. Ottmar Hitzfeld über Bastian Schweinsteiger
Heft#106 09/2010
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Ottmar Hitzfeld, erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Ihnen Bastian Schweinsteiger das erste Mal auffiel?

Das war während des Endspiels der A-Jugend des FC Bayern München 2002. Seine Technik, seine Ballsicherheit, seine Spielintelligenz waren frappant.

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Wer war bei Bayern besonders für seine Entwicklung verantwortlich?

Jeder Trainer hat seinen Anteil daran, dass sich Bastian Schweinsteiger sehr gut hat entwickeln können, den grössten würde ich jenem zuschreiben, der diesen jungen talentierten Spieler entdeckt und zum FC Bayern gebracht hat.

Konnte man schon in jungen Jahren erkennen, dass er das Zeug hat, ein Großer zu werden?

Auf jeden Fall, er war schon in frühen Jahren ausserordentlich abgeklärt, ja fast schon abgebrüht.

Wie reagierte die Mannschaft auf seine rasante Entwicklung? Gab es Neider?

Beim FC Bayern München ist jeder junge Spieler willkommen. Von Arroganz oder Zurückhaltung älterer Profis keine Spur, aber dann hängt es in erster Linie vom Spieler ab, wie die Integration vonstatten geht. Bei Schweinsteiger kann ich nur festhalten: Er hat sich absolut problemlos integriert. Er machte damals auch mit mannschaftsdienlichen Leistungen auf sich aufmerksam.

Die Auslese beim FC Bayern ist extremer als bei jedem anderen Bundesliga-Klub. Stand Schweinsteiger aufgrund bestimmter Fähigkeiten bei Ihnen von vornherein unter besonderer Beobachtung?

Zu den vorher bereits erwähnten Qualitäten wie Technik, Passgenauigkeit hatte Schweinsteiger andere Eigenschaften, die ich als Trainer sehr schätzte: Übersicht und vor allem einen fussballerischen Instinkt.

Wissen Sie noch, was Sie zu ihm sagten, als Sie ihn am 13. November 2002 in Lens für Mehmet Scholl ins Spiel brachten?


Was ich immer sage, wenn ich einen jungen Spieler bringe: Ruf dein Können ab; zeig, was du kannst und konzentrier dich darauf; einfach spielen, denn Fussball ist ja ein einfaches Spiel.

Wie nannten Sie ihn im Training? Basti oder Schweini?

Bastian.

Im Verbund mit Lukas Podolski wurde er 2006 sowas wie der Gute-Laune-Bär der Nation. Später kamen einige Eskapaden mit Spielerberatern. Uli Hoeneß sagte: »Man hat ihm wohl zuviel Zucker in den Hintern geblasen.« Als Sie ihn 2007 wiedertrafen – wie hatte er sich verändert?


2007 begegnete er mir, wie ich das erwartet hatte: Er hatte sich kontinuierlich weiter entwickelt, Höhen und Tiefs durchlebt, Erfahrungen gesammelt. Mit einem Wort: Er war reifer geworden, aber er hatte seine positive Ausstrahlung konserviert.

Wird ihm dieses Spaßimage von 2006 aus Ihrer Perspektive gerecht?

Ich kenne Schweinsteiger eher als ruhigen und ausgeglichenen Menschen, nicht als Spaßvogel oder Ulknudel.

Das wichtigste Spiel, das er für Sie als Trainer gemacht hat?


Ein einziges Spiel zu nennen ist unmöglich, er hat so viele gute Partien für den FC Bayern München gemacht und immer wieder andere Qualitäten ins Spiel und für den Erfolg der Mannschaft eingebracht.

Nach der WM 2010 gilt er als der wertvollste deutsche Spieler: Kann ein Trainer wie Sie absehen, was für Schweinsteiger in den nächsten Jahren noch möglich ist?


Er spielt ja bereits in Weltklasse-Teams, sowohl auf Vereinsebene wie in Bezug auf die Nationalmannschaft. Natürlich kann er noch ins Ausland wechseln zu einem so genannten grossen Klub, aber der FC Bayern München ist nach wie vor und auf Jahre eine der besten Vereinsadressen der Welt. Schweinsteiger und die Bayern, ich glaube, da wissen beide Parteien, was sie voneinander haben.

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