Oliver Fritsch über den Prozeß um »Hartplatzhelden«

»Mehr als bedenklich«

Das Internetportal »Hartplatzhelden« steht vor dem Aus. Das Oberlandesgericht Stuttgart gab auch in zweiter Instanz einer Unterlassungsklage statt. Wir sprechen mit Oliver Fritsch, über Amateurfußball und die Folgen des Urteils. Oliver Fritsch über den Prozeß um »Hartplatzhelden«imago

Oliver Fritsch, worum geht es bei »Hartplatzhelden« genau?

Hartplatzhelden bietet Amateur- und Jugendfußballern die Möglichkeit, ihre schönsten und lustigsten Szenen vom Wochenende einem großen Publikum zu präsentieren. Jeder kann ein Video aufnehmen, es zurecht schneiden und bei uns hochladen. So entsteht eine Plattform mit kuriosen Szenen und schönen Toren aus der Welt des Amateurfußballs.

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Haben Sie, als Sie die Idee von »Hartplatzhelden« umgesetzt haben, damit gerechnet, dass Sie sich einmal vor Gericht verantworten müssen?


Bestimmt nicht in dieser Form. Naiv wie ich war, bin ich davon ausgegangen, dass wir mit großer Zustimmung seitens der Verbände rechnen können. Wir geben dem Amateurfußball im Grunde genommen nur eine schöne Plattform. Diese Einschätzung bestätigen paradoxerweise auch alle unsere juristischen Gegner. Jeder ist sich darüber einig, dass unsere Plattform dem Amateurfußball gut tut.

In welcher Form tut »Hartplatzhelden« dem Amateurfußball gut?

Wenn man überregional etwas über den Amateurfußball liest, dann sind diese Nachrichten vornehmlich negativ belastet. Oft geht es da um Rassismus oder Gewalt. Wir wollten das Augenmerk aber auf die schönen Seiten des Sports legen, die immer noch bei weitem überwiegen. Die breite Zustimmung seitens der Amateurfußballer hat unsere Idee Recht gegeben.

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat jetzt auch in zweiter Instanz der Unterlassungsklage des Württembergischen Fußballverbandes stattgegeben. Mit welchem Vorwurf wurden Sie eigentlich konkret  konfrontiert?

Uns wird unlauterer Wettbewerb vorgeworfen. Der Verband sagt, dass wir an seinem Produkt partizipieren, ohne eine konkrete Gegenleistung zu erbringen.

Fortan dürfen Sie keine Videos aus dieser Region mehr auf Ihrer Portal zeigen. Welche Folgen hat das für die »Hartplatzhelden«?

Zeigen dürfen wir Videos aus Württemberg schon seit über einem Jahr nicht mehr. Das ist aber nur eine Folge. Wenn wir in die dritte Instanz gehen wollen, dann geht das an unsere Grenzen. Wir haben nur noch eine Chance und müssen innerhalb eines Monats Revision einlegen. Das Problem ist, dass wir die ersten beiden Instanzen noch selbst tragen konnten. Die dritte Instanz übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten. Wir sind von nun an auf Spenden angewiesen. Sollte das nicht klappen, können wir nicht in Revision gehen und müssen unsere Plattform dicht machen.

An Aufgeben ist also nicht zu denken.

Wir kämpfen für unser Recht. Aber uns sind nun weitestgehend die Hände gebunden. Wir können nichts anderes machen, als Spenden zu sammeln. Es gab bereits erste Hilfen, aber das reicht noch lange nicht.



Gibt es vielleicht auch Verbände, die sich mit Ihnen solidarisieren? Oder ist jetzt mit Klagen aus allen Regionen zu rechnen?

Es gibt weder Solidarisierungsbekundungen, noch ist mir bekannt, dass jetzt auch andere gegen uns vor Gericht ziehen. Für uns ist nur eins klar: wenn wir nicht in Revision gehen können, dann kann es auch mit »Hartplatzhelden« nicht weitergehen. 

Ist das Urteil gegen »Hartplatzhelden« als ein Angriff auf den Amateurfußball zu bewerten?

Das Urteil untermauert den Herrschaftsanspruch des DFB. Der Verband ist der Meinung, dass ihm der Fußball gehört und eben nicht denjenigen, die ihn spielen oder dabei zu sehen. Das halte ich für fatal, denn der Amateurfußball ist Hobbyfußball. Bei uns geht es um die Kreisliga. Das darf nicht in den Händen der Verbände liegen, die sich doch sonst auch nur wenige Gedanken über die kleinen Verein machen. Erst legen sie, gegen den Willen der Vereine, einen amateurfeindlichen Bundesligaspieltag vor und jetzt melden sie Besitzansprüche am Sport an. Das ist mehr als bedenklich.

Welche Auswirkungen kann das Urteil außerdem haben?


Ich frage mich warum viele Lokalzeitungen immer noch die Füße still halten. Spätestens in fünf Jahren wird keine Zeitung mehr ohne Bewegtbilder aus dem Amateursport auskommen. Sollten wir den Prozess nicht gewinnen, bekommen die Verbände die Möglichkeit, Lizenzen für diese Bewegtbilder zu verlangen. Das könnte sehr teuer werden und damit automatisch einen wertvollen Berichterstattungsgegenstand vieler Zeitungen gefährden.

Sie haben mit Marco Bode, Günther Jauch, Marcel Reif und vielen anderen, immer wieder bekannte Juroren für »Hartplatzhelden« gewinnen können. Erfahren Sie Solidarität von dieser Seite?


Wir wollen diese Personen da raushalten. Wenn jemand der Meinung ist, er müsse sich mit uns solidarisieren, dann freuen wir uns natürlich. Aber wir möchten niemanden für unsere Idee instrumentalisieren. Ich weiß allerdings, dass der DFB in der Vergangenheit einigen Jurymitgliedern nahe gelegt hat, nicht bei uns mitzumachen.

Wie geht es jetzt weiter mit Ihnen und den »Hartplatzhelden«?


Wir können momentan nur abwarten. Ab dem Zeitpunkt, wo uns das Urteil des Oberlandesgerichtes vorliegt, haben wir vier Wochen, um Revision einzulegen. Das erhöht den Druck auf uns. Ich kann nicht abschätzen, ob wir überhaupt die Möglichkeit bekommen, den nächsten Schritt vor Gericht zu gehen. Wir müssen also auf fremde Hilfe hoffen. Das ist kein schönes Gefühl.

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