20.03.2009

Oliver Fritsch über den Prozeß um »Hartplatzhelden«

»Mehr als bedenklich«

Das Internetportal »Hartplatzhelden« steht vor dem Aus. Das Oberlandesgericht Stuttgart gab auch in zweiter Instanz einer Unterlassungsklage statt. Wir sprechen mit Oliver Fritsch, über Amateurfußball und die Folgen des Urteils.

Interview: Benni Kuhlhoff Bild: imago

Oliver Fritsch, worum geht es bei »Hartplatzhelden« genau?

Hartplatzhelden bietet Amateur- und Jugendfußballern die Möglichkeit, ihre schönsten und lustigsten Szenen vom Wochenende einem großen Publikum zu präsentieren. Jeder kann ein Video aufnehmen, es zurecht schneiden und bei uns hochladen. So entsteht eine Plattform mit kuriosen Szenen und schönen Toren aus der Welt des Amateurfußballs.



Haben Sie, als Sie die Idee von »Hartplatzhelden« umgesetzt haben, damit gerechnet, dass Sie sich einmal vor Gericht verantworten müssen?


Bestimmt nicht in dieser Form. Naiv wie ich war, bin ich davon ausgegangen, dass wir mit großer Zustimmung seitens der Verbände rechnen können. Wir geben dem Amateurfußball im Grunde genommen nur eine schöne Plattform. Diese Einschätzung bestätigen paradoxerweise auch alle unsere juristischen Gegner. Jeder ist sich darüber einig, dass unsere Plattform dem Amateurfußball gut tut.

In welcher Form tut »Hartplatzhelden« dem Amateurfußball gut?

Wenn man überregional etwas über den Amateurfußball liest, dann sind diese Nachrichten vornehmlich negativ belastet. Oft geht es da um Rassismus oder Gewalt. Wir wollten das Augenmerk aber auf die schönen Seiten des Sports legen, die immer noch bei weitem überwiegen. Die breite Zustimmung seitens der Amateurfußballer hat unsere Idee Recht gegeben.

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat jetzt auch in zweiter Instanz der Unterlassungsklage des Württembergischen Fußballverbandes stattgegeben. Mit welchem Vorwurf wurden Sie eigentlich konkret  konfrontiert?

Uns wird unlauterer Wettbewerb vorgeworfen. Der Verband sagt, dass wir an seinem Produkt partizipieren, ohne eine konkrete Gegenleistung zu erbringen.

Fortan dürfen Sie keine Videos aus dieser Region mehr auf Ihrer Portal zeigen. Welche Folgen hat das für die »Hartplatzhelden«?

Zeigen dürfen wir Videos aus Württemberg schon seit über einem Jahr nicht mehr. Das ist aber nur eine Folge. Wenn wir in die dritte Instanz gehen wollen, dann geht das an unsere Grenzen. Wir haben nur noch eine Chance und müssen innerhalb eines Monats Revision einlegen. Das Problem ist, dass wir die ersten beiden Instanzen noch selbst tragen konnten. Die dritte Instanz übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten. Wir sind von nun an auf Spenden angewiesen. Sollte das nicht klappen, können wir nicht in Revision gehen und müssen unsere Plattform dicht machen.

An Aufgeben ist also nicht zu denken.

Wir kämpfen für unser Recht. Aber uns sind nun weitestgehend die Hände gebunden. Wir können nichts anderes machen, als Spenden zu sammeln. Es gab bereits erste Hilfen, aber das reicht noch lange nicht.

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