06.12.2007

Oliver Fritsch im Interview

„Eine sehr deutsche Geschichte“

Tolle Sache: Mit dem Portal hartplatzhelden.de gibt Oliver Fritsch Amateurfußballern die Chance, Videos ihrer Spiele hochzuladen – eine Sportschau für dich und mich. Keine tolle Sache: Der Württembergische Verband will es ihm verbieten.

Interview: 11Freunde Bild: Privat
Herr Fritsch, wie geht Ihnen zur Zeit?

Gut. Ich fühle mich herausgefordert.

Sie sind Gründer des Internetportals hartplatzhelden.de. Beschreiben Sie zunächst einmal die Idee, die dahinter steht.

Wir wollen Kreisliga-Fußballern die Möglichkeit geben, sich im Internet mit Videos, Fotos und Texten so darzustellen, wie sie das wollen - eine Art Sportschau für den Amateurfußball, Hobbyfußball, Jugendfußball und Frauenfußball.



Wurden auch schon Videos aus der 1. oder 2. Bundesliga hochgeladen?


Wir haben in diesem Jahr dazu aufgefordert, Tore aus dem Frauenfußball hochzuladen, um das schönste zu prämieren. Eine Userin fragte mich dann, ob es auch erlaubt sei, Clips aus der Ersten oder Zweiten Bundesliga einzureichen, denn sie habe einige schöne mit ihrer Kamera gedreht. Doch die Juristen des DFB haben abgelehnt. Wenn also noch mal jemand über mangelnde Medienpräsenz des Frauenfußballs klagt, sollte man ihm diese Geschichte erzählen.

Gab es zu irgendeiner Zeit der Umsetzung Kontakt zum DFB oder einzelnen Landesverbänden?

Oliver Bierhoff saß in unserer Jury zur Wahl zum Tor des Jahres 2006. Der DFB hat uns also zunächst ideell unterstützt. Wir gingen ja auch davon aus, dass wir auch im Sinne der Verbände handeln, im Sinne des Fußballs. Der Amateurfußball schreibt ja meist schlechte Schlagzeilen: Gewalt, Rassismus, Ausschreitungen ... Ich habe zum "Launch" unserer Website übrigens alle Landesverbände angeschrieben und gefragt, ob sich nicht in irgendeiner Form eine Kooperation anbietet und ob sie ihre Mitglieder nicht darüber informieren wollen, dass es jetzt unser Angebot gibt.

Haben Sie Antworten erhalten?


Ja, vom Fußball-Landesverband Brandenburg. Dessen Logo ist seitdem auf unserer Website.

Als Sie sich konkret mit dieser Idee beschäftigten, inwiefern spielten rechtliche Fragen eine Rolle?

Unsere Sorge galt eher Bild- und Persönlichkeitsrechten. Wenn es zum Beispiel ein Video von jemandem gibt, der nicht gezeigt werden will, nehmen wir das Video natürlich runter - unabhängig davon, ob wir das müssen oder nicht. Das ist für uns zuerst eine Stil- und dann eine Rechtsfrage. Diesen Fall hat es allerdings bis heute nicht gegeben.

Jetzt wurden Sie vom Württembergischen Fußballverband verklagt. Konnten Sie damit rechnen, dass irgendjemand etwas gegen Ihre Plattform haben würde?

Nein, das ist gegen jede Intuition. Wir glauben aber fest daran, dass wir den Prozess gewinnen und auch rechtlich gute Argumente haben. Die Rechtsauffassung des Verbands halten wir für nicht stark genug.

Wie lautet genau die Anschuldigung?


Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht, also unlauterer Wettbewerb.

Können Sie die Anschuldigungen nachvollziehen?

Nein, ich kann keine Wettbewerbssituation erkennen. Wie das der Richter sieht, ist natürlich die andere Frage.

Gibt es ein ähnliches Angebot wie hartplatzmelden.de auch vom DFB?


Es gibt den Ergebnisdienst fussball.de vom DFB und t-online, die haben eine gut vermarktete Community, allerdings nur mit Fotos, ohne Videos. Ich weiß nicht, was die vorhaben.

Ist dieses Format denn in irgendeiner Weise von Ihnen geschützt?


Ideen lassen sich nicht schützen, sonst hätten wir das getan. Das ist aus unserer Sicht ja genau das Ärgernis: Wir haben die Idee gehabt und sie umgesetzt, und jetzt kommt jemand und will sie uns wegnehmen. Wir waren aber zuerst da.

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