11.05.2010

Oliver Bierhoff über sein Image und die WM

»Ich polarisierte schon früher«

In einem Monat beginnt die Fußball-WM in Südafrika. Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, spricht im Interview über die Ziele der Deutschen, sein Image und Widerstände im Verband.

Interview: Michael Rosentritt Bild: Imago
Glauben Sie, dass manche Kritik an Ihnen mit Ihrer Herkunft zu tun hat?

Worauf spielen Sie an?

Vielleicht darauf, dass Sie jahrelang als Fußballprofi nicht so viel Geld verdient haben wie Ihr Vater, der Konzernvorstand war.

Ich glaube, irgendwann hört man auf, sich darüber Gedanken zu machen, woher so etwas rühren kann. Leute werden häufig in eine Schublade gesteckt, wenn man sie nicht richtig kennt. Das mit meinem Vater hat dann sicherlich noch mal nachgeholfen bei der Meinungsbildung über mich. Ich habe das nie verstanden.

Was haben Sie nie verstanden?

Ganz früher hieß es zum Beispiel: Der ist zu gut erzogen. Was soll das sein, zu gut erzogen? Wenn du es nicht bist, dann bist du frech. Eines ist klar, das hat mir mal mein Vater erzählt: Ich habe schon in der Jugend polarisiert. Es gab viele, die haben mich gar nicht gemocht. Und andere, die fanden mich gut. Ich kann das sogar verstehen, dass jemand, der mich nicht kennt und sich ein Bild über mich aus der Distanz machen muss, vielleicht keine Sympathien für mich entwickelt.

Rührt der Argwohn daher, dass Sie nicht diesem Blut-Schweiß-und-Tränen-Milieu des Fußballs entstammen?

Ich habe auch geschwitzt, Tränen verdrückt und einige Dinge anders gemacht. Ich habe nicht als Schüler gesagt, ich gehe nicht zur Schule, weil ich eh Fußballprofi werde. Ich habe gesagt, ich gehe studieren, und nebenher kicke ich vielleicht ein bisschen, wenn ich Glück habe, vielleicht in der Oberliga. Es war immer mein Ziel und mein Wunsch zu studieren. Dann geht es für mich als Fußballprofi relativ schnell hoch, aber ich steige auch schnell wieder ab und gehe dann in die Provinz nach Italien, in ein Land, in das andere als Nationalspieler als Vorzeigeprofis hingehen. Und erst über die Provinz werde ich Nationalspieler. Also alles andersherum, mit 27. Außerdem mache ich das Studium zu Ende. Ich war eben nie bereit zu sagen: Fußball ist alles. Es ist nicht alles.

Ist es eine Neiddiskussion? Schließlich ist Ihr Weg ein einziger Erfolg.

Es wird halt immer nur was Bestimmtes vorgeholt. Dass ich aber in Ascoli Morddrohungen erhalten hatte, dass ich nach Österreich gegangen bin als Absteiger des Jahres und dass ich in Deutschland die Nullnummer war, als Nationalspieler belächelt wurde, dass ich gegen all diese Widerstände angegangen bin, das sieht man dann nicht.

Also wollen Sie doch gemocht werden?

Natürlich freut man sich, wenn man Anerkennung erfährt. Wenn das, was man macht, gern gesehen wird. Aber es ist nicht meine Maxime, dass ich von allen gemocht werde. Zumal ich selber Probleme bekommen würde, wenn ich die Sache nicht in dem Sinne, wie ich sie für richtig halte, weiter vorantreiben könnte. Für mich ist wichtiger, dass ich mir gegenüber stringent und klar handele. Mir ist aber natürlich auch klar, dass man im Beruf manchmal nur Dinge umsetzen kann, wenn man gewisse Sympathien hat.

Die Nationalelf hat wieder ein gutes Image, sie steht für Erfolg und Moderne. Das wird nicht Ihnen zugeschrieben, sondern anderen. Wie nehmen Sie das wahr?

Mich ärgert daran nur die oberflächliche Betrachtungsweise, wenn man darüber diskutiert, wie der Erfolg zustande kommt. Jeder, der in diesem Geschäft ist, muss erkennen, dass harte Arbeit dahintersteckt, dass da viele kleine Mosaiksteinchen zusammenpassen müssen. Ich denke aber, und das hat man an der ursprünglich vom DFB gewollten Vertragsverlängerung gesehen, dass man mit meiner Tätigkeit zufrieden ist.

Warum plötzlich so bescheiden?

Das war ich immer. Aber das ist hier nicht das Thema. Entscheidend ist vielmehr in meinem Job, dass ich es positiv finde, wenn jetzt gar nicht mehr darüber diskutiert wird, ob die Funktion des Nationalmannschafts-Managers wirklich nötig ist …

…die extra für Sie geschaffen wurde, weil Jürgen Klinsmann es so wollte…

...und jetzt wollen diese Entwicklung auch andere Nationalverbände nachholen: die Tschechen, die Schweden, die Franzosen. Was hat man mir den Event-Charakter der Nationalmannschaft vorgeworfen. Andererseits wird immer wieder verlangt, dass wir mehr machen müssen für die Fans. Ja, was jetzt? Mehr für die Fans? Dann ist es aber auch ein Event! Natürlich bin ich der, der mal ein bisschen außerhalb der Box denkt, der ein wenig provoziert, aber dadurch wird etwas bewegt. Was wiederum zur Folge hat, dass man gelegentlich auch mal auf die Nase fällt. Wenn ich im Nachhinein die sechs Jahre sehe, dann stimmen die Ergebnisse: Platz drei bei der WM, Platz zwei bei der EM, zwei souveräne Qualifikationen, ständige personelle Erneuerung der Mannschaft, ein durchgehender roter Faden. Oder nehmen Sie die wirtschaftlichen Erfolge. Wir haben unsere Sponsoring-Einnahmen vervielfacht, allein durch den Adidas-Deal. Wir haben die Fernsehverträge verlängert, die Stadien waren fast immer ausverkauft, wir haben neue Sponsoren für die Nationalmannschaft gewonnen.

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