11.05.2010

Oliver Bierhoff über sein Image und die WM

»Ich polarisierte schon früher«

In einem Monat beginnt die Fußball-WM in Südafrika. Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, spricht im Interview über die Ziele der Deutschen, sein Image und Widerstände im Verband.

Interview: Michael Rosentritt Bild: Imago
Oliver Bierhoff, Deutschland soll den vierten Stern holen, also Weltmeister werden. Wer ist denn auf die Idee gekommen?

Unser Generalsponsor, aber hoffen wir das nicht alle? Wir wissen, dass das hoch gegriffen ist. Es ist jedoch das große Ziel unserer Fans, das wir 2006 knapp verpasst haben. Und wenn man als deutsche Nationalmannschaft in ein solches Turnier geht, muss man immer das Ziel haben, den Titel zu gewinnen. Wohl wissend, dass es andere starke Mannschaften gibt, vielleicht sogar stärkere.



Zählt denn nur der Titel?

Das ist doch für uns alle ein großer Traum. Es ist aber auch wichtig, als Mannschaft gut aufzutreten. Obwohl wir 2006 nicht den Stern geholt haben, haben wir als Team Sympathien gewonnen, weil wir attraktiven Fußball gespielt und immer alles gegeben haben. Das ist auch die Basis für Südafrika.

Die Ausgangslage ist dafür nicht die beste. Einige Leistungsträger suchen ihre Form. Das erinnert ein bisschen an 2006.


Wir werden uns nicht darauf verlassen, dass etwas, was einmal funktioniert hat, immer funktioniert. Andererseits wissen wir, dass Fußball Emotionen weckt. Verglichen mit 2006, ist es ja noch ruhig. Allerdings hat es sich damals sehr auf die Person Jürgen Klinsmann fokussiert, denn auf ihn wurden die sportlichen Probleme der Mannschaft zurückgeführt.

Bundestrainer Joachim Löw hat nun erklärt, dass er mit allen sechs Stürmern zur WM fahren will. Die Öffentlichkeit wird spekulieren, wer zu Hause bleiben muss.


Wir müssen für uns versuchen, die Ruhe zu bewahren. Spekulationen im Umfeld wird es immer geben, aber die dürfen uns nicht beeindrucken oder gar stören. Die Trainer lassen sich nicht von außen treiben – das hat sich jetzt bei Kevin Kuranyi gezeigt. Die Mannschaft trifft sich an diesem Mittwoch. Von da an werden wir konsequent und konzentriert arbeiten. Die vergangenen Turniere haben gezeigt: Wir können viel erreichen, wenn wir die Spieler längere Zeit zusammenhaben.

Sie sprechen das anstehende Trainingslager an. Was soll dort genau passieren?


Wir wollen die Zeit in Südtirol extrem gut nutzen, weil dort die Mannschaft komplett ist und wir uns ein paar Tage intensiv auf die WM vorbereiten können. Das wird entscheidend sein. Dann werden wir es auch wieder schaffen, Spieler aufzubauen und ranzubringen, die im Laufe der Saison vielleicht nicht den Erfolg hatten.

Sie sagten, die Emotionen gehörten eben zum Fußball dazu. Das haben gerade Sie zu spüren bekommen rund um die geplatzte Vertragsverlängerung für die sportliche Leitung um Bundestrainer Löw. Haben Sie die Emotionen unterschätzt?

Dass es um meine Person immer Emotionen gibt, daran bin ich gewöhnt, das war in der Vergangenheit häufig so.

Offenbar besitzen Sie für einige einen hohen Nervfaktor.

Ich stelle bei mir immer wieder fest, dass man häufig von der sachlichen Ebene weggeht und auf die emotionale Schiene driftet. Weil ich auf der sachlichen Ebene eben eine klare und manchmal auch unpopuläre Position vertrete.

Wie kommen Sie darauf?

Als ich den Job 2004 angefangen habe, galt ich in der öffentlichen Wahrnehmung als Diplomat schlechthin. Heute sage ich auch mal mit deutlichen Worten meine Meinung, aber ich bin davon überzeugt, zumal wir im Team der sportlichen Leitung einen regen Austausch haben und gemeinsam die Linie festlegen. Früher hieß es erst, du bist zu glatt, du hast keine Kanten, nun heißt es, der rempelt zu viel. Ich denke, auf der einen Seite sagt man vielleicht: Der Bierhoff steht für Geld, für Verträge wie den möglichen Nike-Deal...

…der dem Verband 50 Millionen Euro mehr hätte einbringen sollen…

…ja, dieses Angebot an den DFB wurde mir negativ angehaftet. Auf der anderen Seite lobt man Uli Hoeneß für den großen Audi-Deal des FC Bayern, den er ja auch nicht dafür bekommen hat, dass er dem Herrn Winterkorn mal lieb in die Augen geschaut hat – sondern weil er dafür die Grundlagen schafft, damit so ein Angebot kommt.

Sie rempeln ja schon wieder.

Nein. Nur gehe ich gelegentlich bewusst gegen bestimmte Denkweisen an, um aufzuwecken, um ein bisschen Bewegung reinzubringen. Letztlich versuche ich nur, im Sinne der Nationalmannschaft klar Position zu beziehen.

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