25.08.2008

Olaf Thon im Interview

»Wir haben bessere Karten«

Vor dem Spiel gegen Atlético Madrid sprachen wir mit Olaf Thon über die Nervosität vor Endspielen, die neue Handschrift von Fred Rutten und die Unbeschwertheit von Benedikt Höwedes.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Olaf Thon im Interview
Olaf Thon, was stimmt Sie zuversichtlich für heute Abend?

Das Spiel gegen Werder Bremen. Wir haben unglaublich gekämpft und sind zu keinem Zeitpunkt eingebrochen. Die Mannschaft hat nach dem Rückstand immer weiter an sich geglaubt. Vor allem vor dem Hintergrund der Tatsache, dass wir momentan sehr viele Verletzte haben, war das eine beachtliche Leistung. Daher bin ich sehr optimistisch, dass wir heute Abend weiterkommen.



Woher rührt die momentane Stabilität der Schalker Mannschaft?


Wir stehen in der Defensive sehr kompakt. Für viele ist es überraschend, dass Schober solch eine Ruhe ausstrahlt und so phänomenal hält. Für mich ist das allerdings keine große Überraschung. Schober war schon immer ein großartiger Torwart. In der jetzigen Phase übertragt sich seine Leistung auch auf die Abwehr, die weiß einen Klassemann hinter sich zu haben. Zudem hat Marcelo Bordon mit Benedikt Höwedes einen zuverlässigen Partner.

Der Klub hat den »Olympia-Rebell« Rafinha begnadigt. Der Brasilianer steht heute Abend im Kader. War das die richtige Entscheidung?

Auf jeden Fall. Zumal Rafinha weiß, dass er einiges gutzumachen hat. Er wird nun versuchen, positiv aufzufallen, um sich wieder in die Mannschaft zu spielen, um jegliche Diskussion im Keim zu ersticken. Wir werden, da bin ich mir sicher, in den nächsten Wochen viel Freude an ihm haben.
 
Über dem heutigen Spiel hängt nicht nur der Banner »Spiel des Jahres«, sondern auch der Betrag von 15 Millionen Euro, der bei einer erfolgreichen Qualifikation zusätzlich in die Vereinskassen gespült würde. Motivation für die Spieler dürfte indes allein der sportliche Aspekt sein.


Ich denke auch. Gerade durch die Erfahrungen in der letzten Saison, in der wir gegen Barcelona, Chelsea oder Porto spielen durften, sind die meisten Spieler extrem motiviert, heute Abend weiterzukommen. Der UEFA-Cup wäre schon eine kleine Enttäuschung. Nicht ohne Grund hat Karl-Heinz Rummenigge mal gesagt: »Der UEFA-Cup ist der Cup der Verlierer.«

Obgleich Schalke die größten Erfolge im UEFA-Cup gefeiert hat.


Ja. Sowieso hinkt diese These ein wenig, Schalke 04 war immer froh im UEFA-Cup zu spielen. Doch das Nonplusultra ist eben die Chapions League, dafür spielt ein Profi Fußball. Und wenn man schon vor der Tür steht, möchte man auch hineingehen. Dabei zählt allein der sportliche Reiz, das Prestige, nicht das Geld. Das verdienen die Spieler eh. Ein Rafinha, ein Jones oder ein Kuranyi können sich durch die Champions Leage aber noch viel mehr in den Fokus der Nationaltrainer spielen, sie stehen viel stärker im Licht der internationalen Öffentlichkeit.

Überraschte Sie die Unbeschwertheit des 20-jährigen Benedikt Höwedes im Hinspiel? Atléticos Diego Forlan verurteilte er fast zur Wirkungslosigkeit. Gegen Hannover spielte Höwedes ebenfalls stark.

Alle wussten, was Höwedes kann. Sogar Mladen Krstajic, sein direkter Konkurrent um die Position in der Innenverteidigung, sagte: »Wenn der nicht Nationalspieler wird, wäre ich sehr überrascht.« Allerdings spielt dieses Mal Sergio Agüero im Sturm von Atlético. Der war im Hinspiel gar nicht dabei und ist wohl noch eine Nummer stärker anzusiedeln als Forlan. Ich kann nur sagen: Vorsicht vor Agüero!

Was passiert, wenn Krstajic ins Team zurückkehrt?

Höwedes passt als Rechtsfuß natürlich ideal zum Linksfuß Marcelo Bordon. Doch ich möchte nicht darüber spekulieren, wie sich Rutten nach der Rückkehr von Krstajic entscheidet. Letztlich ist diese Situation nicht negativ zu bewerten, denn wie heißt es so schön: Konkerrenz belebt das Geschäft.

Erkennen Sie eigentlich bereits eine Handschrift von Fred Rutten?


Nach drei, vier Pflichtspielen von einer Handschrift zu sprechen, wäre verfrüht. Man hat allerdings schon gesehen, dass ein neuer Schliff, ein neuer Zug im Spiel ist. Wir spielen druckvoll nach vorne, doch nicht kopflos. Etwa beim Pokalspiel, beim ersten Heimspiel, und auch in Bremen, wo wir trotz des Rückstandes den Kopf nicht hängen ließen. Ich denke, diese positive Einstellung geht auf Rutten zurück.

Fred Rutten sagte: »Uns erwartet in Madrid die Hölle«. Nimmt ein Spieler diese Hölle eigentlich noch wahr, wenn das Spiel läuft?

Teilweise schon. Doch diesen Hexenkessel, den Fred Rutten meinte, kennen wir aus der Bundesliga eh zu genüge. Und zumeist ziehen die Spieler Positives aus der Situation. Eigentlich sollte eine solche Atmosphäre, wie wir sie heute Abend in Madrid erleben werden, für die Spieler stimulierend wirken, um eine noch bessere Leistung abzurufen. Zudem sind ja auch zahlreiche Schalker vor Ort.

Wie haben Sie sich damals auf solch wichtige Spiele vorbereitet?

Am liebsten hätte ich lange ausgeschlafen, bei Huub Stevens war das aber leider nicht möglich. Wenn wir um 20:45 Uhr gespielt haben – in Spanien ja oft auch später – habe ich morgens gerne noch trainiert, um ein bisschen anzuschwitzen. Dann habe ich noch ein kleines Mittagsschläfchen eingelegt.

Erinnern Sie sich an den Abend vor dem UEFA-Cup-Rückspiel in Mailand 1997?

Ich war ein bisschen angespannt, ganz klar. Aber eine kleine Nervosität war vor solchen Endspielen immer da. Und die ist gut, die motiviert zusätzlich. Gewissermaßen ist das heute Abend ja auch ein Endspiel – das erste Endspiel dieser Saison. Und wir haben eine gute Ausgangslage, wir haben die besseren Karten.

Wird es weitere Neuzugänge geben, wenn sich Schalke für die Champions League qualifiziert?

Wir haben so viele Spieler, die noch auskurieren. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich sagen, dass wir keine neuen Spieler verpflichten. Aber warten wir mal ab. Denn gute Spieler kann man natürlich immer gebrauchen.

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