Olaf Thon im Interview

„Antworten auf der Homepage“

Als Spieler erfand Olaf Thon den Satz: „Da müssen Sie den Trainer fragen.“ Und auch als Aufsichtsratsmitglied des FC Schalke 04 weiß er, wie man nichts sagt, ohne zu schweigen. Ein Lehrstück der Fußballdiplomatie. Imago

O-Töne aus Schalke sind momentan Mangelware. Herr Thon, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Der Presseboykott, auf den Sie anspielen, gilt ja nur für die Mannschaft und nicht für den gesamten Verein.

Was halten Sie von dem selbst auferlegten Maulkorb?

Es ist eine verständliche Antwort auf die ungerechte Behandlung seitens der Presse. Einen genauen Überblick habe ich zwar nicht, hoffe aber, dass der Boykott bald ad acta gelegt wird. Besser wäre es, unseren Manager, Andreas Müller, zu fragen. Er ist für das operative Geschäft zuständig, ich hingegen übe Kontroll- und Beraterfunktionen aus.

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Anderes Thema also. Was verspricht sich Schalke von dem Deal mit Gazprom?

Wir haben nach einem potenten Werbepartner Ausschau gehalten, mit dem wir in die Bereiche des FC Bayern verstoßen können – und den haben wir nun gefunden. Gazprom wollte auf dem deutschen Markt tätig und bekannt werden. Als Arbeiterverein entsprach Schalke dem gewünschten Anforderungsprofil am besten.

Das Image des russischen Ölmultis ist alles andere als vorbildlich.

Hier wiederum empfehle ich Ihnen, mit dem Geschäftsführer Peter Peters zu sprechen. Er hat alle notwendigen Informationen eingeholt und die entscheidenden Gespräche geführt. Seine Ergebnisse haben den Vorstand letztlich dazu bewogen, das Einverständnis für den Deal zu erteilen.

Wie empfanden Sie das Medienecho auf den Vertragsabschluss – alles nur Panikmache?

Diese Fragen wurden alle schon beantwortet und sind auf unserer Homepage abrufbar. Ich kann wirklich nur sagen: Wir sind mit unseren Werbepartner zufrieden und hoffen den notwendigen Spagat zwischen Kommerz und Tradition zu meistern. Für weitere Auskünfte steht Ihnen unser Pressesprecher Bernd Voss bestimmt gerne zu Verfügung.

Und wenn wir Sie um eine persönliche Einschätzung bitte? Etwa zum Fanprotest.

(lacht) Wir haben alle nachvollziehen können, warum die Fans verärgert waren und haben auch darüber nachgedacht, mit welchen Aktionen das Verhältnis wieder zurechtgerückt werden kann. Der Bezug zur Basis ist uns sehr wichtig und darf nicht verloren gehen – die Fans sind auf Schalke das allerhöchste Gut. Die Spieler sollen für sie greifbar sein und, sooft es geht, öffentlich trainieren. Eine erste Maßnahme betrifft die Ankunft der Mannschaft im Stadion: Der Anfahrtsweg führt jetzt mitten durch die Menge.

Hat der momentane Erfolg dazu beigetragen, die Wogen zu glätten?

Es ist tatsächlich so, dass Erfolg vieles überdecken kann – aber nicht dauerhaft. Deshalb gehen wir den Problemen auf den Grund.

Mirko Slomka ist nicht zu beneiden. Der Druck...

...ist doch normal, das ist eine Herausforderung, die schöner nicht sein kann. Er ist Trainer auf Schalke – was meinen Sie, wie viele Fußballlehrer gerne mit ihm tauschen würden! Wie schön muss es für ihn sein, allen Startschwierigkeiten zum Trotz oben mitzuspielen!

Klingt, als könnten Sie es kaum erwarten, Ihre eigene Trainerkarriere zu starten.

Ich möchte mich schon bald als Trainer versuchen. Mein Name wird gehandelt, ich halte meine Augen offen, vielleicht klappt es schon Anfang 2007.

Wo wollen Sie einsteigen?

Da, wo man nach drei Niederlagen nicht sofort entlassen wird. Doch leider hat sich diese Praxis bis runter in die Oberliga etabliert. Wenn ich wählen könnte: Ein Regionalligist in Nordrhein-Westfalen.

Beim nächsten Gespräch werden wir Sie hoffentlich über Ihre ersten Erfahrungen als Trainer ausfragen.

Klar, warum nicht – dann kann ich auch deutlicher werden. (lacht)

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