Olaf Bodden zieht Bilanz
»Nach dem Tod ist es wurscht«
Olaf Bodden war ein Mann wie ein Baum. Doch vor elf Jahren fällte ihn das Pfeiffersche Drüsenfieber. »Das Schlimmste an der Krankheit ist, dass dich keiner versteht«, sagt er. Wir haben einen neuen Versuch unternommen.
Dann bleiben wir bei Gedankenspielen: Trainer oder Kommentator?
Trainer wäre ich schon gerne, aber auch Kommentator hört sich spannend an. Ist natürlich auch immer die Frage, ob man talentiert genug ist, für diesen oder jenen Job. Nur weil man mal Bundesliga-Profi war, heißt es ja nicht, dass man gleich ein guter Trainer ist. Da müsste man Erfahrungen sammeln, den Trainerschein machen und die erste Station ausprobieren. Ob ich gut genug bin, auf der Trainerbank zu sitzen, kann ich jetzt nicht sagen. Klar, ich würde es gerne machen. Fußballprofi will aber auch jedes Kind werden, doch manchmal ist man eben nicht gut genug.
Welche Eigenschaften sollte man denn als Trainer besitzen, um den Job gut zu machen?
Bei jedem, der auf einer Trainerbank in der Bundesliga sitzt, setze ich voraus, dass er ein sehr gutes Fußball-Wissen besitzt. Heutzutage muss man aber auch ein guter Psychologe sein, vor allem bei den jungen Spielern. Ganz wichtig ist es allerdings einen gewissen Teamgeist in die Mannschaft zu bringen, Begeisterung für den Fußball. Ein guter Trainer muss es schaffen, mit allen verschiedenen Charakteren, die es in einer Mannschaft gibt, gut klar zu kommen. Das alles zu vereinbaren ist sicherlich nicht ganz einfach.
Welcher Trainertyp ist denn dann der Richtige: Der beruhigende Flüsterer oder der Lautsprecher?
Ich glaube, dass man beides sein muss. Beides zum jeweils richtigen Zeitpunkt. Der entsprechende Mittelweg ist dann der, der zum Erfolg führt.
Hat Werner Lorant die richtige Mischung repräsentieren können?
Nun ja, die psychologische Menschenführung war nicht so sein Ding. Aber zum damaligen Zeitpunkt hat er natürlich auch eine sehr willensstarke Mannschaft gehabt, die auch gar nicht auf Streicheleinheiten bedacht war. Uns konnte man quälen bis zum Gehtnichtmehr. Heute würde dieses Verhältnis wohl nicht mehr funktionieren, die Spieler werden auch anders behandelt. Da landen dann plötzlich welche in der Nationalmannschaft, die erst ein paar Bundesligaspiele absolviert haben.
Sie selbst standen ebenfalls kurz vor dem Sprung in die deutsche Auswahl.
So wie ich das damals mitbekommen habe, stand ich beim Berti Vogts schon im Notizbuch. Aber das ist ja alles in dem Zeitraum passiert, als ich krank geworden bin. Eineinhalb Jahre später habe ich meine Karriere beendet, und das alles war kein Thema mehr.
Können Sie das Gefühl beschreiben, auf dem absoluten Höhepunkt der Karriere so tief hinab zu stürzen?
Das war schon eine harte Diagnose, aber zu dem damaligen Zeitpunkt habe ich gedacht: Mein Gott, das dauert jetzt ein paar Wochen, dann bist Du wieder der Alte. Ich habe damals nicht die Weitsicht gehabt, dass ernsthaft meine Karriere in Gefahr sein könnte. Da hätte ich ja im Leben nicht mit gerechnet. Im Normalfall geht das Drüsenfieber auch nach spätestens einem halben Jahr wieder weg. Letztendlich habe ich das auch nie richtig auskuriert, das muss ich mir auch selbst ankreiden. Ich war auf dem Höhepunkt und wollte die Früchte ernten. Da will man natürlich nicht aussetzen. Das geschah aus Unwissenheit.
Unwissenheit auch bei den Ärzten?
Später, als auch Markus Babbel vom Drüsenfieber befallen war, wusste man damit umzugehen. Als ich krank wurde, konnte mir das keiner erklären.
1997 haben sie ihre Karriere mit 29 Jahren beenden müssen. Ohne Titel sind sie aber nicht gegangen: 1996 holte 1860 die Hallenmasters an die Isar.
Man muss dazu sagen, dass die Hallenmasters damals eine deutlich größere Bedeutung hatten, als die Hallenturniere heute, wo die Teams in der Winterpause eher nach Dubai oder woanders ausweichen, um Turnier zu spielen, die den Vereinen auch reichlich Geld garantieren.
Zählen die Erfolge von damals noch etwas?
Generell muss man sagen, dass die Vergangenheit abgeschlossen ist und man ohnehin nichts mehr ändern kann. Man kann sich zwar über die vergangenen Erfolge freuen, dankbar sein, dass man diese Karriere überhaupt hatte. Aber wert ist sie ja in diesem Sinne nicht mehr. Das Leben ist gegenwärtig. Die Vergangenheit kann dir zwar in gewisser Weise helfen, weil man zum Beispiel aus Fehlern lernt. Letztlich ist aber doch alles vergänglich. Wenn wir alle tot sind, ist es doch völlig wurscht, ob man zehnmal Meister war oder nicht.
Gibt es in der Gegenwart einen Akteur in der Bundesliga, der dem Spielertypen Olaf Bodden ähnlich ist?
Man muss mal schauen, wie sich Toni von den Bayern so entwickelt, der mir ja zumindest von der Statur her ähnlich ist. Ganz genau wird es ja sowieso nie so einen geben, wie mich.
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Unser Autor Alex Raack ist Betreiber des formschönen Blogs 3eckeneinelfer.de www.3eckeneinelfer.de .



