12.12.2009

Olaf Bodden zieht Bilanz

»Nach dem Tod ist es wurscht«

Olaf Bodden war ein Mann wie ein Baum. Doch vor elf Jahren fällte ihn das Pfeiffersche Drüsenfieber. »Das Schlimmste an der Krankheit ist, dass dich keiner versteht«, sagt er. Wir haben einen neuen Versuch unternommen.

Interview: Alex Raack Bild: imago
Sie haben mal gesagt: „Das Schlimmste an der Krankheit ist, dass dich keiner versteht.“ Passt die Aussage auch zu den Gerichtsentscheidungen?

Nein. Denn das, was da passiert ist, ist Korruption.

Korruption?

Unabhängig davon, ob das jetzt anerkannt ist oder nicht, geht es dabei vielmehr um Korruption, um Gelder und Bestechung. Mein Anwalt hat schon vor Jahren, vor allem was Köln angeht, wo meine Krankenkasse ihren Sitz hat, einiges aufgedeckt, was mit Rechtsprechung nichts zu tun hat. Es gibt viele andere Urteile - unter anderem vom Oberlandesgericht - die wir auch vorgelegt haben, in denen Patienten die Therapien bezahlt bekommen haben. Das hat alles nichts gebracht. Mein Anwalt hat mir für weitere Gänge zum Gericht schlechte Chancen vorhergesagt, also habe ich einem Vergleich zugestimmt. Wobei ich da das Glück hatte, als ehemaliger Fußball-Profi etwas mehr im Rampenlicht zu stehen. Sonst hätte ich noch nicht einmal einen Vergleich zugesprochen bekommen. Als Otto-Normal-Verbraucher hätte ich Köln sang- und klanglos verloren. Und das Schlimmste an der Sache ist, dass man es weiß, aber nicht beweisen kann.

Über die Jahre hinweg sollen sie mehrere hunderttausend Euro für alle möglichen Therapien gezahlt haben. Darunter Voodoo, Eigenbluttherapien und Entsäuerungsbäder. Hat der Vergleich sie wenigstens finanziell wieder rehabilitieren können?

Ich habe lediglich 20 % dessen wieder bekommen, was ich bis dato für Therapien ausgegeben habe. Das ist eigentlich gar nichts. Obwohl man privat versichert ist.

Wie sehr belastet so eine Geschichte die ohnehin angeknackste Psyche?


Das ist natürlich hart. Es gab zum Beispiel auch von der Presse überhaupt keine Unterstützung. Damals, als ich meine Krankheit bekommen habe, war ich natürlich sehr oft eingeladen. Bei Biolek, oder bei Günther Jauch in SternTV. Als mein Fall vor Gericht ausgeartet ist, habe ich diese ganzen Leute nochmals kontaktiert, aber da wollte man mir im Grunde nicht helfen. Allerdings habe ich mit der Zeit auch die Presse einzuschätzen gelernt. Fernseh- und Fußballgeschäft sind sehr oberflächlich. Jeder zieht das aus einer Sache heraus, womit er auch wirklich etwas anfangen kann. Wenn man nicht mehr so im Rampenlicht steht, interessiert sich halt keiner mehr für einen. Das muss man akzeptieren.

Sie galten hingegen weniger als oberflächlich, die Fans haben sie auch dafür geliebt, dass sie sich mit dem Verein identifiziert haben.

Wenn ich heute noch einmal Fußballprofi wäre, würde ich womöglich manches anders machen. Früher war ich wesentlich idealistischer, da wäre ich nie von 1860 weggegangen. Meine Familie hat sich in München wohl gefühlt und ich in dem Verein. Ich hatte damals auch Angebote, habe die allerdings aus dem eben genannten Gründen abgelehnt. Es hat damals Spaß gemacht bei den Löwen zu spielen.

Und heute?

Ich würde es wahrscheinlich so machen, wie viele andere heute auch: Dahin gehen, wo ich am meisten Geld verdiene. Wie gesagt, die Angebote waren da: 1996 wollte Bayern mich haben, da hat 60 mich allerdings auch nicht weg gelassen. Mit Ottmar Hitzfeld habe ich gesprochen, als er noch in Dortmund war. Der hatte ebenfalls großes Interesse. Ein paar Monate später bin ich allerdings krank geworden. Damit hatte sich die ganze Angelegenheit für mich sowieso erledigt.

Sie wären zu den Bayern gegangen?

Das ist jetzt natürlich eine hypothetische Frage. Ich kann es nicht genau sagen. Wenn man aber ein Angebot von den Bayern bekommt, sollte man das auch probieren. Bayern macht nur einmal ein Angebot, wenn man das ausschlägt, hat man sich einer großen Chance beraubt.

1997 mussten sie ihre Karriere letztlich beenden. Von den vielen Therapien haben sie bereits gesprochen. Wirklich geholfen hat jedoch nur ein Immunologe aus Düsseldorf.

Richtig, bei dem war ich von 2000 bis 2002 in Behandlung. Damals war ich fast bettlägerig, hatte über 30 Kilo abgenommen, mir gings hundeelend. Ich konnte im Grunde kaum noch aufstehen. Mittlerweile kann ich, zumindest was das häusliche angeht, ein normales Leben führen. Ich kann beschwerdefrei aufstehen, kann auch schon ein bisschen spazieren gehen und mit meinen Kindern was machen. Zum Beispiel bei den Hausaufgaben helfen oder abends Essen gehen, ins Kino gehen. Solche Sachen waren damals – vor der Behandlung in Düsseldorf – gar nicht im Bereich des Möglichen.

Kann man sie in der Gegenwart als einen zufriedenen Menschen bezeichnen?

Das kommt immer darauf an, von welchem Standpunkt man das betrachtet. Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich ganz froh, dass es mir so geht, wie es mir geht. Weil es mir eben schon viel schlimmer ging in der Vergangenheit. Natürlich muss ich auch sagen, dass zwischen dem Dasein als gesunder Profi und heute Welten liegen.

Haben sie konkrete Pläne für die Zukunft? Zu Beginn ihrer Sportinvalidität haben sie mit den Gedanken gespielt im Scouting- oder Trainerbereich unterzukommen, auch ein Posten als TV-Kommentator war im Gespräch.

Um das zu verwirklichen müsste sich mein Gesundheitszustand ja erst deutlich verbessern. Egal welchen Beruf man macht, man muss ihn dann richtig machen. Es gibt ja keinen Beruf, der nicht in irgendeiner Art und Weise stressig ist. Egal ob ich jetzt Scout, Trainer oder Kommentator wäre, acht, zehn oder zwölf Stunden muss man dann auf jeden Fall arbeiten. Selbst wenn die Arbeit körperlos wäre, stünde ich vor einem Problem. Ich könnte derzeit keinen Job so ausfüllen, dass ich den Ansprüchen derer, die mir den Job gegeben haben, gerecht werden würde. Pläne existieren bislang nur in meinen Gedanken. Wenn ich fit wäre, würde ich ja schon längst losgehen und mich irgendwo vorstellen. Oder den Trainerschein in Köln machen, ich habe einen ganz guten Draht zu Erich Rutemöller.

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