12.12.2009

Olaf Bodden zieht Bilanz

»Nach dem Tod ist es wurscht«

Olaf Bodden war ein Mann wie ein Baum. Doch vor elf Jahren fällte ihn das Pfeiffersche Drüsenfieber. »Das Schlimmste an der Krankheit ist, dass dich keiner versteht«, sagt er. Wir haben einen neuen Versuch unternommen.

Interview: Alex Raack Bild: imago

Olaf Bodden, lassen Sie uns zunächst über Fußball reden. Ihre Münchner Löwen führen derzeit die Tabelle in der Zweiten Liga an. Wann waren Sie das letzte Mal im Stadion?

Wenn ich München bin, bin ich schon jedes Heimspiel da, und habe auch noch relativ guten Kontakt zu ehemaligen Mitspielern.

Wie gefällt Ihnen die neue Arena?

Die ist absolut beeindruckend und gehört zu den modernsten Stadien Europas. Vielleicht hätte man manches etwas liebevoller gestalten können, aber das spielte dann bei den Planungen wohl nicht so eine große Rolle. Da muss es halt pragmatischer zugehen.

Wären sie dort auch gerne mal selber aufgelaufen?

Na klar. Das ist doch der Traum eines jeden Fußballspielers, in so einem großen Stadion aufzulaufen. Das dazu auch noch ein reines Fußballstadion ist. Wenn man dann auch noch sieht, dass bei den Heimspielen von 1860 im ersten Jahr in der Arena im Schnitt 40.000 Zuschauer da waren – und dann in der zweiten Liga – kann man sich vorstellen, was da los wäre, wenn man in der ersten Liga spielen würde. Im zweiten Jahr waren es ja auch noch einmal 37.000 Besucher im Durchschnitt.

40.000 können die Allianz-Arena aber immer noch nicht füllen. Wären denn Spiele vor ausverkauftem Haus in der Grünwalder Straße nicht reizvoller?

Aus nostalgischer Sicht sicherlich schon. Auch von der Stimmung her: Ich habe ja 1994 noch an der Grünwalder Straße gespielt, das war ja damals das letzte Jahr vor dem Umzug ins Olympiastadion. Die Hütte war immer voll, immer über 30.000 Menschen. Diese Stimmung kannst Du eigentlich nicht vergleichen.
Im Olympiastadion waren dann auch noch 40.000 da, aber da kommt natürlich keine Stimmung rüber. Weil es offen ist und über 70.000 rein passen. Da ist die Arena schon besser. Vor allem, weil die Stimmung bei den Spielen von 1860 besser ist als bei den Bayern-Spielen.

Also nichts mit „Hexenkessel“ Allianz-Arena für die Bayern?

Ein großer Anteil der Anhänger vom FC Bayern ist doch eher reserviert. Da muss man schon wirklich Traumfußball bieten, damit sich dort wirklich große Stimmung ausbreitet. Die Ansprüche sind bei den Fans natürlich anders. Wenn sich die Bayern zu einem 1:0 quälen, passiert da nicht viel. Die müssen schon den Gegner mit vier, fünf Stück aus dem Stadion schießen, sonst geht da nicht viel.

Verwöhnte Modefans beim FCB und hartgesottene Stimmungskanonen bei den Löwen?

Ja, weil sich dieses Klischee leider immer wieder bewahrheitet. Ich sitze auch oft genug bei den Bayern-Spielen im Stadion, um das zu beurteilen. Die 60er waren auch sehr dankbar für die schönen Zeiten Mitte der 90er Jahren, als wir permanent in der 1. Liga gespielt haben, des Öfteren sogar im Uefa-Cup. Da war das Publikum in gewisser Hinsicht auch verwöhnt. Jetzt spielt man seit drei Jahren in der zweiten Liga, da sind auch die Ansprüche gesunken. Das wirkt sich auf die gute Stimmung aus.

Wenn man ihnen so zuhört, macht es fast den Eindruck, als säßen sie doch noch auf der Spielerbank. Wie eng ist Ihre Beziehung zum Fußball noch?

Ich hatte zwar, mal ganz abgesehen von den Umständen, keinen besonders guten Abgang. Ich bin der einzige Spieler in der Vereinsgeschichte von 1860, der nicht offiziell verabschiedet wurde. Aber da ist man auch irgendwann drüber weg. Letztendlich habe ich in München meine sportlich erfolgreichste Zeit erlebt, deswegen hängt mein Herz auch immer noch daran. Unsere Generation damals hat schließlich dafür gesorgt, dass die Fans dauerhaft Erstliga-Fußball zu sehen bekommen haben. Ich möchte auch, dass der Verein wieder aufsteigt in die 1. Liga.

Vor allem, um wieder Münchner Derbys zu sehen?

Sicher. Das ist ja tausendmal besser, als wenn Braunschweig oder Jena zu Gast sind. Dann kommen die Gegner aus Bremen, Stuttgart und Leverkusen. Das möchte man natürlich lieber sehen.

Sie sind Hobby-Astrophysiker.

Richtig.

Kann man den Fußball und Physik irgendwie miteinander kombinieren?

Eigentlich nicht, weil Physik absolut logisch ist. Fußball hingegen ist alles andere als logisch. Da gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft. Unlogischerweise.

Unlogisch erscheint auch ihre Krankheitsgeschichte. Wie ist da der aktuelle Stand?

Jetzt im Ruhezustand geht es einigermaßen, da gibt es keine Probleme. Ich bin allerdings überhaupt nicht belastbar, an Sport brauche ich erst gar nicht zu denken. Den Alltag kann ich relativ problemlos bewältigen, muss aber immer aufpassen, dass ich nicht zu viel mache. Offiziell bin ich Frührentner, mache den Hausmann.

Sie liegen seit Jahren im Rechtsstreit mit ihrer Krankenkasse, die ihnen die immensen Behandlungskosten bislang nicht bezahlen wollte. Gibt es in dieser Hinsicht etwas Neues?

Ich musste mich auf Anraten meines Anwalts auf einen Vergleich einlassen, der für mich zwar nicht zufrieden stellend war, aber mein Anwalt hat mir klar gemacht, dass ich ansonsten nicht den Hauch einer Chance habe. Richter, Gerichte und Gutachter stecken alle unter einer Decke. Da habe überhaupt keine Chance. Dafür gibt ein Beispiel: Dem vom Gericht abgestellten Gutachter wurde nicht geglaubt: Er hatte ein positives Gutachten für mich erstellt. Die haben ihr eigenes Gutachten nicht abgenommen! Stattdessen wurde ein anderer Gutachter beauftragt, der schließlich gegen mich geschrieben hat.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden