Olaf Bodden über die Krise bei 1860

»... sonst war's das«

Olaf Bodden spielte vier Jahre für die Löwen und wird die Geschicke seines Ex-Klubs »wohl mein Leben lang verfolgen«. Hier spricht er über die finstere Gegenwart, den Investor Schwarz, Uli Hoeneß und ein marodes Präsidium. Olaf Bodden über die Krise bei 1860Imago

Olaf Bodden, dürfen wir Sie zu der aktuellen Situation bei Ihrem ehemaligen Verein 1860 München befragen?

Gerne, aber ich kann Ihnen nicht garantieren, auf alle Fragen Antworten zu wissen. Momentan weiß ja keiner wirklich Bescheid, was da geschieht.

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Versuchen wir es: der geplante Einstieg des Investors Nicolai Schwarzer...

...wäre eine gute Sache gewesen. Wir hätten doch froh sein können, wenn ein so potenter Investor Interesse daran bekundet den Verein finanziell zu unterstützen! Das Geld ist notwendig, wenn man mit 60 wieder in der ersten Liga mitspielen will. So einfach ist das.

Die Kritik zielte darauf, dass ein fußballfremder Investor ohne Bezug zur Tradition und Geschichte des Verein einfach nicht der Richtige für einen so emotional aufgeladenen Klub wie 1860 wäre.

Tradition hin, Tradition her: wenn wir die notwendigen Finanzen für die DFL-Lizenz nicht stemmen können, bringt uns die Nostalgie auch nicht viel. Ohne Geld gibt es keinen Aufstieg und keinen Erfolg, so ist nun einmal die Rechnung. Anders kann 60 den Weg nicht gehen. Von der Tradition können sie sich keine Bundesliga-Lizenz erkaufen.

Dem Investor Schwarz wurde auch vorgehalten, lediglich am Engagement bei den »Löwen« finanziell profitieren zu wollen, den Verein quasi als reines Finanzprodukt zu betrachten.

Klar will der auch Geld damit verdienen, wenn er entsprechend investiert. Schwarz ist schließlich nicht das Rote Kreuz. Das ist bei den Bayern und Uli Hoeness genauso: die Sponsoren werden auch nicht nur aus reiner Nächstenliebe Geld auf das Konto vom FC Bayern München überweisen. Jeder versucht, auch für sich einen Gewinn heraus zu schlagen. Deshalb kann ich die Kritik an Schwarz auch nicht verstehen. Laut Regelung darf ein privater Investor in Deutschland 40% Anteil an einem Klub besitzen. Bei Schwarz wären es gerade mal 20% gewesen. Das Argument sticht also nicht. Ich hätte das Engagement begrüßt.

Uli Hoeness äußerte sich unter Woche extrem kritisch über den neuen Sportdirektor Miroslav Stevic und warf ihm wortwörtlich vor: »Ich glaube nicht, dass der jetzt gerade Herzblut da drin hat. Der hat eher ein paar Euro-Zeichen im Herzen.«

Eine absolut unnötige Kritik. Uli Hoeneß hat doch selber als junger Mann die Leistung beim FC Bayern übernommen und den Klub an Europas Spitze geführt. Deshalb verstehe ich nicht, warum er jetzt einem Micky Stevic, der vier Jahre lang sein Herzblut für 1860 vergossen hat, so etwas vorwirft. Ich kenne Micky, habe zusammen mit ihm in München gespielt und denke, dass er eine tolle Besetzung für den Posten des Sportdirektors ist und auch in Zukunft wäre.

Momentan ist von der Verantwortlichen bei 1860 kein Wort zur aktuellen Lage zu hören. Wie schätzen Sie das Präsidium ein?

Diese drei Herren (Rainer Beeck, Franz Maget und Michael Hasenstab, Anm. d. A.) haben Mist gebaut. Alles andere als ein kollektiver Rücktritt wäre eigentlich nicht akzeptabel. Stattdessen harren sie der Dinge und versuchen offenbar, das gesamte Thema tot zu schweigen. Gut, die Reaktion kann ich fast verstehen, wenn ich so viel falsch gemacht hätte, würde ich auch versuchen, die Dinge tot zu schweigen.

Irritiert ist die Öffentlichkeit darüber, wer nun eigentlich den Einstieg der Investoren verhindern wollte...

Angeblich ja die DFL, aber die hat es dementiert, das war eine Falsch-Meldung. Das wurde scheinbar intern so beschlossen, doch was die Gründe dafür waren, kann ich nur erahnen. Die werden sich im Aufsichtsrat einfach nicht einig. Wenn ich meinen Quellen Glauben schenken darf, war offenbar Oberbürgermeister Christian Ude, der ja auch im Aufsichtsrat sitzt, das entscheidende Zünglein an der Waage, der Stimmung gegen den Einstieg des Investors gemacht hat. Aber das kann ich nicht bestätigen.

Nun ist natürlich auch wieder die Lizenz in Gefahr...

Sicher. Und das ist das Schlimme daran. Stellen Sie sich vor, so ein Verein wie 1860 bekommt keine Lizenz für die zweite Liga! Das wäre fatal.

Ebenfalls angedacht ist der Umzug zurück ins Grünwalder Stadion. Wäre das nicht von Vorteil, wenn der Klub zu seinen Wurzeln zurückkehrt?

Im Gegenteil: Es wäre der größte Schwachsinn, sich aus der Allianz-Arena zu verabschieden. Wenn man die Möglichkeit hat in so einem fantastischen Stadion zu spielen, muss die Gelegenheit wahrnehmen. Grünwalder schön und gut, aber stellen sie sich mal in das Stadion. Wie wollen sie da Geld verdienen? Keine VIP-Bereiche, keine Logenplätze, kein Komfort, gar nichts. Das wäre lächerlich, die Sponsoren würden sich zurückziehen und der Verein kein Geld mehr in die Kassen bekommen.

Wie schätzen Sie die Entwicklung in der näheren Zukunft ein?

Der Verein steht jetzt enorm unter Druck und unter Zugzwang bei der DFL. Nicht vergessen: in sechs bis acht Wochen muss die Lizenz vorliegen, sonst war´s das. Die beim DFL werden uns mit Argusaugen beobachten. Ich denke, die hätten zusammen mit dem FC Bayern ihre Freude daran, wenn 1860 die Lizenzauflagen nicht erfüllen könnte.

Sie vermuten, der FC Bayern und die DFL stecken quasi unter einer Decke?

Der Meinung bin ich jetzt beinahe schon: die DFL und die Bayern wären doch froh, wenn 60 aus der Allianz-Arena verschwindet. Dann hätten die Bayern ihren Tempel endlich ganz für sich alleine.

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