10.02.2009

Olaf Bodden über die Krise bei 1860

»... sonst war's das«

Olaf Bodden spielte vier Jahre für die Löwen und wird die Geschicke seines Ex-Klubs »wohl mein Leben lang verfolgen«. Hier spricht er über die finstere Gegenwart, den Investor Schwarz, Uli Hoeneß und ein marodes Präsidium.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Olaf Bodden, dürfen wir Sie zu der aktuellen Situation bei Ihrem ehemaligen Verein 1860 München befragen?

Gerne, aber ich kann Ihnen nicht garantieren, auf alle Fragen Antworten zu wissen. Momentan weiß ja keiner wirklich Bescheid, was da geschieht.



Versuchen wir es: der geplante Einstieg des Investors Nicolai Schwarzer...

...wäre eine gute Sache gewesen. Wir hätten doch froh sein können, wenn ein so potenter Investor Interesse daran bekundet den Verein finanziell zu unterstützen! Das Geld ist notwendig, wenn man mit 60 wieder in der ersten Liga mitspielen will. So einfach ist das.

Die Kritik zielte darauf, dass ein fußballfremder Investor ohne Bezug zur Tradition und Geschichte des Verein einfach nicht der Richtige für einen so emotional aufgeladenen Klub wie 1860 wäre.

Tradition hin, Tradition her: wenn wir die notwendigen Finanzen für die DFL-Lizenz nicht stemmen können, bringt uns die Nostalgie auch nicht viel. Ohne Geld gibt es keinen Aufstieg und keinen Erfolg, so ist nun einmal die Rechnung. Anders kann 60 den Weg nicht gehen. Von der Tradition können sie sich keine Bundesliga-Lizenz erkaufen.

Dem Investor Schwarz wurde auch vorgehalten, lediglich am Engagement bei den »Löwen« finanziell profitieren zu wollen, den Verein quasi als reines Finanzprodukt zu betrachten.

Klar will der auch Geld damit verdienen, wenn er entsprechend investiert. Schwarz ist schließlich nicht das Rote Kreuz. Das ist bei den Bayern und Uli Hoeness genauso: die Sponsoren werden auch nicht nur aus reiner Nächstenliebe Geld auf das Konto vom FC Bayern München überweisen. Jeder versucht, auch für sich einen Gewinn heraus zu schlagen. Deshalb kann ich die Kritik an Schwarz auch nicht verstehen. Laut Regelung darf ein privater Investor in Deutschland 40% Anteil an einem Klub besitzen. Bei Schwarz wären es gerade mal 20% gewesen. Das Argument sticht also nicht. Ich hätte das Engagement begrüßt.

Uli Hoeness äußerte sich unter Woche extrem kritisch über den neuen Sportdirektor Miroslav Stevic und warf ihm wortwörtlich vor: »Ich glaube nicht, dass der jetzt gerade Herzblut da drin hat. Der hat eher ein paar Euro-Zeichen im Herzen.«

Eine absolut unnötige Kritik. Uli Hoeneß hat doch selber als junger Mann die Leistung beim FC Bayern übernommen und den Klub an Europas Spitze geführt. Deshalb verstehe ich nicht, warum er jetzt einem Micky Stevic, der vier Jahre lang sein Herzblut für 1860 vergossen hat, so etwas vorwirft. Ich kenne Micky, habe zusammen mit ihm in München gespielt und denke, dass er eine tolle Besetzung für den Posten des Sportdirektors ist und auch in Zukunft wäre.

Momentan ist von der Verantwortlichen bei 1860 kein Wort zur aktuellen Lage zu hören. Wie schätzen Sie das Präsidium ein?

Diese drei Herren (Rainer Beeck, Franz Maget und Michael Hasenstab, Anm. d. A.) haben Mist gebaut. Alles andere als ein kollektiver Rücktritt wäre eigentlich nicht akzeptabel. Stattdessen harren sie der Dinge und versuchen offenbar, das gesamte Thema tot zu schweigen. Gut, die Reaktion kann ich fast verstehen, wenn ich so viel falsch gemacht hätte, würde ich auch versuchen, die Dinge tot zu schweigen.

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