Oka Nikolov im Interview

„...bis ich nicht mehr kann“

Beim 0:0 der Frankfurter Eintracht gegen den FC Bayern am letzten Wochenende hielt Oka Nikolov, als hätte er zehn Arme. Doch nun ist Markus Pröll, die etatmäßige Nummer 1, wieder fit, und Nikolov muss weichen. Wie geht er damit um? Imago

Herr Nikolov, Sie waren der gefeierte Held gegen die Bayern. Sofern Markus Pröll wieder fit ist, müssen Sie gegen Dortmund aber wieder auf die Bank. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Der Trainer hat klar gesagt, dass Markus Pröll die Nummer eins ist. Ich muss mich damit abfinden und werde kein Theater machen, sondern im Training – und wenn ich zum Einsatz komme – mein Bestes geben. Ich finde es gut von Friedhelm Funkel, dass er sich klar festgelegt hat. Wenn man ständig wechselt, bringt das nichts.

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Wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen Ihnen und Pröll? Pusht man sich gegenseitig und sieht sich als Teamkollegen oder herrscht ein bitterer Konkurrenzkampf?

Wir sind Teamkollegen und Konkurrenten in einem. Dazu muss man auch unsere Nummer drei Jan Zimmermann zählen, der sich ständig weiterentwickelt. Es kann nun mal nur einer im Tor spielen. Wir sind ja auch im Hotel immer auf einem Zimmer.

Wie hat Pröll auf Ihre Leistung im Bayern-Spiel reagiert? Hat er Ihnen nach dem Spiel gratuliert?

Klar hat er das. Das hätte ich auch so gemacht. Wir haben einen Punkt geholt, nicht ich.

Das Pendeln zwischen Stammtorhüter und Ersatzmann kam in den letzten Jahren immer wieder auf Sie zu. Auf lange Saisonen als Nummer 1 folgten Phasen in denen Ihnen ein anderer Schlussmann vorgezogen wurde. Wie schaffen Sie es nach all den Rückschlägen, immer wieder zurückzukommen?

Indem ich unter unserem Torwarttrainer Andreas Menger hart und konzentriert arbeite, um auf den Punkt fit zu sein. Das ist mein Job. Ich kann doch nicht sagen: Ich spiele nicht, also lass ich mich hängen.

Im speziellen Fall von letztem Samstag erfuhren Sie erst am Frühstückstisch, dass Sie von Beginn an spielen werden. Wie schaffen Sie es punktgenau Ihre Leistung abzurufen?

Ich bin lange genug in der Bundesliga dabei, als dass mich so was irritieren könnte. Ich bereite mich auf jedes Spiel so vor, als ob ich im Tor stehen würde. Außerdem hatte ich in München mehr Zeit, mich darauf einzustellen, als wenn ich während der Partie eingewechselt worden wäre.

Die meisten Feldspieler können auf mehreren Positionen eingesetzt werden und kommen so immer wieder zu ihrer Einsatzzeit. Beim Mann im Kasten heißt es meist: Nummer 1 oder Ersatzbank drücken. Wie geht ein Torhüter mit so einer Situation um?

Wenn ich damit nicht umgehen könnte, dann wäre ich kein Torhüter geworden. Wäre ich Feldspieler, würde ich wahrscheinlich gar keine Bundesligaeinsätze bekommen (lacht).

Sie haben schon eine lange Karriere hinter sich, aber vor allem Torhüter können ja bis ins hohe Alter noch auf hohem Niveau spielen. Ihr Kollege Marco Ballotta von Lazio Rom etwa erlebt gerade mit 43 seinen x-ten Frühling und spielt sogar Champions League. Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

Uli Stein, den ich hier noch erlebt habe, hat es ja auch vorgemacht. Bei einem Torhüter ist es wie mit einem guten Wein: Je reifer, desto besser. Ich möchte spielen, bis ich nicht mehr kann. Mal sehen, wann das ist.

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Im aktuellen Heft beschäftigen wir uns mit der deutschen Torhüterschule. Dass es dort nicht so gesittet zugeht wie im Mädcheninternat, bewies nicht zuletzt HSV-Zerberus Uli Stein. 1987 streckte er Bayerns „Kobra“ Jürgen Wegmann nieder. www.11freunde.de/bundesligen/105941

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