20.01.2010

Ömer Toprak nach seinem Kartunfall

»Es gab nie einen Plan B«

Im Juni zog sich der Freiburger Newcomer Ömer Toprak starke Verbrennungen bei einem Kartunfall zu. Seine Karriere schien gefährdet, am letzten Samstag stand er wieder für den SC auf dem Platz. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Ömer Toprak nach seinem Kartunfall
Wie hat Sie diese schwierige Zeit als Mensch verändert?

Ich denke nicht, dass ich dadurch ein anderer Mensch geworden bin. Aber ich weiß dadurch, wie wichtig es ist, gesund zu bleiben. Und ich habe erfahren, dass ich selbst im Unglück noch großes Glück gehabt habe, sonst wäre ich heute nicht soweit.

Jürgen Kohler hat Sie geadelt, ebenso der »Kicker«. Welche Ziele verfolgen Sie nach ihrer kompletten Genesung mit dem SC Freiburg und in der Nationalmannschaft?


Ich möchte einfach wieder auf dem Rasen stehen und mir einen Platz in der SC-Stammelf erarbeiten. Alles weitere ergibt sich dann.

Ist Kohler Ihr Idol?

Dazu kenne ich ihn zu wenig. Ich habe mich über sein Lob gefreut, weil es von einem großen Spieler kommt, aber zum Idol habe ich ihn deswegen nicht ernannt.

Bei Mesut Özil dauerte es lange, bis dieser sich entschlossen hatte, für Deutschland zu spielen. Wie lief es bei Ihnen ab?

Es war sicher keine leichte Entscheidung, ich bin hier geboren und habe türkische Wurzeln. Aber ich denke, dass es für Spieler mit meinem Hintergrund das Beste ist, in dem Land zu spielen, in dem sie geboren sind und das ist Deutschland.

Welche Erinnerungen haben Sie an den Gewinn der U19-Europameisterschaft?

Es war großartig, zumal es der dritte Titel in diesem Jahr war. Mit der zweiten Mannschaft des SC bin ich aufgestiegen, mit unserer U19 im gleichen Jahr Meister geworden und dann noch der EM-Titel, das war schon Wahnsinn.

Sie sind beidfüssig. Ist dies und ihr Spiel Resultat der guten Schulung im Freiburger Fußballinternat?


Ich denke schon, dass die Ausbildung in unserer Fußballschule einer der besten des Landes ist. Mir hat das jedenfalls sehr geholfen, weil auch abseits des Platzes alles perfekt war.

Sie standen in den Vorbereitungen zu Ihrem Abitur. Wie weit sind Sie in dieser Hinsicht?


Ich habe die mündliche Prüfung in Spanisch nachholen dürfen und habe sie dann im Herbst auch bestanden, also das Abitur in der Tasche.

Wie groß ist die Vorfreude auf das erste Heimspiel mit dem SC Freiburg in diesem Jahr?


Riesig, ich weiß noch nicht, ob ich spielen darf, aber damit würde ein weiterer Traum in Erfüllung gehen.

Werden Sie sich selbst schon wieder nach normalen Maßstäben beurteilen? Oder als Rekonvaleszent?


Das weiß ich nicht, das sollen andere beurteilen. Aber es hat mich sehr gefreut, dass unser Trainer Robin Dutt am vergangenen Samstag gesagt hat, es käme ihm vor, als sei ich nie weggewesen.

Sind Sie dankbarer Ihrem Talent gegenüber als zuvor?


Ich bin auch davor nicht undankbar mit meinem Talent umgegangen. Aber ich weiß jetzt, wie wunderbar es ist, Fußballprofi zu sein.
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