20.01.2010

Ömer Toprak nach seinem Kartunfall

»Es gab nie einen Plan B«

Im Juni zog sich der Freiburger Newcomer Ömer Toprak starke Verbrennungen bei einem Kartunfall zu. Seine Karriere schien gefährdet, am letzten Samstag stand er wieder für den SC auf dem Platz. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Ömer Toprak nach seinem Kartunfall
Herr Toprak, wie geht es Ihnen nach dem ersten Bundesligaspiel nach langer Zeit?

Ich fühle mich sehr gut, vor allem, weil ich keine Schmerzen hatte. Es war mein erstes Bundesligaspiel überhaupt, und ich bin sehr dankbar, dass es bereits zum Rückrundenauftakt geklappt hat. Noch schöner wäre es allerdings gewesen, wenn wir in Hamburg gepunktet hätten.



Wo gibt es eventuell noch Beschwerden?


Von Beschwerden mag ich nicht sprechen, es gibt sicher noch ein paar Dinge aufzuholen, schließlich habe ich ja einige Monate im Mannschaftstraining gefehlt. Aber ich fühle mich sehr gut.

Bei wie viel Prozent Ihrer Leistungsfähigkeit sehen Sie sich?

Das kann ich nur schwer einschätzen, diese Bewertung muss das Trainerteam vornehmen. Vergangene Woche bin ich noch durch eine leichte Grippe zurückgeworfen worden, deshalb war ich am Wochenende sicher nicht ganz bei 100 Prozent.

Besteht noch eine gewisse Angst bei Zweikämpfen?

Diese Angst gibt es nicht. Ich konnte pünktlich zur ersten Einheit ins Trainingslager mit der Mannschaft einsteigen und habe versucht, alles zu machen wie zuvor. Von daher wird Dir auch von den Kollegen wenig geschenkt. Ich finde das gut, weil sich dadurch erst gar keine Angst einschleicht.

Worum geht es bei den derzeitigen Arztbesuchen?


Es sind gar nicht mehr so viele. Wir schauen vor allem, ob die Narben gut verheilen und alle Gelenke und Muskeln intakt sind.

Intensivstation, Rollstuhl, Hauttransplantation – wie haben Sie die Leidenszeit durchgestanden?

Es war wichtig, dass alle in meinem Umfeld mir Kraft geben – Familie, Freunde, der ganze Verein und meine Berater. Das hat wunderbar geklappt, vom ersten Tag an. Und es war wichtig, dass ich mir immer kleine Zwischenziele stecke, lange vor dem Spiel gegen den HSV am vergangenen Wochenende war es zum Beispiel mein Wille, dass ich zum Hinrundenauftakt im Stadion sein kann, wenn auch nur an Krücken. So habe ich mich Schritt für Schritt zurück gekämpft.

Gab es Gedanken an das Karriereende? Gab es einen Plan B?


Diesen Plan B gab es nie. Ich habe alles versucht, damit ich wieder spielen kann und mich überhaupt nicht mit dem Gedanken an eine Alternative beschäftige. Das hätte ich noch früh genug tun können, wenn es nicht geklappt hätte.

Hatten Sie bestimmte Vorbilder bei der Bewältigung dieser schwierigen Situation?

Eigentlich nicht, denn es gab meines Wissens nach keinen Vergleich mit einer ähnlich schweren Verletzung bei einem Fußballer.

Sie haben davon gesprochen, dass Sie in dieser Zeit gemerkt haben, dass es schlimmere Schicksale geben kann. Welche Erlebnisse im Krankenhaus oder in der Reha waren es, die Ihnen diese Sichtweise vermittelt haben?


Naja, es waren Fälle in der Klinik, die viel schlimmere hatten, zugleich waren auch Menschen dabei, die sicher nicht mehr so wie ich in ihren alten Beruf zurück gehen konnten.

Wer oder was hat Ihnen in dieser Zeit geholfen?


Alle, die sich in meinem engeren Umfeld und in dem des Vereins bewegen, auch die Fans, die mich gefeiert haben, vor allem aber die »Alles Gute«-Website des Schülers Tim Schütz, auf der schon über 50.000 Menschen vorbei geschaut haben, um mir Genesungswünsche zu hinterlassen. Das finde ich unglaublich, und es hat mir sehr geholfen

Was bereitete in der Reha die schwierigsten Probleme? Die Schulung des Gleichgewichts, die Belastung der Beine, der Kraftaufbau oder etwas anderes?


Sicher eine Mischung aus allen genannten Dingen. Und dann gab es einfach auch konditionelle Rückstände aufzuholen und die Arbeit mit dem Ball wieder aufzunehmen.

Wie war der Kontakt zu den Mitspielern?


Der war von Anfang an klasse, nicht nur wegen der Besuche in der Klinik. Auch wenn ich anfangs nur Lauftraining machen konnte, hatte ich sehr schnell das Gefühl, wieder bei der Mannschaft zu sein.

Es wurde davon gesprochen, dass Sie nun ein Jahr lang starkes Sonnenlicht meiden müssten. Stimmt das, und inwieweit ist so etwas überhaupt zu realisieren?

Das stimmt und stellt kein großes Problem dar, weil man sich darauf einstellen kann.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden