25.10.2009

Obafemi Martins im Interview

»Keiner kommt für die Bank«

Dass Obafemi Martins erst 25 Jahre alt ist, will man dem Wolfsburger gar nicht glauben. Zu viel hat der Angreifer erlebt und gesehen. Im Interview spricht er über seine wechselnden Sturmpartner und Hip Hop aus Nigeria.

Interview: Christoph Köchy Bild: Imago
Obafemi Martins im Interview
Obafemi Martins, am vergangenen Spieltag haben Sie gegen Gladbach eine große Torchance vergeben, als Sie versuchten den Ball mit der Hacke im Tor unterzubekommen. Was denkt ein Stürmer nach so einer Aktion?

Ich denke niemals über vergebene Torchancen nach. Wenn du als Stürmer viele Tore schießen möchtest, wirst du immer auch viele Möglichkeiten auslassen.



Wolfsburg war in der letzten Saison unter Felix Magath sehr erfolgreich mit langen Bällen. Armin Veh hingegen setzt mehr auf kurze Pässe. Da Sie einer der schnellsten Stürmer sind: Hätte das alte System nicht besser zu Ihrer Spielweise gepasst?  

Nein, ich bevorzuge das System, was wir jetzt spielen. Je mehr der Ball am Boden ist, desto besser kannst Du ihn kontrollieren. Ich bin schnell – schön und gut. Aber lange Bälle bedeutet meistens auch: Hohe Bälle. Und ich bin nicht gerade groß, das würde also nicht besser zu mir passen.

Viele Experten waren kritisch, was Ihren Wechsel betraf. Man traute Ihnen nicht zu, das Sturm-Duo Dzeko/Grafite zu verdrängen. Glauben Sie, dass Sie aus der Joker-Rolle herauskommen?  

Normalerweise wird niemand nur für die Bank geholt. Dzeko und Grafite haben eine großartige Saison gespielt, sind Meister geworden. Diese Saison haben wir nun so viele Spiele, dass sie bestimmt nicht alle davon bestreiten können. Letztlich ist es nicht meine Entscheidung, sondern die des Trainers. Ich halte es immer so: Wenn du in Form bist, spielst du. Wenn du außer Form bist, sitzt du auf der Bank.

Sie haben an der Seite einer ganzen Reihe von Weltklasse-Stürmern gespielt: Ronaldo, Christian Vieri, Michael Owen. Mit welchem Partner kamen Sie am besten zurecht?

Ich würde Adriano noch mit in die Reihe aufnehmen. Am liebsten habe ich aber mit Christian Vieri zusammen gespielt. Wenn er mit mir auf dem Platz stand, war es immer ein bisschen einfacher. Er war sehr groß und sehr kräftig und hatte die Fähigkeit, den Ball so für mich abzulegen, dass ich nur noch verwandeln musste.

In der letzten Saison bei Newcastle hatten Sie auch sehr starke Einzelspieler. Wie konnte es passieren, dass so eine Mannschaft absteigt?

Das war wirklich sehr traurig, denn ich liebe diesen Klub und die Fans. Ich war sehr lange verletzt und viele andere Schlüsselspieler auch. Damien Duff, Michael Owen, Mark Viduka und auch ich konnten oft nur unter Schmerzen auflaufen. Wenn du keinen fitten Stürmer hast, wird es sehr schwer, die Spiele zu gewinnen. Dazu kamen noch weitere Verletzungen in anderen Mannschaftsteilen. Es war wirklich tragisch.

Sie haben bei Newcastle die Nummer 9 von Klub-Legende Alan Shearer übernommen. War das nicht eine große Belastung?

Ich habe dort immer mein Bestes gegeben und ich glaube, die Fans wussten das auch zu schätzen. Es spielt nicht das Trikot, sondern immer der, der drinsteckt.

Für Nigeria liefen Sie zuletzt nur noch sporadisch auf. Angeblich gibt es Querelen mit dem Verband und deswegen werden Sie nicht berücksichtigt.


Die Wahrheit ist, dass ich vor den letzten Länderspielen sehr oft verletzt war. Manche Leute sagen, ich hätte nicht gespielt, weil ich nicht wollte. Wie kann das sein? Ich habe für mein Land in 24 Spielen 13 Tore geschossen.

Bei Nigeria läuft es seit dem Goldmedaillengewinn 1996 nicht richtig rund. Was ist der Grund dafür?

Ganz ehrlich: Ich weiß es auch nicht. Wir haben viele Spieler bei großen Vereinen und dennoch spielen wir nicht erfolgreich. Einige Dinge stimmen nicht. Letztes Mal hatten wir 30 Spieler im Kader, das ist viel zu viel. Gewisse Sachen müssen geändert werden. Das Schlimmste für mich ist, dass die Fans so enttäuscht sind. Beim letzten Heimspiel gegen Mosambik war fast niemand im Stadion.

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