10.03.2008

Norbert Thines im Interview

„Es tut mir so weh“

Bis 1996 war Norbert Thines Präsident des FCK. Dann übernahmen andere das Ruder, zunächst Atze Friedrich, später René C. Jäggi – und versenkten den Kahn. Thines sagt bitter: „Das hätte auch eine Putzfrau machen können.“

Interview: Tim Jürgens und Benjamin Apitius Bild: imago
An dem Punkt, als Sie Ihr Amt als Präsident zur Verfügung stellten, begann in Kaiserslautern eine neue Zeitrechnung.

Alles Engagement wurde als sozialer Quatsch abgetan und verschwand gänzlich aus dem Ideal unseres Vereinslebens. Ich habe immer wieder gesagt: »Wir müssen bleiben, wo wir hingehören, und uns nur das zumuten, was wir auch schultern können.« Plötzlich hieß es dann aber, wir müssten uns auf eine Stufe mit Bayern München stellen.

Sie traten daraufhin zurück.

Ich musste 1996 für eine Zeit lang ins Krankenhaus, und in diesen Tagen hat der Atze Friedrich ordentlich an meinem Stuhl gesägt. Nach einer Mitgliederversammlung bin ich dann zurückgetreten, weil mir die Stimmung viel zu aufgehetzt war - das war ja der reinste »Rechtsradikalismus«.

Herr Friedrich war schon vor dieser Zeit einmal Präsident des Vereins gewesen und konnte in diesen Jahren eigentlich beweisen, dass er einen Verein bodenständig führen kann.


Atze Friedrich war ein Bombenmann - solange er im Ehreanamt tätig war. Glückliches Händchen, Fußballsachverstand. Es hat alles gepasst, doch dann sind sie einfach abgedreht.

Sie waren der letzte ehrenamtliche Präsident des Vereins?


Der Hubert Kessler war nach mir noch ein Jahr lang ehrenamtlich tätig, und danach hat jeder da oben in die Kassen gelangt und sich teuer bezahlen lassen. Das geht auf Dauer nicht! Ich weiß, dass man einen Verein nicht mehr führen kann wie wir zu unserer Glanzzeit damals. Aber einen Mittelweg hätte es doch bitteschön geben sollen.

Die Präsidentschaft eines Bundesligavereins ist sehr arbeitsintensiv. Was spricht gegen ein angemessene Gehaltszahlung?


Ich plädiere immer noch für das Ehrenamt. Und jetzt haben sie es zwangsläufig wieder so gestalten müssen, weil einfach kein Geld da ist. Drei Aufsichtsräte arbeiten momentan ehrenamtlich, und wenn der Verein in die dritte Liga geht, kann man niemanden mehr bezahlen. Ein Göbel muss dann auf 300.000 Euro verzichten! Ich habe als Präsident nicht einen Pfennig verdient. Sie finden da oben nicht eine Rechnung von mir - aus zehn Jahren. Und ich war zufrieden und glücklich.

Wie haben Sie sich in dieser Zeit Ihren Lebensunterhalt verdient?

Ich war damals als Verkaufsleiter einer Brauerei für die gesamte Pfalz zuständig und hatte eine gewisse Narrenfreiheit, solange ich schwarze Zahlen schrieb. Ich konnte jederzeit fortgehen und für den FCK schaffen. Ich war immer draußen, immer fort, immer für den Verein. Was wir für Fanklubs gegründet haben in dieser Zeit! (lacht und schlägt sich auf die Schenkel)

Friedrich und Wieschemann sahen sich auf Augenhöhe mit Vereinen wie Bayern München. War der 1.FC Kaiserslautern für eine solche Wachablösung finanziell überhaupt gerüstet?

Wir haben Herrn Friedrich einen schuldenfreien Verein übergeben! Mit einem eigenen Stadion, einem eigenen Fröhner Hof, einer Mannschaft, in der niemand beliehen war. Zusätzlich hatten wir ein Festgeldkonto mit 13 Millionen bei der Kreissparkasse, zweckgebunden für den Spielbetrieb. Das war alles ratzeputz fort! In ein paar Jahren! Das kann man sich nicht vorstellen.

Was haben Friedrich und Wieschemann grundlegend anders gemacht als ihre Vorgänger?

Ich war auch ein Mensch mit Fehlern, so wie jeder andere. Aber eins wusste ich: Die Sachen, die ich selbst nicht absolut im Griff habe, muss ich von Leuten machen lassen, die Ahnung davon haben. Der Rainer Geye und ich haben in unserer gemeinsamen Zeit Transfers getätigt, mit denen der Verein jahrzehntelang nur verdient hat. Rainer hat einen Spieler zweimal gesehen, dann hat er gesagt: »Das ist er! Das wird einer!« Und ich konnte das Evangelium darauf schreiben. Es hat gestimmt. Und die haben dann nur noch Schrott gekauft. Djorkaeff, Taribo West - für fünf Millionen, zehn Millionen.

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