Norbert Meier über Bremen gegen Hannover

»Man beginnt zu zweifeln«

Vor 28 Jahren gewann Werder Bremen mit 8:2 gegen Hannover 96. Wir sprachen mit dem zweifachen Torschützen Norbert Meier über das Spiel und den Schmerz einer verpassten Meisterschaft.

Norbert Meier, am zweiten Spieltag der Saison 1985/86 gewannen Sie mit Werder Bremen 8:2 gegen Hannover 96. Sie erzielten einen Doppelpack. Erinnern Sie sich noch an das Spiel?
Sie hatten mich ja vorgewarnt, dass wir über dieses Spiel sprechen wollen. Mir fiel sofort wieder ein, dass Martin Giesel für Hannover einen Elfmeter verwandelt hatte. Und meine Mutter hatte während meiner aktiven Zeit über jedes Spiel alles gesammelt was sie finden konnte und in Heften abgelegt. Da habe ich jetzt nochmal reingeschaut.

Was ist Ihnen dabei aufgefallen?
Als Erstes natürlich, dass ich die Spielnote Eins bekommen hatte (lacht). Dass Werner Biskup damals Trainer bei Hannover war, hätte ich nicht mehr sagen können. Und dann erinnert man sich natürlich an seine Mitspieler. An Dieter Burdenski im Tor, oder an Bruno Pezzey, der leider viel zu früh verstorben ist. Ich weiß noch, dass es unheimlich heiß war. Das Stadion war voll, die Stimmung einem Nord-Derby entsprechend. Das Spiel ging schnell los. Nach sieben Minuten stand es schon 2:1 für uns, zur Halbzeit 4:2. Uns war klar, noch ein Tor, und das Ding ist durch. Rudi Völler hat dann direkt nach der Pause das 5:2 geschossen. Kurz vor Schluß gelang Frank Neubarth noch ein Doppelpack. Am Ende wurde es dann eben ein 8:2.

Sie wurden für Frank Ordenewitz ausgewechselt. Sie mussten überhaupt oft vorzeitig aus dem Spiel.
Damals war ich darüber sicher nicht immer glücklich. Aber ich habe insgesamt fast 70 Bundesligatore geschossen, als offensiver Mittelfeldspieler, darunter nur ein Elfmeter. Ich kann mich nicht beklagen. Schade war natürlich, dass ich die Weltmeisterschaft 1986 verpasst habe. Franz Beckenbauer sagte damals: »Der Meier ist in einer Super-Form, aber er spielt einfach zu selten.«

Hannover stieg am Ende der Saison mit 10 Punkten Rückstand aus der Bundesliga ab. War im Spiel schon zu erkennen, dass die Qualität vielleicht nicht reichen würde?
Nein. Das war der zweite Spieltag, und solche Ergebnisse passieren eben manchmal einfach. Ich kann mich noch erinnern, wie wir 1981 mal in Frankfurt mit 9:2 untergegangen sind. Ich habe damals den 1:0-Führungstreffer erzielt. Doch bei uns ging danach so gut wie nichts mehr, den Frankfurtern gelang fast alles. Solche Spiele kommen immer wieder vor. Deshalb haben wir uns auch nach dem Spiel gegen Hannover, zumal über den Gegner, nicht sonderlich viele Gedanken gemacht.
Ihre Saison hingegen verlief fast perfekt. Doch dann kam der vorletzte Spieltag, und der verschossene Elfmeter von Michael Kutzop. Bayern wurde Meister.
Dabei waren wir fast die gesamte Saison über Tabellenführer. Das sind Momente, da beginnt das Zweifeln. Man beginnt unweigerlich daran zu denken, dass es jetzt wirklich schwer wird Meister zu werden, wenn schon so eine großartige Saison nicht gekrönt wird.

Wie lange dauerte es, bis der Schmerz verarbeitet war?
Mit der Meisterschaft 1988 war das vergessen. Obwohl wir dann schon auch hin und wieder zueinander gesagt haben: Wir hätten jetzt auch zweifacher Deutscher Meister sein können.

Momentan sind die Bremer ein gutes Stück entfernt von einer erneuten Meisterschaft. Wie schätzen Sie die Mannschaft ein?
Jeder weiß, dass eine neue Zeitrechnung angebrochen ist an der Weser. Lange Zeit konnte man die wirtschaftlichen Gegebenheiten durch eine sehr gute Transferpolitik ausgleichen. Aber der Abstand zu finanziell besser aufgestellten Mannschaften wird immer größer. Ich denke die aktuelle Mannschaft hat die Qualität für einen gesicherten Mittelfeldplatz.

Ihr Tipp für das Spiel am Sonntag gegen Hannover?
Ich tippe sehr ungern, vor allem auch deshalb, weil ich so selten richtig tippe. Aber wenn es sein muss, tippe ich allein schon aus alter Verbundenheit auf ein 2:1 für Werder.

Eine letzte Frage können wir Ihnen nicht ersparen: Wann sehen wir Sie als Trainer wieder?
Die Leute kommen auch auf der Straße immer wieder auf mich zu und fragen: »Hast Du was in Aussicht? Wann wirst Du wieder als Trainer arbeiten?« Ich antworte dann immer: »Wenn es soweit ist.« In unserem Beruf kann man das nicht vorausahnen, das kommt von heute auf morgen. Ich gehe zu vielen Spielen, von der Ersten bis zur Dritten Liga, und halte mich auf dem Laufenden. Soviel kann ich Ihnen aber sagen: Die Auszeit hat mir gut getan, aber jetzt bin auch wieder bereit für eine neue Aufgabe.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!