15.12.2010

Norbert Kox von »Initiative Borussia« im Interview

»Bonhof wird benutzt«

Die »Initiative Borussia«, eine Ansammlung einflussreicher Männer aus Wirtschaft, Medien und Politik, will Borussia Mönchengladbach reformieren. Wir sprachen mit Norbert Kox, dem Sprecher von »Initiative Borussia«.

Interview: 11Freunde Bild: Norbert Kox
Norbert Kox, Sie waren jahrelang im Vorstand eines milliardenschweren Versicherungskonzerns. Auch Ihre Kollegen von der »Initiative Borussia« sind Größen aus Wirtschaft und Politik. Sind Sie Lobbyisten oder eine Fan-Initiative?

Wir sind natürlich eine Fan-Initiative. Ich selbst bin seit ewigen Zeiten Borussia-Fan. Ebenso wie meine Kollegen.



Sie beklagen, dass Gladbach »vom Mythos zur grauen Maus« geworden ist. Steht es wirklich so schlimm um den Verein?

Schauen Sie mal auf die Tabelle und gucken Sie, was der Verein die letzten 15 Jahre erreicht hat! Da gab es keine Erfolge, Borussia ist zu einer Fahrstuhlmannschaft verkommen. Und das alles, obwohl die Rahmenbedingungen nie besser waren.

Wo sehen Sie die Gründe für diese Misere?

Die Struktur des Vereins ist das Problem. Vor allem im sportlichen Bereich wird er deutlich weniger professionell geführt als die Top-Klubs der Liga.

Was meinen Sie konkret?

Wir fordern ein von den Mitgliedern gewähltes Präsidium, um dessen Macht zu beschneiden und den Fans mehr Einfluss zu verschaffen. Wir benötigen dringend einen zweiten unabhängigen Aufsichtsrat für den Profibereich. Unsere Profis sollen – wie in nahezu jedem erfolgreichen Bundesliga-Verein auch – von einer eigenständigen professionellen Geschäftsführung gemanagt werden, denen der Aufsichtsrat nicht in das Tagesgeschäft pfuscht.

Sie fordern also Strukturen wie bei einem Wirtschaftsunternehmen, mit einem Aufsichtsrat, der die Geschäftsführung überwacht und kontrolliert?

Genau. Aber das ist nicht nur bei Wirtschaftsunternehmen so, sondern auch bei den Top-Klubs der Bundesliga wie zum Beispiel Bayern München.

Und diese Änderungen sind mit der momentanen Vereinsführung nicht möglich?

Uns geht es um Strukturen, nicht um Personen. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder intern Änderungen gefordert, leider ohne Erfolg. Deshalb sahen wir uns jetzt gezwungen, den Weg über die Öffentlichkeit zu wählen. Wir haben das aktuelle Präsidium auch eingeladen, mit uns über die Situation zu diskutieren. Aber die einzige Reaktion waren unfaire Äußerungen gegen uns in diversen Medien.

Ihre Initiative stammt aus dem Sponsoring-Umfeld. Da hätten Sie bestimmt einige Möglichkeiten zur Einflussnahme...

Natürlich. Fast alle aus unserer Initiative hatten jahrelang Kontakt zur Vereinsführung. Zu Rolf Königs (dem Präsidenten, d. Red.) und Rainer Bonhof (dem aktuellen Vizepräsidenten, d. Red.). Wir haben viel versucht, um Reformen durchzubringen. Alles ohne Erfolg. Deshalb haben wir jetzt – rechtzeitig vor Fristablauf für Satzungsänderungen am 31.12.2010 – diesen Weg gewählt, um zu verhindern, dass Borussia eine Fahrstuhlmannschaft bleibt.

Erlaubt das wirtschaftliche Umfeld des Vereins überhaupt derlei Ambitionen?

Natürlich. Der Verein hat gewaltige Einnahmen. Da stehen wir an sechster oder siebter Stelle in der Bundesliga – deutlich vor Klubs wie St. Pauli oder Freiburg. Aus diesem Fundament lässt sich deutlich größerer sportlicher Erfolg herausholen.

Ein Fehler des zuletzt kritisierten Sportdirektors Max Eberl?

Ich weiß nicht, ob er ein guter Manager ist oder nicht. Schließlich konnte er noch nie selbständig entscheiden. Das Präsidium um Rolf Königs hat sich schließlich regelmäßig ins Tagesgeschäft eingemischt. Außerdem ist Eberl sehr unerfahren. Bevor er Manager in Gladbach wurde, war er ein unbeschriebenes Blatt. In Dortmund oder Bremen hingegen hat man ein Management mit großer Erfahrung.

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