Norbert Eder über Blumen und Zweikämpfe

»Ich nahm alle, die kamen«

Außen hart und innen ganz weich. Einst war Norbert Eder kompromissloser Vorstopper, heute verkauft er Nelken und Narzissen. Wir sprachen mit ihm über den FC Bayern, seine Beziehung zu Beckenbauer und das WM-Finale 1986. Norbert Eder über Blumen und Zweikämpfe

Herr, Eder wie kommt ein ehemaliger Fußballprofi ins Blumengeschäft?

Meine Frau stammt aus einem Gärtnereibetrieb und führt unseren Laden bereits seit gut 15 Jahren. So wie meine Leidenschaft immer der Fußball war, hing ihr Herz an den Blumen. Weil die Kinder damals schon alt genug waren, haben wir uns entschlossen, auch in diesem Bereich etwas aufzubauen. Meine Frau kümmert sich um Einkauf und Verkauf, für alles andere wie Lieferungen, Administration und Büroarbeit bin ich zuständig.  

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Wie groß ist Ihr Betrieb?

Wir haben außer meiner Frau im Laden noch vier Festangestellte und drei Aushilfen. Es ist ein richtiger Familienbetrieb. So wie Uli Hoeneß seine Wurstfabrik hat, haben wir unseren Blumenladen.  

Sind Sie denn dem Fußball in irgendeiner Funktion erhalten geblieben?

Nur als Trainer in der Bezirksliga, bei der TuS Holzkirchen in unserer Gegend. Es war nach der aktiven Karriere eine bewusste Entscheidung, nicht weiter im Profigeschäft tätig zu sein, weil das dann doch wieder Stress und viele Ortswechsel bedeutet hätte. Jupp Heynckes hat mir aber immer gesagt, dass ich mal Trainer werden würde.  

Sie haben insgesamt nur neun Länderspiele absolviert, davon aber sieben bei der WM 1986 – eine beeindruckende Bilanz! Wie kam es zu dieser Konstellation?

Ich bin erst 1984 mit 28 Jahren von Nürnberg zum FC Bayern gewechselt. Mit Uli Hoeneß hatte ich noch ein halbes Jahr beim »Club« zusammengespielt. Der Transfer war für mich ein wirkliches Geschenk! Was ich in den vier Jahren in München erreicht habe, war unglaublich. Obwohl ich nicht als Star verpflichtet wurde, spielte ich Stamm und saß im Mannschaftsrat, wir gewannen bis 1986 zwei Mal die Meisterschaft und den DFB-Pokal. Wir hatten eine Supertruppe mit Sören Lerby, Dieter Hoeneß, Lothar Matthäus, Andy Brehme und Klaus Augenthaler. Und ich war mittendrin.  

Erst unmittelbar vor der WM in Mexiko debütierten Sie in der Nationalelf.

Franz Beckenbauer rief an und sagte: »Norbert, ich will dich mit zur WM nehmen.« Ich hatte kein einziges Länderspiel und fragte ihn, wie er das der Presse erklären wolle. Er sagte mir, dass ihm die Presse egal sei: »Ich habe dich jetzt zwei Jahre bei den Bayern gesehen. Ich brauche Spieler wie dich, richtige Kerle, die genug Erfahrung und keine Angst haben!« Drei Wochen vor der WM bin ich dann zum ersten Mal zur Mannschaft gestoßen.  

Welche Position spielten Sie in Beckenbauers System?

Die Sechs. Bei Bayern hatte ich mit Klaus Augenthaler die Innenverteidigung gebildet. Im Testspiel gegen Jugoslawien spielte ich vor der Abwehr, und in der Halbzeit kam Beckenbauer auf mich zu und sagte: »Deinen Urlaub verbringst du in Mexiko!«

Welche Erinnerungen haben Sie an die Weltmeisterschaft in Mexiko?

Wir sind überhaupt nicht gut gestartet, haben uns dann aber extrem gesteigert. Der Knackpunkt und unser bestes Spiel war das Halbfinale gegen Frankreich mit Platini und Tigana. Wir gewannen 2:0, ein Wahnsinnsspiel.  

Im Finale gegen Argentinien standen Sie 90 Minuten auf dem Platz. Wer war Ihr Gegenspieler?

Einen direkten Gegenspieler hatte ich nicht, ich spielte im Raum und nahm alle, die kamen. Das konnte auch Maradona sein, um den sich aber hauptsächlich Lothar Matthäus kümmerte. Das Finale war trotz der Niederlage das absolute Highlight meiner Karriere und wohl auch mein bestes Spiel bei dem Turnier.  

Nach der WM machten Sie dann kein Spiel mehr für den DFB.

Das war vorher so abgesprochen. Ich war ja schon 30. Außerdem hatte ich mit der WM-Teilnahme den Höhepunkt erreicht, was hätte da noch kommen sollen?  

Die meisten Spiele absolvierten Sie für den 1. FC Nürnberg. Am Samstag trifft der »Club« auf den Hamburger SV. Wie liefen die Duelle mit den Hamburgern in den Achtzigern?

Der HSV hatte damals eine unglaublich starke Mannschaft mit Manni Kaltz, Horst Hrubesch, gegen den ich in der Regel gespielt habe. Dazu Ernst Happel als Trainer, Günter Netzer war Manager.  

Das Pokalhalbfinale 1982 gewannen Sie gegen die HSV-Stars mit 2:0.

Stimmt, wobei mir das Finale in Frankfurt natürlich eindrücklicher in Erinnerung geblieben ist, alleine schon wegen Dieter Hoeneß und seinem Turban. Wir führten 2:0 und verloren dann noch. Das Tor von Hoeneß war aber nur der Schlusspunkt, den Ausgleich machte Wolfgang Kraus. Das hat uns das Genick gebrochen damals.  

Aktuell stecken die Nürnberger in der Krise, am vergangenen Wochenende setzte es eine 0:4-Klatsche in Dortmund.

Das Spiel gegen Bremen habe ich im Stadion gesehen, da war die Mannschaft extrem stark. Man merkt aber, dass den Jungs die Erfahrung fehlt. Konstante Leistungen können sie nicht abrufen. Und wird der Druck ja erst richtig hoch, weil sie unten stehen. Ich kenne das aus meiner Zeit, bin zwei Mal auf- und abgestiegen mit dem »Club«. Die Mannschaft braucht ein Erfolgserlebnis wie die Bayern am Dienstag in Turin.

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