09.11.2011

Norbert Eder über Blumen und Zweikämpfe

»Ich nahm alle, die kamen«

Außen hart und innen ganz weich. Einst war Norbert Eder kompromissloser Vorstopper, heute verkauft er Nelken und Narzissen. Wir sprachen mit ihm über den FC Bayern, seine Beziehung zu Beckenbauer und das WM-Finale 1986.

Interview: Johannes Ehrmann Bild: Imago

Herr, Eder wie kommt ein ehemaliger Fußballprofi ins Blumengeschäft?

Meine Frau stammt aus einem Gärtnereibetrieb und führt unseren Laden bereits seit gut 15 Jahren. So wie meine Leidenschaft immer der Fußball war, hing ihr Herz an den Blumen. Weil die Kinder damals schon alt genug waren, haben wir uns entschlossen, auch in diesem Bereich etwas aufzubauen. Meine Frau kümmert sich um Einkauf und Verkauf, für alles andere wie Lieferungen, Administration und Büroarbeit bin ich zuständig.  



Wie groß ist Ihr Betrieb?

Wir haben außer meiner Frau im Laden noch vier Festangestellte und drei Aushilfen. Es ist ein richtiger Familienbetrieb. So wie Uli Hoeneß seine Wurstfabrik hat, haben wir unseren Blumenladen.  

Sind Sie denn dem Fußball in irgendeiner Funktion erhalten geblieben?

Nur als Trainer in der Bezirksliga, bei der TuS Holzkirchen in unserer Gegend. Es war nach der aktiven Karriere eine bewusste Entscheidung, nicht weiter im Profigeschäft tätig zu sein, weil das dann doch wieder Stress und viele Ortswechsel bedeutet hätte. Jupp Heynckes hat mir aber immer gesagt, dass ich mal Trainer werden würde.  

Sie haben insgesamt nur neun Länderspiele absolviert, davon aber sieben bei der WM 1986 – eine beeindruckende Bilanz! Wie kam es zu dieser Konstellation?

Ich bin erst 1984 mit 28 Jahren von Nürnberg zum FC Bayern gewechselt. Mit Uli Hoeneß hatte ich noch ein halbes Jahr beim »Club« zusammengespielt. Der Transfer war für mich ein wirkliches Geschenk! Was ich in den vier Jahren in München erreicht habe, war unglaublich. Obwohl ich nicht als Star verpflichtet wurde, spielte ich Stamm und saß im Mannschaftsrat, wir gewannen bis 1986 zwei Mal die Meisterschaft und den DFB-Pokal. Wir hatten eine Supertruppe mit Sören Lerby, Dieter Hoeneß, Lothar Matthäus, Andy Brehme und Klaus Augenthaler. Und ich war mittendrin.  

Erst unmittelbar vor der WM in Mexiko debütierten Sie in der Nationalelf.

Franz Beckenbauer rief an und sagte: »Norbert, ich will dich mit zur WM nehmen.« Ich hatte kein einziges Länderspiel und fragte ihn, wie er das der Presse erklären wolle. Er sagte mir, dass ihm die Presse egal sei: »Ich habe dich jetzt zwei Jahre bei den Bayern gesehen. Ich brauche Spieler wie dich, richtige Kerle, die genug Erfahrung und keine Angst haben!« Drei Wochen vor der WM bin ich dann zum ersten Mal zur Mannschaft gestoßen.  

Welche Position spielten Sie in Beckenbauers System?

Die Sechs. Bei Bayern hatte ich mit Klaus Augenthaler die Innenverteidigung gebildet. Im Testspiel gegen Jugoslawien spielte ich vor der Abwehr, und in der Halbzeit kam Beckenbauer auf mich zu und sagte: »Deinen Urlaub verbringst du in Mexiko!«

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