Nöttingens Trainer Michael Wittwer über Oberlippenbärte und Schalke 04

»Vom Punkt sind wir unschlagbar«

Michael Wittwer war 13 Jahre Libero beim Karlsruher SC und trifft als Trainer des Oberligisten FC Nöttingen am Montag im DFB-Pokal auf Schalke 04. Ein Gespräch über Bartmode und Pokalphrasen.

Michael Wittwer, als Aktiver trugen Sie einen formvollendeten Schurrbart. Gibt es den noch?
Nein. Aber nicht nur die Haare im Gesicht werden weniger, sondern vor allem die auf dem Kopf. Alles ist weg.

Nach Sichtung historischen Bildmaterials war die Frage ein Muss. Entschuldigen Sie, wenn wir Salz in Wunden streuen.
Kein Problem. Zu meiner Zeit sind viele so unterwegs gewesen. Man trug Schnurrbart und Vokuhila. Heute dürfte bei den meisten meiner früheren Kollegen nicht mehr viel davon übrig sein.

Inzwischen sind Sie Trainer des Oberligisten FC Nöttingen und treffen in der ersten Runde des DFB-Pokals am Montagabend auf Schalke 04. Die Pokalsaison ist immer auch die Zeit der Phrasen. Welche Stilblüte wollen Sie zum Besten geben?
Mmh. »David gegen Goliath«?

Klingt gut. Was sagen Sie zum obligatorischen »Wir wollen ein unangenehmer Gegner sein«?
Das bedeutet ja nicht, dass wir letztlich gewinnen. Bei David gegen Goliath ist das Ergebnis aber bekannt.

Der Pokal hat also seine eigenen Gesetze?
Durchaus. Zwar keine schöne, aber eine Phrase, die sich über die Jahre gefestigt hat, weil sie im ein oder anderen Spiel zutraf.

So wie vielleicht in Ihrem Spiel gegen Schalke 04?
Die Chancen sind natürlich gering, 1:99 würde ich sagen. Aber manchmal ist das eine Prozent ausschlaggebend.

Als aktiver Spieler des Karlsruher SC mussten Sie in den ersten Runden selbst gegen unterklassige Teams ran. Beispielsweise 1994 gegen die Sportfreunde Oesede. Wie darf man sich die Ansprache Ihres damaligen Trainers Winfried Schäfer vorstellen?
Ich glaube, da nehmen sich die Ansprachen der Trainer des jeweils »großen« Vereins nicht viel. Man weist drauf hin, dass man den Gegner nicht unterschätzen sollte. Das war zu unserer Zeit schon so und hat manchmal mehr, manchmal weniger geklappt. Aber ich wüsste nicht, dass wir mit dem KSC mal gegen einen unterklassigen Gegner ausgeschieden wären.

Wir konnten nichts Gegenteiliges recherchieren. Der KSC gewann damals 6:1. Stand diese konzentrierte Leistung im Zusammenhang mit dem übereifrigen Jungspund hinter Ihnen im Tor?
Konzentriert haben wir nicht nur mit Oliver Kahn gespielt. Wir definierten uns nicht über Stars, deshalb wurden die »Kleinen« auch nie unterschätzt. Nachdem Olli uns Richtung München verlassen hatte, zogen wir 1996 ins Pokalfinale ein (0:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern, d. Red.). Da stand übrigens Claus Reitmaier im Tor.


Michael Wittwer, wovor muss sich Schalke in Acht nehmen?
Ohje... Vor unseren Fans vermutlich nicht. Auf die Unterstützung frenetischer Ultras kann der FC Nöttingen nicht zählen. Zu uns kommen überwiegend Vereinsmitglieder auf den Sportplatz, die einfach das Spiel sehen wollen. Schalke sollte eher darauf achten, dass sie in der regulären Spielzeit zum Sieg kommen.

Warum das?
Auf ein Elfmeterschießen würde ich es an ihrer Stelle lieber nicht ankommen lassen. Wir sind zwar »nur« ein Oberligist, aber vom Punkt unschlagbar. (lacht)

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