Nikos Liberopoulos im Interview

»Ich spüre, es läuft gut«

Mit sieben Saisontoren hat Nikos Liberopoulos (33) Eintracht Frankfurt vor dem Absinken in den Tabellenkeller bewahrt. Wir sprachen mit ihm über den Blick nach oben, Friedhelm Funkel, Athen und Rehakles. Nikos Liberopoulos im InterviewImago

Herr Liberopoulos, in den letzten Jahren sind auffällig viele griechische Spieler nach Frankfurt gekommen. Genießt Eintracht Frankfurt einen derart guten Ruf in Griechenland, oder warum sind Sie im Sommer nach Frankfurt gewechselt?

Das hat hier mit Ioannis Amanatidis angefangen, dann kam Sotirios Kyrgiakos. Ich denke, die Eintracht hat gute Erfahrungen mit meinen Landsleuten gemacht. Und nicht nur in Frankfurt spielen ja mittlerweile Griechen.

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Sie kamen von AEK Athen, einem griechischen Spitzenverein. Worin bestand der Reiz, noch mal ins Ausland zu gehen und dort nicht um den Titel mitzuspielen?


Einfach darin, dass es meine letzte Chance war, noch mal in der Bundesliga spielen zu dürfen. Die Organisation und Professionalität hier in Deutschland kommen mir entgegen. Das war der wichtigste Schritt in meiner Laufbahn.

In Griechenland erfreuen Sie sich großer Beliebtheit. Sie wurden zuletzt Griechenlands Spieler des Jahres 2007, dazu Torschützenkönig. Wollten Sie auf Ihre alten Tage noch mal etwas Neues ausprobieren?


Ja, ich wollte noch einmal im Ausland spielen. Diesen großen Traum erfülle ich mir gerade, und ich bin sehr froh darüber, dass es geklappt hat.

Wie bewerten Sie die Situation von Eintracht Frankfurt? Ist die Mannschaft in diesem Jahr stärker als letztes Jahr?

Wir haben in der Hinrunde sehr viele Ausfälle zu verzeichnen gehabt, sonst hätten wir vielleicht ein paar Punkte mehr auf dem Konto. Trotz dieser Verletzungsmisere können wir mit unserem gesicherten Mittelfeldplatz aber ganz zufrieden sein. Dennoch bin ich der Meinung, wenn wir mal einigermaßen komplett sind, dann sind wir so stark, dass wir unter den ersten zehn Teams in der Tabelle stehen können.

Wie ist die Stimmung in der Mannschaft, nachdem man sich trotz der vielen Verletzten im Mittelfeld festgesetzt hat? Zwischenzeitlich stand der Trainer, wie man hört, kurz vor der Entlassung.

Die Stimmung ist sehr gut, denn wir sind ein Team. Hier kämpft jeder für jeden, und keiner lässt sich von den vielen Ausfällen von unseren Zielen abbringen. Das Trainerteam hier leistet hervorragende Arbeit. Sie verlieren nie die Ruhe, werden nicht hektisch. Das überträgt sich auf die Mannschaft.

Abgesehen von den vielen Verletzten, woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Mannschaft vor allem auswärts, stärkeren Gegnern nicht gewachsen ist?


Weil andere Teams wie Bremen oder auch Dortmund eben zuletzt nicht so viele erfahrene Spieler ersetzen mussten wie wir.  Das kann man nicht in jedem Spiel kompensieren. Außerdem ist die Eintracht noch nicht so weit, sich sportlich und finanziell mit Mannschaften wie Werder oder Dortmund messen zu können.

Liegt das nicht auch an der Spielweise des Trainers? Zuletzt hat Friedhelm Funkel eingeräumt, vom 4-4-1-1 System abrücken zu wollen. Mit diesem System hatte man gegen Bremen und Dortmund verloren.

Das ist blanker Unsinn. Der Trainer hat doch aufgrund der zahlreichen Ausfälle kaum noch Möglichkeiten, taktisch zu variieren. Friedhelm Funkel weiß ganz genau, wie er uns einstellen muss. In Dortmund haben wir einfach bei Standards geschlafen und 3 Tore in 25 Minuten kassiert. In Bremen waren wir dann einfach schlecht und haben zurecht so hoch verloren.

Jürgen Klinsmann hat bei seinem Antritt in München gesagt, dass sein Anspruch sei, jeden Tag jeden Spieler besser machen zu wollen. Haben Sie sich unter Funkel verbessert?

Auf jeden Fall habe ich hier neue Dinge gelernt, was mir aber nicht schwer gefallen ist. Ich musste meine Spielweise ein wenig umstellen. Aber jetzt habe ich mich an die Bundesliga gewöhnt und spüre, es läuft gut.

Könnte man Friedhelm Funkel mit Otto Rehhagel vergleichen, unter dem Sie zuletzt in der griechischen Nationalelf bei der EM gespielt haben?

Nein. Otto Rehhagel und Friedhelm Funkel sind zwar beide extrem erfahrene Trainer und waren früher selbst Profis, aber sie unterschieden sich schon etwas in der Ansprache zur Mannschaft. Ich bin sehr froh, unter solchen Ausnahmetrainern arbeiten zu können.

Kennen Sie Evangelos Mantzios? Warum konnte er sich in Frankfurt nicht durchsetzen? Wurde er verkannt?


Da müssen Sie Evangelos fragen, der grundsätzlich sehr viel Talent mitbringt und dies ja auch in der Champions League angedeutet hat. Warum er sich bei der Eintracht nicht durchgesetzt hat, kann ich nicht sagen.

Derzeit ist zu hören, dass Sie sich in Frankfurt sehr wohl fühlen. Nicht jeder ausländischer Spieler kommt derart schnell an. Caio z. B. wirkt isoliert. Wie erklären Sie sich das?

Caio ist nicht isoliert, aber er ist viel jünger als ich und kommt aus einem ganz anderen Kulturkreis. Er hat im Profifußball noch nicht viel erlebt. Aber Caio bringt alles mit, was ein großer Fußballer braucht. Er wird seinen Weg machen und ist dabei, sich immer besser an Deutschland und den Fußball hier zu gewöhnen.

Was ist mit dieser Mannschaft noch möglich, wenn zur Rückrunde Verletzte zurückkommen, oder neue Spieler eingekauft werden?


Dann ist es möglich, eine ähnlich erfolgreiche Saison wie zuletzt zu spielen. Will heißen, dass wir erneut einen gesicherten Mittelfeldplatz – vielleicht sogar einen einstelligen – erreichen können.

Wollen Sie in Frankfurt Ihre Karriere beenden?


Mal schauen. Ich kann mir alles vorstellen.

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