Nigerias Trainer Lars Lägerbäck

»Alles ist möglich«

Lars Lagerbäck, bei der WM 2006 noch schwedischer Teamchef, ist seit drei Monaten Nationaltrainer Nigerias. Im 11FREUNDE-Interview spricht er über die WM-Erwartungen des nigerianischen Präsidenten und den Auftakt gegen Argentinien. Nigerias Trainer Lars Lägerbäck

Lars Lagerbäck, bei der Verabschiedung der Mannschaft hat Nigerias Staatschef Goodluck Jonathan gemeint, er erwarte den Sieg bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. Ist der Druck auf das Team dadurch größer geworden?

Ich denke nicht, dass deshalb mehr Druck auf meinem Team liegt, man ist ja sowieso immer unter Druck. Jeder Spieler hat Hoffnungen, das muss man einfach verarbeiten können, wenn man im Profifußball tätig ist. Die Erwartungen von der nigerianischen Bevölkerung an uns sind natürlich sehr groß, das wissen wir.

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Der Staatschef wollte die Spieler wohl noch zusätzlich motivieren, indem er ihnen versprach »We will make you happy.«

Was ich in den letzten Monaten in Nigeria gespürt habe, ist, dass in diesem Land ein riesiges Interesse am Fußball herrscht. Die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, sagen, dass es das Größte für Nigeria wäre, wenn die Super-Eagles die Weltmeisterschaft gewinnen würden. Daher glaube ich, dass uns die Leute bei einem erfolgreichen Abschneiden einfach mit großer Begeisterung begegnen würden.

Fußball ist also nicht erst seit den legendären Hüftwacklern Jay-Jay Okochas der Nationalsport Nigerias?

Es gibt Nichts, das auch nur annähernd so viel Begeisterung dort auslöst, wie Fußball. Dieser Sport ist nicht nur irgendeine, sondern die große Leidenschaft für die Bevölkerung Nigerias.

Sie sind erst seit Ende Februar Nationaltrainer Nigerias. War es schwierig, in so kurzer Zeit zur Mannschaft zu finden?

Ich war in dieser natürlich sehr kurzen Zeit bereits einige Male in Nigeria. Es ist schon eine Herausforderung für mich, diese Mannschaft zur Weltmeisterschaft zu führen, aber ich freue mich darüber und bin gespannt auf unser Abschneiden. Ich denke, wir werden trotz der kurzen Vorbereitungszeit ein gutes Turnier spielen.



Es wurde in den letzten Jahren kritisiert, dass manche Nationalkicker nicht mit vollem Einsatz für Nigeria spielen würden. Was merken Sie davon?

Die Spieler sind sehr motiviert und voll bei der Sache. Alle sind heiß auf die Endrunde, freuen sich auf die Spiele und wollen für Nigeria erfolgreich sein und das Bestmögliche erreichen.

In der WM-Gruppenphase spielt Nigeria gegen Argentinien, Griechenland und Südkorea. Wie schätzen Sie die Chance Ihres Teams auf ein Weiterkommen ein?

Von der Papierform her ist selbstverständlich Argentinien der große Favorit in unserer Gruppe, die haben absolute Spitzenspieler in ihren Reihen. Aber das ist Theorie, in der Praxis spielen wir Elf gegen Elf, da ist alles möglich.
Das heißt, der zweite Gruppenplatz ist also durchaus realistisch.

Welches Ziel haben Sie sich mit Nigeria für die Endrunde in Südafrika gesetzt?

Ich habe den Spielern gesagt, dass wir immer 100 Prozent geben müssen. Egal ob beim Training, beim Spiel oder bei der Teamkonferenz. Es geht darum, alles zu geben, das macht einen professionellen Fußballer aus. Wenn wir das machen und uns ganz darauf fokussieren, können wir auch sehr weit kommen. Wir haben eine große Möglichkeit, ein gutes Abschneiden zu erreichen.


Auch, weil in Ihrer Mannschaft zahlreiche Spitzenspieler wie Chinedu Obasi von Hoffenheim oder der Wolfsburger Obafemi Martins stehen?

Das sind natürlich sehr gute Fußballer, die brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Wir haben richtig gute Qualität in unserem Team – das macht mich zuversichtlich für Südafrika.

Nigeria ist aber noch nie in einem WM-Viertelfinale gestanden. Wird sich das in Südafrika ändern?

Ich hoffe schon sehr, dass sich das ändern wird. Aber man weiß nie, was passieren wird. Wir wollen mit voller Konzentration in jedes Spiel gehen und gewinnen – dann können wir viel erreichen.

In den letzten Jahren hat es einige Unstimmigkeiten im nigerianischen Fußballverband gegeben, viele Trainerwechsel und nicht zuletzt den Anschlag auf Nationalspieler Obafemi Martins vor drei Jahren. Warum haben Sie diese Herausforderung angenommen?

Ich finde, dass es einfach eine interessante Erfahrung für mich ist. Natürlich ist es auch eine große Herausforderung, eine WM-Mannschaft zu übernehmen. Das war sicher auch ausschlaggebend, die Möglichkeit zu haben, bei einer Weltmeisterschaft dabei sein zu können. Das ist eines der schönsten Gefühle, das man als Trainer haben kann. Das ist ein Privileg und ich bin schon sehr aufgeregt, mit einer so starken Mannschaft wie Nigeria an der WM teilzunehmen. Außerdem ist es schön, mit einem afrikanischen Land bei der ersten Endrunde auf dem afrikanischen Kontinent dabei sein zu dürfen.

War es die richtige Entscheidung, die Weltmeisterschaft an Südafrika zu vergeben?

Ja, absolut. Ich war einige Mal in Südafrika und habe gesehen, dass man sich dort wirklich viel Mühe mit den Stadion und den Trainingsmöglichkeiten gegeben hat. Die Voraussetzungen wurden geschaffen, es wird bestimmt eine sehr schöne Weltmeisterschaft werden, da bin ich sicher.

Am 1. Oktober feiert Nigeria 50 Jahre Unabhängigkeit. Welche Bedeutung hat dieser Tag für das Land?

Ich denke, die Weltmeisterschaft ist auch ein Teil davon. Es wäre sehr schön für die Bevölkerung, dieses Jubiläum mit einer guten WM feiern zu können. Die Leute reden schon sehr viel darüber und wenn man in Nigeria ist, werden diese zwei großen Ereignisse miteinander in Verbindung gebracht. Vielleicht können wir unseren Teil zur Feier beitragen.

Ist Fußball eine gute Möglichkeit, die wahren Probleme des Lebens, die es auch in Nigeria gibt, auf die Seite zu schieben?

Das ist schwer zu sagen, aber Fußball ist nun einmal der größte Sport in den meisten Ländern. Wenn das Nationalteam gewinnt, sind die Leute überall froh und glücklich, egal ob in Österreich oder irgendwo anders. Es ist positiv, dass Fußball so viele Leute begeistern kann.

Ist Nigeria auf einem guten Weg, ein politisch stabiles Land zu werden?

Es funktioniert dort sehr vieles. Die Leute sind sehr freundlich, aber das Leben ist nun mal nicht in jedem Land gleich, sondern verschieden.

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