12.06.2010

Nigerias Trainer Lars Lägerbäck

»Alles ist möglich«

Lars Lagerbäck, bei der WM 2006 noch schwedischer Teamchef, ist seit drei Monaten Nationaltrainer Nigerias. Im 11FREUNDE-Interview spricht er über die WM-Erwartungen des nigerianischen Präsidenten und den Auftakt gegen Argentinien.

Interview: Matthias Berger Bild: Imago
Lars Lagerbäck, bei der Verabschiedung der Mannschaft hat Nigerias Staatschef Goodluck Jonathan gemeint, er erwarte den Sieg bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. Ist der Druck auf das Team dadurch größer geworden?

Ich denke nicht, dass deshalb mehr Druck auf meinem Team liegt, man ist ja sowieso immer unter Druck. Jeder Spieler hat Hoffnungen, das muss man einfach verarbeiten können, wenn man im Profifußball tätig ist. Die Erwartungen von der nigerianischen Bevölkerung an uns sind natürlich sehr groß, das wissen wir.



Der Staatschef wollte die Spieler wohl noch zusätzlich motivieren, indem er ihnen versprach »We will make you happy.«

Was ich in den letzten Monaten in Nigeria gespürt habe, ist, dass in diesem Land ein riesiges Interesse am Fußball herrscht. Die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, sagen, dass es das Größte für Nigeria wäre, wenn die Super-Eagles die Weltmeisterschaft gewinnen würden. Daher glaube ich, dass uns die Leute bei einem erfolgreichen Abschneiden einfach mit großer Begeisterung begegnen würden.

Fußball ist also nicht erst seit den legendären Hüftwacklern Jay-Jay Okochas der Nationalsport Nigerias?

Es gibt Nichts, das auch nur annähernd so viel Begeisterung dort auslöst, wie Fußball. Dieser Sport ist nicht nur irgendeine, sondern die große Leidenschaft für die Bevölkerung Nigerias.

Sie sind erst seit Ende Februar Nationaltrainer Nigerias. War es schwierig, in so kurzer Zeit zur Mannschaft zu finden?

Ich war in dieser natürlich sehr kurzen Zeit bereits einige Male in Nigeria. Es ist schon eine Herausforderung für mich, diese Mannschaft zur Weltmeisterschaft zu führen, aber ich freue mich darüber und bin gespannt auf unser Abschneiden. Ich denke, wir werden trotz der kurzen Vorbereitungszeit ein gutes Turnier spielen.



Es wurde in den letzten Jahren kritisiert, dass manche Nationalkicker nicht mit vollem Einsatz für Nigeria spielen würden. Was merken Sie davon?

Die Spieler sind sehr motiviert und voll bei der Sache. Alle sind heiß auf die Endrunde, freuen sich auf die Spiele und wollen für Nigeria erfolgreich sein und das Bestmögliche erreichen.

In der WM-Gruppenphase spielt Nigeria gegen Argentinien, Griechenland und Südkorea. Wie schätzen Sie die Chance Ihres Teams auf ein Weiterkommen ein?

Von der Papierform her ist selbstverständlich Argentinien der große Favorit in unserer Gruppe, die haben absolute Spitzenspieler in ihren Reihen. Aber das ist Theorie, in der Praxis spielen wir Elf gegen Elf, da ist alles möglich.
Das heißt, der zweite Gruppenplatz ist also durchaus realistisch.

Welches Ziel haben Sie sich mit Nigeria für die Endrunde in Südafrika gesetzt?

Ich habe den Spielern gesagt, dass wir immer 100 Prozent geben müssen. Egal ob beim Training, beim Spiel oder bei der Teamkonferenz. Es geht darum, alles zu geben, das macht einen professionellen Fußballer aus. Wenn wir das machen und uns ganz darauf fokussieren, können wir auch sehr weit kommen. Wir haben eine große Möglichkeit, ein gutes Abschneiden zu erreichen.

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