16.08.2007

Nigel Tandy - Deutsche Welle-Reporter im Interview

„69 Millionen sind bei uns Alltag!“

Was die Bundesliga braucht, ist Kohle - und einen zweiten Kevin Keegan. Das zumindest behauptet der Engländer Nigel Tandy. Für die Deutsche Welle berichtet er über die Bundesliga. Wir haben ihn getroffen.

Interview: oliver zeyen Bild: Tandy
Mr Tandy, Sie berichten als Engländer über die Bundesliga. Interessieren sich die Europäer überhaupt für den deutschen Fußball?

Interesse besteht zweifellos. Aber das ist eng mit dem FC Bayern verbunden. Wenn die Bayern in der Champions League gut abschneiden, richten sich die Blicke automatisch auch in Richtung Bundesliga. Der Club ist sozusagen das Bundesliga-Aushängeschild im Ausland. Was die anderen Vereine angeht, würde ich das Interesse eher als gering einstufen.

Gibt es denn überhaupt irgendein Land, in dem die Bundesliga mit ähnlich großer Begeisterung verfolgt wird wie hierzulande?


Die Afrikaner interessieren sich brennend für den deutschen Fußball. Vom afrikanischen Kontinent erhalten wir bei weitem das größte Feedback auf unsere Sendung. Unseren Programminhalt haben wir dementsprechend angepasst: Wir senden viele Porträts und Hintergrundberichte der afrikanischen Bundesliga-Spieler. Eigentlich liegt darauf unser Hauptaugenmerk.



Helfen Transfers wie Ribery und Toni das Image der Liga im Ausland zu verbessern?

Noch habe ich nicht bemerkt, dass durch diese Transfers ein erhöhtes Interesse bestünde. Viel interessanter wird es sein, zu beobachten, wie sich unsere Hörerzahlen entwickeln, wenn die Bayern nicht in der Champions League spielen. Sie sind wie gesagt die Visitenkarte des deutschen Fußballs. Auch im Ausland gibt es übrigens eine zwiespältige Meinung zu den Bayern: Entweder die Leute lieben den Club, oder sie hassen ihn.

Was erwarten Sie, als ausländischer Beobachter, in dieser Saison von den Bayern?

Ich persönlich bin gespannt, wie München mit den vielen Neuverpflichtungen zurechtkommen wird. Uli Hoeneß hat sich finanziell weit aus dem Fenster gelehnt. Wenn er Pech hat, verwandelt sich sein vermeintliches Dream-Team über Nacht in einen Albtraum. Er weint ja jetzt schon über jeden verletzten Spieler auf der Bayern-Bank.

Wie flüssig läuft Ihnen der Name »Bastian Schweinsteiger« über die Lippen?

Ach, ganz gut, denke ich. Da bin ich gegenüber meinen anderen englischen Kollegen ein bisschen im Vorteil.

Gibt es andere Namen in der Bundesliga, mit denen Sie Probleme haben? Jan-Ingwer Callsen-Bracker vielleicht?


Nein, die Deutschen sind ziemlich einfach. Ein paar von den tschechischen Spielern sind schwerer auszusprechen. Auch »Jakub Blaszczykowski« von Borussia Dortmund ist richtig hart.
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