12.05.2008

Neven Subotic im Interview

»Es war wirklich schlimm«

Das Leben des Neven Subotic ist eine Reise: Als Kind flieht er mit seinen Eltern aus Bosnien, er kommt an in einer deutschen Kleinstadt. Bald verlässt er auch diese – westwärts. Ein Gespräch über das Unterwegs, Mainz 05 und Zufälle.

Interview: Bastian Henrichs Bild: Imago
Neven Subotic im Interview
Herr Subotic, glauben Sie, dass das Leben eines jeden Menschen vom Schicksal abhängig ist?

Ich glaube, jeder Mensch trifft Entscheidungen, die Einfluss auf das Schicksal haben. Jeder ist für sein eigenes Schicksal verantwortlich.



Viele der wichtigsten Entscheidungen in ihrem Leben wurden Ihnen von schicksalhaften Zufällen abgenommen.


Ja, aber es war nicht so, dass ich nichts dafür getan hätte. Ich glaube, wenn man etwas Gutes tut, dann bekommt man das auch zurück, wenn man viel gibt, dann kriegt man viel und wenn man hart arbeitet, dann wird man dafür belohnt.

Fällt es Ihnen dadurch schwerer wichtige Entscheidungen zu treffen?

Das kommt sehr auf die Entscheidung an. Wenn es etwas sehr wichtiges ist, fällt die Entscheidung immer schwer.

Die erste wichtige Entscheidung in ihrem Leben haben ihre Eltern getroffen, als Sie noch ganz klein waren.

Das stimmt. Als ich eineinhalb Jahre alt war, haben meine Eltern beschlossen vor dem Bürgerkrieg aus Bosnien zu fliehen. Daran habe ich aber keine Erinnerungen.

Sie sind also in Deutschland aufgewachsen. Als Kind fällt es ja oft leichter, sich zu Recht zu finden. Wie war das für Sie?


Ja, es war total einfach. Ich bin in einem kleinen Dorf im Schwarzwald aufgewachsen, in dem jeder jeden kannte. Zudem gab es dort noch weitere Flüchtlingsfamilien und der Zusammenhalt war sehr groß. Die meisten meiner damaligen Freunde kamen aus demselben Land wie ich.

Wie sind Sie zum Fußballspielen gekommen?

Das erste Jahr in Deutschland haben wir in einer Dachgeschoßwohnung über dem Vereinsheim des TSV Schwarzenberg gewohnt. Daneben war halt ein Platz, auf dem jeden Tag Fußball gespielt wurde. Mein Papa hat auch für den Verein gespielt. Irgendwie klar, dass ich auch angefangen habe.

Für einen Jungen, der nichts lieber tut als Fußball spielen, muss das toll gewesen sein.

Ja, das war schon praktisch. Wenn ich kicken wollte, war immer jemand da, der mit mir gespielt hat. Auch in der Schule habe ich in der Pause ständig Fußball gespielt.

Haben Sie damals mitbekommen, wie schwer es für ihre Eltern war in Deutschland zurecht zu kommen?

Nein. Dazu war ich noch zu klein. Mit elf sind wir ja schon weiter gezogen nach Amerika. Mittlerweise weiß ich aber, dass es ihnen schwer gefallen ist, vor allem Arbeit zu finden und genug Geld zu verdienen war nicht einfach.

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