Nelson Valdez im Interview

„Wir schreiben Geschichte“

In Bremen konnte sich Nelson Valdez nicht durchsetzen, und auch für Borussia Dortmund hat der Paraguayer noch kein Tor erzielt. Er ist sich dennoch sicher, das Beste kommt noch, und Dortmund schreibt mit ihm Geschichte. Imago

Haben Sie das Champions League Spiel Bremen gegen Chelsea gesehen?

Leider nicht, aber ich habe mich natürlich riesig für die Jungs gefreut, als ich am Morgen danach vom Sieg erfahren habe. Schade nur, dass sie mit zehn Punkten noch nicht durch sind.

Sie hätten dabei sein können.

Ach, das führt doch zu nichts.

Klingt, als hätten Sie mit Ihrem ehemaligen Verein bereits abgeschlossen.

Man hat mich in Bremen so warm empfangen, hier habe ich vieles gelernt, bin Profi geworden – dieses wichtige Kapitel meiner Karriere kann in so kurzer Zeit nicht abgeschlossen werden.

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Wie lautet Ihr Fazit zu fünf Jahren Werder?


Es ging stets bergauf mit mir, aber nur bis zu dem Punkt, an dem mir klar wurde: Hier schaffst du es nicht. Und trotzdem weiß ich, dass ich ohne die Hilfe des Vereins und ohne den Ansporn von Jürgen Born (Geschäftsführer von Werder Bremen, Anm. d. R.) niemals soweit gekommen wäre.

Haben Sie in der Zeit bei Werder Fehler gemacht?

Ich bin selbstkritisch – vielleicht hätte ich mich noch mehr anstrengen können, dann wäre ich vielleicht mehr eingesetzt worden. Ja, und dann hätte der Trainer vielleicht mehr Vertrauen in mich gesetzt. Das Ganze gilt vielleicht auch umgekehrt. (lacht)

Was wäre eigentlich aus Ihnen geworden, wenn Sie sich nicht für den Profi-Fußball entschieden hätten?

Fußball war schon immer das Wichtigste für mich, ich habe nie daran gezweifelt, eines Tages Profi zu werden. Als ich die Schule abgebrochen habe, um mehr trainieren zu können, war es natürlich ein hohes Risiko. Unterm Strich ich bin aber einfach sehr dankbar und stolz, diesen Beruf ausüben zu dürfen. Es war die richtige Entscheidung.

Sie hatten die Möglichkeit, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen, entschieden sich aber für Paraguay – war das auch richtig?

Auf jeden Fall, denn es ist ein unglaubliches Gefühl, für Paraguay zu spielen. Ich habe in der WM-Qualifikation das entscheidende Tor gegen Venezuela geschossen und wurde als Held gefeiert. Im Trikot der Deutschen wäre ich in meinem Heimatland nur der Verräter.

Die WM selbst lief nicht so gut.

Es war eine sehr große Enttäuschung, wir haben uns unter Wert verkauft. Die Medien in Paraguay waren uns nach dem Ausscheiden nicht wohl gesonnnen, aber das ist wohl überall auf der Welt der Fall.

In Bremen gescheitert, bei der WM enttäuscht – war der Wechsel nach Dortmund schon ihre letzte Chance?

Moment mal, ich bin doch erst 22. Und wenn mein Vertrag in Dortmund in vier Jahren ausläuft, dann bin in einem Alter, in dem Miroslav Klose erst zum großen Leistungssprung ansetzte.

In Dortmund erwartet man diesen Sprung schon jetzt von Ihnen.

Der Tag wird schon bald kommen, an dem ich mein erstes Tor für Dortmund erzielen werde. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Fans bedanken, die geduldig sind mit mir und mich nicht auspfeifen.

Sind Sie zu ehrgeizig?

Nein, aber ich ärgere mich zu viel über mich selbst.

Haben Sie Angst, wieder nur der Bankdrücker zu sein?

Ich habe keine Angst. Ich bin nicht nach Dortmund gekommen, um auf der Bank zu sitzen. Sollte es dennoch passieren, dann kann ich nichts dagegen tun. Der Trainer hat das Recht, mich nach meiner Leistung zu bewerten.

Die Kritik an Ihrem Trainer, Bert van Marwijk, wird immer größer. Hat er bislang alles richtig gemacht?

Seitdem ich hier bin, stand er permanent in der Kritik, das ist also nichts Neues. Ich zweifle nicht an ihm und weiß, dass sich die Erfolge schon noch einstellen werden – schneller könnte es allerdings gehen, wenn man ihn in Ruhe arbeiten lassen würde. Und dann wird es am Ende wieder heißen: Bert van Marwijk hat alles richtig gemacht.

Und Dortmund wird Meister sein.

Nicht in diesem Jahr, aber ich bin mir sicher, dass wir irgendwann noch mal Geschichte schreiben werden.

Also wird Bremen Meister?

Ich drücke ihnen die Daumen. Aber wir kennen doch die Bayern: Die Erfahrung hat gezeigt, dass man sie besser nicht aus den Augen verlieren sollte.

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